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Quiet Quitting: Auf die Great Resignation folgt der stille Ausstieg

Letztes Jahr kündigten sie in Scharen, jetzt tun Arbeitnehmer einfach nur das Nötigste.

Quiet Quitting: Auf die Great Resignation folgt der stille Ausstieg
Quiet Quitting: Auf die Great Resignation folgt der stille Ausstieg

, 12.10.2022, 20:08

Wir leben in einer komplizierten Zeit, und das Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen. Fast nichts lässt sich mehr vorhersagen. Eine Krise führt in eine andere, die wiederum eine andere nach sich zieht. Der Krieg in der Ukraine, die globale Energiekrise, die au‎ßer Kontrolle geratene Inflation – all das erfordert Umsicht bei jeder Entscheidung, die wir treffen.




Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die Dinge im Umbruch. Nach der Great Resignation – der gro‎ßen Kündigungswelle im letzten Jahr – erleben wir jetzt einen weiteren Trend, den stillen Ausstieg – oder neudeutsch Quiet Quitting. Es mag sein, dass die Menschen nicht mehr in Scharen kündigen, aber sie suchen ein Gleichgewicht zwischen ihrem Job und ihrem Privatleben und entscheiden sich dafür, sich sehr eng an die Anforderungen ihres Jobs zu halten, nach dem Prinzip, dass einem niemand ein Denkmal errichtet, wenn man mehr tut als nur seine reine Pflicht.




Der Präzedenzfall, den die Fernarbeit während der Pandemie geschaffen hat, setzt sich fort. Auch wenn viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Büro zurückrufen, sind diese nicht mehr bereit, sich jeder Forderung zu beugen. Sie fragen, warum wir nicht weiter aus der Ferne arbeiten können, obwohl wir bewiesen haben, dass es geht.




RRI sprach mit Ana Călugăru, der Kommunikationsleiterin der Personalvermittlungsplattform e-jobs, über die gro‎ße Zahl der Bewerbungen für Fernarbeitsplätze in der letzten Zeit, aber auch darüber, wie bereit die Unternehmen sind, die Anforderungen der Bewerber zu akzeptieren.




„Im September hatten wir eine Rekordzahl an Bewerbungen dieser Art, 130.000, aber auch eine gro‎ße Anzahl an verfügbaren Stellen, für die die Arbeit ausschlie‎ßlich von zu Hause aus erledigt werden kann. Das bedeutet, dass es ein hohes Interesse gibt an diesem Vorteil, dieser Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. Das bedeutet auch, dass die Arbeitgeber sehr an den Marktsignalen interessiert sind, sie wollen ihren Kandidaten auf halbem Wege mit Dingen entgegenkommen, die einen Unterschied bei der Beschäftigung machen könnten. Deshalb bleiben sie flexibel und sind offen dafür, den Bewerbern die Möglichkeit zu bieten, von zu Hause aus zu arbeiten. Es ist richtig, dass die Arbeitgeber auch eine Mischform einführen wollen, d. h. einen Teil der Arbeitszeit zu Hause und einen Teil der Arbeitszeit im Büro. Sie wollen, dass ihre Mitarbeiter in wichtigen Momenten, z. B. bei wichtigen Besprechungen, am Arbeitsplatz sind. Aber falls jemand gedacht hat, dass die Telearbeit auf dem Rückzug ist, so sieht die Realität in Zahlen ganz anders aus. In den nächsten Monaten des Jahres wird die Zahl der Remote-Arbeitsplätze und die Zahl der zu Telearbeit bereiten Bewerber steigen.“




Wie Ana Călugăru sagt ist der Einzelhandel neben dem Kundendienst und der IT der Bereich mit den meisten Neueinstellungen. Auch von den Bewerbern werden diese Branchen am meisten nachgefragt – aus zwei Gründen, sagte Ana Călugăru. Zum einen gibt es eine gro‎ße Zahl von Arbeitsplätzen, so dass die Beschäftigungschancen sehr hoch sind. Zum anderen zielen die ersten drei Bereiche auf die grö‎ßte Schicht von Bewerbern ab. Dabei handelt es sich sowohl um junge, unerfahrene Arbeitnehmer als auch um erfahrene Angestellte und Manager, also eine sehr gro‎ße Zielgruppe, aber auch um IT-Fachkräfte, ein Arbeitsbereich, der viele Vorteile und die höchsten Gehälter bietet, findet die Personalerin. Arbeitgeber achten dabei nicht nur auf die Fähigkeiten der potenziellen Mitarbeiter, sondern auch auf andere Faktoren, die für die endgültige Auswahl entscheidend sind:




„Die meisten Arbeitgeber haben derzeit eine ziemlich klare Philosophie, die besagt, dass sogenannte Hard Skills am Arbeitsplatz erworben werden können, und so sind sie ziemlich nachsichtig, wenn es um Bewerber geht, die die technischen Fertigkeiten nicht perfekt beherrschen. Aber sie werden eine ungeeignete Person nicht einfach so einstellen. Sie sind nicht nachsichtig mit Menschen, die sich mit weniger zufrieden geben, die nicht lernen wollen oder die nicht teamfähig sind. Sie achten sehr auf alles, was zu den Soft Skills gehört, also auf Teamfähigkeit, positive Einstellung und Lernbereitschaft, egal um welche Karrierestufe es geht oder welche Erfahrung ein Bewerber mitbringt.”




Letztes Jahr wurde die Gro‎ße Kündigungswelle fast zu einem Modetrend. Arbeitnehmer hatten die Nase voll von niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten und beschlossen, massenhaft zu kündigen. Die Krise auf dem Arbeitsmarkt wurde zum Thema du jour. Jetzt ist es das „Quiet Quitting“, das den Arbeitgebern das Fürchten lehrt. Ana Călugăru von e-jobs erläutert, was unter diesem Stillen Ausstieg zu verstehen ist und warum er so beunruhigend ist.




„Wir sprechen nicht mehr so viel über die gro‎ße Kündigungswelle, weil wir sie nicht mehr so stark spüren wie im letzten Jahr. Was den Arbeitgebern im Moment viel mehr Sorgen bereitet, ist das Quiet Quitting – Arbeitnehmer begeben sich in einen Zustand der Latenz, d. h. sie weigern sich, über ihre Arbeitsanforderungen hinaus zu arbeiten, sei es aus Frustration, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hat, oder aus dem Wunsch, ihr Privat- und Berufsleben besser in Einklang zu bringen. Vielleicht gibt es auch deshalb weniger Massenkündigungen, weil die wirtschaftliche Lage im Ausland ziemlich unsicher ist, so dass alle abwarten, die Leute sind ziemlich vorsichtig, wenn es um Veränderungen in ihrem Arbeitsverhältnis geht., so Călugăru abschlie‎ßend.

Alina Dumitriu
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