Hörerpostsendung 07.06.2026
Heute mit Zuschriften von Horst Cersovsky, Martin Walter und Bernd Seiser (aus Deutschland) sowie Anand Mohan Bain (aus Indien)
Sorin Georgescu, 07.06.2026, 17:30
Liebe Hörerfreunde, herzlich willkommen zur Hörerpostsendung von RRI! Im Studio begrüßt Sie am heutigen und den drei folgenden Wochenenden S.G. an dieser Stelle.
Seit dem 1. Juni haben wir leider nur ganz wenig Feedback bekommen, genauer gesagt nur vier E-Mails und ein paar Briefe, die vermutlich schon länger eingetroffen waren, denn sie wurden bei uns von Anfang März bis Ende April registriert. Ich vermute, seitdem wir keine QSL-Karten in physischer Form mehr verschicken, ist unsere Poststelle nur noch sporadisch besetzt, denn durch den Wegfall der Büro- und Schreibarbeit hat unsere Kollegin ja kaum noch Aufgaben, sie wird vermutlich auch noch schlecht bezahlt, und entsprechend ist wohl auch die Motivation. Die Briefe hebe ich mir allerdings für nächsten Sonntag auf, denn letzte Woche habe ich mir ein paar Tage Urlaub gegönnt.
Und nun zu den E-Mails. Von Horst Cersovsky (aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt) erhielten wir nebst einem Empfangsbericht folgende Zeilen:
Liebe deutsche Redaktion von RRI,
gestern habe ich nach einiger Zeit ganz entspannt wieder einmal am Sonntagnachmittag das deutsche Programm von Radio Rumänien International auf der Kurzwelle gehört. Am Ende der Sendung wurde zwar auf mögliche auftretende Probleme bei den Sendeanlagen von RRI hingewiesen, aber mit meinem alten Kurzwellenempfänger war das deutsche Programm aus Bukarest bei mir durchgehend störungsarm und gut verständlich zu hören.
Es lief u. a. traditionell die gern gehörte Briefkastensendung und daran anschließend eine Musikecke mit sehr hörenswerten rockigen Blues-Klängen der rumänischen George Baicea Electric Blues Band. Eine Version des Jimi Hendrix Titels „If 6 Was 9“ war zu hören sowie natürlich auch eigene Titel der Band. Mich hat sehr gefreut, diesen unterhaltsamen Musikbeitrag im Programm von RRI zu verfolgen.
Für die abschließende Sonntagsstraße blieb zwar nicht mehr viel Zeit aber die ausgewählten Fragmente der Sendungen waren eine interessante Abrundung des gehörten deutschen Programms.
Sehr schön, dass RRI die deutschen Sendungen weiter auf der Kurzwelle ausstrahlt!
Lieber Herr Cersovsky, vielen Dank, dass Sie uns nach so vielen Jahren immer noch die Treue halten, und viele Grüße nach Sangerhausen!
Aus Berlin erhielten wir einen Hörerbrief per E-Mail von Martin Walter, der gleich mehrere Themen anspricht:
Sehr geehrte Redaktion, liebe Hörergemeinde von RRI!
Am Montag, den 1. Juni wurde in der Morgensendung umfänglich darüber berichtet, wie man Raucher vom Rauchen abhalten kann.
Parallel dazu wurde in Deutschland durch die rot-grüne Ampel das Haschischrauchen legalisiert. Dies ist für die Atmungsorgane genauso schädlich wie das Tabakrauchen, zumal die berauschende Wirkung nach einiger Zeit nachlässt und deshalb neuer Wirkstoff zugeführt werden muss. Um den Tabakrauchern den Tabak zu verleiden, werden Zigaretten immer teurer und damit zu Hochsteuergütern.
Schon vor einigen Jahren schrieb ein Autor in einer Glosse der „Berliner Zeitung“, dass Zigaretten mittlerweile so teuer seien, dass sich der kleine Mann nur noch Kokain leisten könne. Wieso eigentlich sind Cannabisprodukte als Genuss- und Rauschmittel völlig steuerfrei, während gleichzeitig Tabak und Alkohol Hochsteuergüter sind? Dies kommt einer indirekten Förderung von Rauschmitteln gleich.
Leider wird wenig bekannt gemacht, dass Personen mit einer Anomalie im sog. COMT-Gen ein großes Risiko haben, nach THC-Konsum eine Psychose zu entwickeln, sprich: unheilbar geisteskrank zu werden. Statistisch hat jeder Elfte eine solche Anomalie im COMT-Gen. Die COMT ist ein Übertragungsstoff im Nervensystem. Wenn dieses Gesundheitsrisiko von THC-Produkten wesentlich unbekannter ist als das Lungenkrebsrisiko von Tabak, ist die Verteufelung von Tabak tendenziös, einseitig und daher unglaubwürdig.
Sehr betroffen gemacht hat mich auch ein Beitrag von RRI am Mittwochnachmittag, dem 27.Mai: Berichtet wurde von starkem Bevölkerungsschwund und Überalterung. Teile der Bevölkerung leben zudem „heizstoffreduziert“.
Durch diesen Beitrag wurde für mich verständlich, dass große Wählerschichten einen Politikwechsel in Rumänien als notwendig erachten. Vielen Dank für diese ungeschminkte Schilderung der Lage.
Mit besten Grüßen verbleibt Ihr treuer Stammhörer
Martin Walter aus Berlin
Lieber Herr Walter, vielen Dank für Ihr Feedback! Zunächst einmal folgendes: Was Sie in der Morgensendung am vergangenen Montag gehört haben, war die Wiederholung der Hörerpostsendung vom Sonntag, in der mein Kollege Florin Lungu eine Hörerfrage beantwortete. Dabei ging es nicht um Maßnahmen gegen Raucher oder wie man Raucher vom Rauchen abbringen kann, sondern um den mittlerweile in weiten Teilen der Welt geltenden Schutz der Nichtraucher gegen die schädlichen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs. Ich selbst bin ein relativ starker Raucher und genieße das Rauchen, wohl wissend, dass es gesundheitsschädlich ist. Ich befürworte aber, dass auch in Rumänien seit geraumer Zeit nicht mehr überall gequalmt werden darf, etwa in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln. Am Anfang habe ich zwar über das Rauchverbot in Kneipen gemeckert, wisse es aber inzwischen selbst zu schätzen, dass man nach einem Kneipenabend beim Heimkommen nicht mehr sämtliche Kleidungsstücke in die Waschmaschine hauen muss. Es macht mir nichts aus, für eine Kippe kurz nach draußen zu gehen – oft kommen auch die Nichtraucher mit, etwa um ein interessantes Gespräch fortzuführen. Ein gesundes Mittelmaß, gegenseitige Toleranz und Verhältnismäßigkeit in der Gesetzgebung sind der Clou der ganzen Sache.
Was Sie über den Konsum von Cannabis-Produkten und seine Folgen sagen, da kann ich nicht sehr viel dazu sagen – mir fehlt schlicht das Fachwissen darüber. Ich weiß, dass es umstritten ist und habe nur gelesen, dass regelmäßiger und vor allem übermäßiger Konsum besonders bei Heranwachsenden und Jugendlichen schädliche Folgen haben kann, da Cannabis bleibende Veränderungen in einem noch nicht ausgereiften Gehirn verursachen kann. Und bei Menschen, die an psychischen Störungen oder Erkrankungen leiden, soll das tatsächlich zu psychotischen Zuständen führen können. Laut Gesetz dürfen Minderjährige allerdings nicht Cannabis konsumieren. Ich plädiere also nicht für Rauschfreiheit für alle, und man muss auch nicht besonders links oder grün angehaucht sein, um sich die Frage stellen zu dürfen, was wohl besser sei: in vollem Verantwortungsbewusstsein und in Kenntnis der Risiken in den eigenen vier Wänden zum Herunterfahren gelegentlich ein bisschen zu kiffen oder sich in der Kneipe oder im Club mit Unmengen an Alkohol und Zigaretten, womöglich auch noch mit illegalen Drogen zuzudröhnen? Dazwischen gibt es bekannterweise viele Nuancen.
Die Glosse der Autors der Berliner Zeitung kenne ich nicht, ich vermute aber, dass es Satire oder Sarkasmus gegenüber der Tatsache ist, dass sich der Preis für Zigaretten in Deutschland in den letzten 24 Jahren tatsächlich mehr als verdreifacht hat. Der Deutsche Zigarettenverband (DZV), eine Interessenvertretung der wichtigsten Hersteller von Tabakprodukten in Deutschland, führt auf seiner Website detaillierte Daten an:
„Die Tabaksteuer ist nach der Mineralölsteuer die ertragreichste Verbrauchsteuer. 2025 konnte der Bund über die Tabaksteuer 17,1 Mrd. Euro einnehmen. Das waren um 12,8% mehr als im Vorjahr. Die höchsten Einnahmen über die Tabaksteuer wurden durch die Zigarette generiert. Nach dem Banderolenbezug wurden 2025 für die Zigarette 13,2 Mrd. Euro eingenommen. Das sind um 5,8% mehr als im Vorjahr. […] Seit dem 1. Januar 2022 wurden die Tabaksteuersätze erneut erhöht. Durch das Tabaksteuermodernisierungsgesetz wird die Tabaksteuer für Zigaretten und Feinschnitt in vier Stufen bis zum Jahr 2026 angehoben. Bei Zigarren/Zigarillos sowie Pfeifentabak wird die Mindeststeuer in 2 Stufen angepasst. Zusätzlich werden Wasserpfeifentabak und sogenannte Heat-not-Burn-Produkte (Tabakerhitzer) in vier Schritten mit einer Zusatzsteuer belastet. Im Ergebnis führt die Zusatzsteuer zu einer vergleichbaren Höhe wie bei der Zigarette. Bisher unterlagen Shisha-Tabak und Tabakerhitzer nur der Pfeifentabaksteuer. Auch die Substanzen für E-Zigaretten werden als Substitute von Tabakwaren erstmals seit dem 01. Juli 2022 stufenweise bis 2026 auf Milliliterbasis besteuert.“
Wo Sie allerdings falsch liegen, ist, wenn Sie behaupten, dass Cannabisprodukte als Medizinal- und Genussmittel völlig steuerfrei seien. Mit Verlaub – das stimmt nicht! Wenn z.B. Medizinal-Cannabis legal über Apotheken abgegeben wird, fallen reguläre Steuern an. Auch bei Cannabis-Anbauvereinigungen (sogenannten Cannabis Social Clubs) gibt es keine generelle Steuerbefreiung. Die Legalisierung hat zwar bestimmte Besitz- und Anbaumöglichkeiten geschaffen, aber kein steuerfreies Rauschmittel eingeführt.
Die Besteuerung von legalem Cannabis ist in Deutschland nicht in einem speziellen „Cannabis-Steuergesetz“ geregelt, sondern ergibt sich aus den allgemeinen Steuergesetzen und den jeweiligen Cannabisgesetzen. Die wichtigsten Rechtsquellen sind:
1. Das Konsumcannabisgesetz (KCanG) – es regelt Eigenanbau und Anbauvereinigungen (Cannabis Social Clubs) und enthält selbst keine besondere Verbrauchsteuer auf Cannabis.
2. Das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) – es regelt Cannabis zu medizinischen Zwecken, enthält Vorgaben für Herstellung, Handel und Abgabe, aber ebenfalls keine eigene Cannabissteuer.
3. Das Umsatzsteuergesetz (UStG): Wenn ein steuerbarer Umsatz vorliegt, gelten grundsätzlich die normalen Umsatzsteuerregeln (regelmäßig 19 %). Das betrifft etwa Apotheken und kann je nach Ausgestaltung auch Anbauvereinigungen betreffen.
4. Das Körperschaftsteuer- und Gewerbesteuerrecht: Anbauvereinigungen können unter bestimmten Umständen körperschaft- und gewerbesteuerlich relevant sein.
Der entscheidende Unterschied zu Zigaretten ist: Für Tabak gibt es zusätzlich die Tabaksteuer nach dem Tabaksteuergesetz. Diese macht einen erheblichen Teil des Zigarettenpreises aus.
Für Cannabis gibt es derzeit keine vergleichbare Cannabis-Verbrauchsteuer. Deshalb kann jemand den Eindruck gewinnen, Cannabis sei „steuerfrei“. Tatsächlich fehlt nur eine spezielle Verbrauchsteuer wie bei Tabak; die allgemeinen Steuern (insbesondere Umsatzsteuer bei legalen Verkäufen) können trotzdem anfallen.
Kurz gesagt: Die Aussage „Cannabis ist steuerfrei“ ist rechtlich falsch. Richtig wäre: Deutschland erhebt derzeit keine spezielle Cannabissteuer wie die Tabaksteuer auf Zigaretten.
Schlussfolgernd, lieber Herr Walter: Ich lebe zwar nicht in Deutschland, um Ihre Eindrücke empirisch nachvollziehen zu können, teile aber Ihre Sorge nicht, das Deutschland zur Kiffer-Republik wird.
Zum Schluss noch zwei kurze Botschaften, die wir letzte Woche per E-Mail erhalten haben. Bernd Seiser verweist auf eine Veranstaltung des RTI-Hörerklubs Ottenau, und zwar auf die Teams-Hörerklubunterhaltung am Samstag, dem 13. Juni, ab 18 UTC. Und schließlich schickte uns Anand Mohan Bain im Namen eines Kurzwellenhörerklubs aus Indien einen Empfangsbericht und bat dabei auch um Souvenirs per Post. Die stellen wir leider schon lange nicht mehr her, elektronische QSL-Karten bekommen Sie aber von mir für die Empfangsberichte der Monate Februar und Juni. Für Februar sind sie schon ausgefüllt, und ich muss sie nur noch losschicken, für Juni werde ich mich Anfang Juli darum kümmern.
Das war’s für heute in der Hörerpostsendung von RRI, S.G. bedankt sich für die Aufmerksamkeit und wünscht Ihnen noch einen angenehmen Restsonntag!