Geopark Hatzeger Land: Millionen Jahre Erdgeschichte veranschaulicht
Heute nehmen wir Sie mit auf eine Reise in eine der faszinierendsten Regionen Rumäniens: den UNESCO-Geopark Țara Hațegului im Südwesten Transsilvaniens, im Kreis Hunedoara (Eisenmarkt). Auf deutsch wird die Region Hatzeger Land oder Wallenthal genannt.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 05.05.2026, 17:30
Im Hatzeger Land erwartet die Besucher eine außergewöhnliche Zeitreise durch Millionen von Jahren Erdgeschichte. Von den ersten Gesteinen, die vor rund 600 Millionen Jahren entstanden sind, über das Urmeer Tethys und die geheimnisvolle Insel der Zwergdinosaurier bis hin zur Gegenwart – jede Ecke dieses Geoparks erzählt ihre eigene Geschichte.
Wer die Region erkundet, trifft auf sogenannte „Geopark-Häuser“ und „Dinostops“, liebevoll gestaltete Stationen entlang von Wander- und Radwegen unter freiem Himmel. Diese thematischen Routen führen durch Landschaften, in denen Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen.
Ein idealer Ausgangspunkt für den Besuch ist das Geopark-Haus. Hier entfaltet sich die Geschichte unseres Planeten: von der Entstehung der ersten Gesteine über die Zeit der Dinosaurier, die Bildung der umliegenden Gebirge Retezat, Șureanu und Poiana Ruscă sowie die letzte Eiszeit bis hin zu den ersten Menschen, der dakischen und römischen Antike sowie dem Mittelalter mit seinen Burgen und steinernen Kirchen.
Weiter geht es zum „Haus der Vulkane“, das daran erinnert, dass diese Gegend vor etwa 70 Millionen Jahren eine tropische Insel mit aktiven Vulkanen war – kaum vorstellbar, wenn man die heutige Landschaft betrachtet. Im „Haus der Traditionen“ lernen Besucher die Bräuche der lokalen Gemeinschaften kennen, während das „Haus der Zwergdinosaurier“ spannende Einblicke in die Arbeit von Paläontologen bietet.
Besonders charmant ist auch die „Schule der Dinosaurier und Handwerke“ – ein ehemaliges Dorfschulgebäude, das heute als lebendiger Lernort dient. Hier finden Ausstellungen, Workshops und Veranstaltungen statt, etwa zum Färben von Wolle mit natürlichen Pflanzenfarben.
Und der Geopark überrascht immer wieder mit neuen Entdeckungen. So berichtet der Geologe Zoltán Csiki-Sava von der Bukarester Universität, die den Park betreut, von einer der jüngsten Sensationen:
„Die vielleicht interessanteste Geschichte hängt nicht direkt mit der Hatzeg-Region zusammen, sondern mit der größeren Bedeutung dieses Tieres. Denn wir haben bisher über das Hatzeg-Gebiet gesprochen, das vor etwa 70 Millionen Jahren eine Insel war. Aber es war nicht die einzige Insel – praktisch ganz Europa war damals ein riesiger Archipel, bestehend aus Inseln unterschiedlicher Größe, getrennt durch Meeresarme. Diese haben die Tiere voneinander isoliert, sodass sich auf jeder Insel eigene Dinosaurierarten entwickeln konnten. Deshalb haben wir zum Beispiel in Hatzeg viele Namen, die genau darauf hinweisen – Dinosaurier, die Transylvanicus oder Zalmoxes oder Transylvanosaurus heißen und zeigen, dass es sich um Tiere handelt, die nur hier vorkamen.
Und der neu entdeckte Dinosaurier, der den Namen Kryptohadros erhalten hat – was so viel bedeutet wie ‚versteckter Entenschnabel-Dinosaurier‘, weil er über hundert Jahre lang unentdeckt geblieben ist –, hat uns gezeigt, dass sein nächster Verwandter tatsächlich auf einer anderen Insel lebte, in einem Gebiet, das heute den Norden Italiens darstellt. Praktisch weist dieser neue Dinosaurier auf Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Dinosauriern aus der Hatzeg-Region und denen aus diesem Teil Italiens hin, und wahrscheinlich auch zu einem Dinosaurier, der kürzlich in Bulgarien entdeckt wurde. Interessant ist zudem, dass ungefähr zur gleichen Zeit, aber etwas später, Entenschnabel-Dinosaurier auch im westlichen Europa auftauchen – in Spanien und Frankreich, ebenfalls in einer Inselregion –, diese scheinen jedoch eine völlig andere Art gewesen zu zu sein.“