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Palliativmedizin in Rumänien

In Rumänien hat die Anzahl der Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Laut aktuellen Statistiken waren 2012 etwa 78.000 Menschen an Krebs erkrankt, das sind um etwa 4.000 Fälle mehr als 2008.

Palliativmedizin in Rumänien
Palliativmedizin in Rumänien

, 22.10.2014, 18:31

In Rumänien hat die Anzahl der Krebserkrankungen in den vergangenen Jahren rapide zugenommen. Laut aktuellen Statistiken waren 2012 etwa 78.000 Menschen an Krebs erkrankt, das sind um etwa 4.000 Fälle mehr als 2008. Vor diesem Hintergrund muss sich neben der ärztlichen Versorgung auch die seelische und geistige Fürsorge weiterentwickeln.



Was geht in einem Menschen vor, der oftmals im jungen Alter unter einer unheilbaren Krankheit leidet? Was erlebt die Familie dieses Menschen? Welche Form von Betreuung könnte Krebspatienten stärken, damit sie der Krankheit psychisch und geistig standhalten können? Der Verein Hospice Casa Speranţei“ bietet Antworten auf all diese Fragen. Die 1992 von dem Briten Graham Perolls in Kronstadt gegründete Stiftung galt damals als Vorreiter in Sachen Palliativtherapie. Graham Perolls fragten wir nach der Situation im damaligen Rumänien.



Uns war sofort klar, dass die meisten Patienten mit unheilbaren Krankheiten nach dem Krankenhausaufenthalt nach Hause geschickt wurden. Danach mussten die Familien alleine auskommen, ohne passende ärztliche Betreuung, ohne seelische, psychologische oder religiöse Fürsorge. Die Erfahrung war für sie traumatisierend. Wir bieten eine Rundumversorgung an, die Medikamente für Krebspatienten und andere Erkrankungen sowie eine Schmerztherapie umfasst. Das ist ein angewandter Bereich der Medizin, der die Behandlung aller Symptome von Krebs umfasst, etwa Appetitsverluste oder Atembeschwerden. Wir konzentrieren uns eigentlich auf die Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Deshalb sind wir hier. Das hat nichts mit dem Tod zu tun, sondern mit dem Leben. Wir helfen ihnen, die ihnen übrig gebliebenen Tage schön zu verbringen. Aber wir helfen auch den Familienangehörigen, denn auch sie leiden oft sehr darunter.“




In den ersten Jahren nach 1992 bot Hospice Casa Speranţei den Patienten in Kronstadt Palliativtherapie zu Hause an. 2002 wurde ebenfalls in der südsiebenbürgischen Stadt das erste Zentrum eröffnet, das auf diese Art von Behandlung spezialisiert war. Vier Jahre später gründete der Verein seine erste Filiale in Bukarest, seit 2014 gibt es auch in der rumänischen Hauptstadt ein Zentrum für Palliativbehandlung.



Inzwischen sind auch andere Nichtregierungsorganisationen auf dem Gebiet tätig geworden. Allerdings sind es nicht allzu viele. Deshalb haben nur wenig Patienten Zugang dazu, auch wenn es viel mehr Menschen gebe, die diese Form von Versorgung nötig hätten, wie Graham Perolls wei‎ß:


In Rumänien haben nur 6% der Kranken, die eine Palliativbehandlung nötig hätten, auch Zugang dazu. Es gilt also, noch viel Arbeit zu verrichten. Aber unsere beiden Behandlungszentren sind auch Fortbildungseinrichtungen. Wir organisieren Kurse für Ärzte, Krankenschwester, Apotheker oder Physiotherapeuten.“




Bereits 2008 begann eine Spendenaktion für die Deckung der Kosten bei der Gründung des Behandlungszentrums in Bukarest. Erst in diesem Jahr konnte das Zentrum eingeweiht werden. Wir fragten Frau Dr. Ruxandra Ciocârlan, Direktorin des Ressorts Dienstleistungen für Patienten bei Hospice Casa Speranţei in Bukarest, nach den Bemühungen und vor allem nach den Angeboten für Patienten.



Wenn das Zentrum voll ausgelastet sein wird, wird es bis zu 2000 Patienten jedes Jahr versorgen können. Au‎ßerdem bieten wir Dienstleistungen für zu Hause an, für Kinder und Erwachsene, Beratung für Krankenhäuser und Polikliniken. Spezialisierte Behandlung und Aufenthalte in unserem Zentrum bieten wir den Krebspatienten an. Insgesamt verfügen wir über 23 Betten, 15 für Erwachsene, 8 für Kinder.“




Ruxandra Ciocârlan gesteht, dass der Dialog mit den Patienten und ihren Familien von wesentlicher Bedeutung für die Palliativtherapie ist. Dabei habe sie ihre wichtigsten Bedürfnisse identifizieren können, erzählt die Ärztin:



Sie brauchen Beratung und Betreuung, denn die Dienstleistungen, die der Staat anbietet, sind oftmals nicht integriert und aufeinander abgestimmt, die Patienten wissen häufig nicht, wohin sie gehen sollen und was sie zu erwarten haben. Dann haben sie es notwendig, als Menschen verstanden zu werden, nicht als Empfänger einer Diagnose. Der Patient will nicht als »Brustkrebs« oder »Leberkrebs« behandelt werden. Er hei‎ßt Ion, Gheorghe oder Maria, sie sind Menschen, die leiden und die Familien haben, die mitleiden. Und sie haben au‎ßerdem auch existentielle Fragen, warum denn das ausgerechnet mir passiert, und wollen eben als Individuen behandelt und angehört werden.“




Derselbe Respekt wurde auch Cristina Stănică zuteil, sowohl ihr als auch ihrem achtjährigen Sohn, der an einem Gehirntumor starb. Im staatlichen System, das überfüllt sei und vor vielen Problemen stehe, sei dies leider nie der Fall gewesen, erzählt Cristina Stănică:



Ich glaube, dass im öffentlichen Gesundheitswesen leider niemand die Zeit für solche Dienstleistungen aufbringen kann. Die Ärzte sind sehr beschäftigt, das System erlaubt ihnen nicht, mehr als nur die strikten Aufgaben zu erfüllen. Und ich wei‎ß nicht, ob sie alle fähig dazu wären. Ich habe Ärzte getroffen, die wirklich alles Menschliche versucht haben, Ärzte, die ihrer beruflichen Pflicht einwandfrei nachgegangen sind, ohne sich emotional zu engagieren, sowie Ärzte, die nicht interessiert daran gewesen wären, auch wenn sie die nötige Zeit gehabt hätten. Aber die aus der letzten Kategorie waren nicht sehr viele, das stimmt schon.“




Deshalb muss, neben der Behandlung mit Medikamenten, in den Krankenhäusern auch eine Seelsorge geboten werden. Das übernimmt die Palliativtherapie, die den Patienten ermöglicht, die Erfahrung mit Würde durchzumachen, berichtet Cristina Stănică:



Sowohl er als auch ich haben diese seelische Betreuung bekommen. Mein Kind bezeichnete das Ärzteteam von Hospice, das uns zu Hause besuchte, als ‚unser Lächeln‘. Wann kommt unser Lächeln, fragte er mich. Wir hatten ein au‎ßerordentliches Ärzteteam, das uns als Normalmenschen betrachtet hat, sowohl ihn als auch mich… obwohl in den Momenten der Verzweiflung und Wut ich wahrscheinlich unerträglich war. Sie haben sich sehr gut in das eingefühlt, was wir beide durchmachen mussten, und das hat uns geholfen, ohne dass wir es gemerkt haben.“




Es ist empfehlenswert, Palliativtherapie sowohl zu Hause als auch im Krankenhaus anzubieten, wenn die Verwandten des Patienten erwerbstätig sind oder die entsprechende Person alleine lebt. Eine solche Form der Behandlung ist zweifelsohne gut für alle Betroffenen, die Familie und den Freundeskreis.

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