Tulcea – Tor zum Donaudelta und Schatzkammer der Kulturen
Tulcea ist die Kreishauptstadt des gleichnamigen Landkreises im Osten Rumäniens und gilt als Eingangstor zum Biosphärenreservat Donaudelta. Sie ist außerdem für ihren multiethnischen und multikulturellen Charakter bekannt.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 07.04.2026, 17:30
Tulcea liegt malerisch auf sieben Hügeln und blickt auf eine beeindruckend lange Siedlungsgeschichte zurück: Bereits in der Zeit der Gumelnița-Kultur, der neolitischen Epoche zwischen 2900 und 2200 v. Chr., war dieses Gebiet dauerhaft bewohnt. Auch wenn viele Besucher Tulcea vor allem als Ausgangshafen für Expeditionen ins Donaudelta sehen – die Stadt selbst hält so manche überraschende Entdeckung bereit. Das Kunstmuseum, das Aquarium, das Ethnografiemuseum oder das Avramide-Haus zählen nur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten.
Rekordträchtig ist auch die Vielfalt in jeder Hinsicht. Tulcea – das sind zehn Volksgruppen, neun Trachten, acht gesprochene Sprachen. Eine Stadt auf sieben Hügeln, mit sechs unterschiedlichen Gotteshäusern, fünf Religionsgemeinschaften, vier architektonischen Epochen, drei Bahnhöfen und zwei Palästen – ein Ort, der spürbar von seiner Vielfalt lebt. Dieses reiche ethnografische Erbe lässt sich im Museum für Ethnografie und Volkskunst bestaunen, das in einem prachtvollen Gebäude aus der Zwischenkriegszeit mit neo-rumänischen Stileinflüssen untergebracht ist.
Auch die Griechen haben ihre Spuren hinterlassen: In ihrem ehemaligen Viertel finden sich bis heute schöne Häuser, eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert – wie viele andere Sakralbauten der Stadt – sowie ein beeindruckendes Gebäude im Jugendstil. Dort befindet sich heute das „Haus der Sammlungen“, besser bekannt als Casa Avramide, benannt nach Alexandris Avramidis, einem bedeutenden Industriellen seiner Zeit.
Gleich nebenan steht ein weiteres architektonisches Unikat: die einzige Kathedrale der Dobrudscha, der der Sultan per Erlass den Bau von Türmen gestattete – eine Besonderheit im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts. Die Kathedrale „Sankt Nikolaus“ ist bis heute ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt und unbedingt einen Besuch wert.
Auch die türkische Geschichte Tulceas ist präsent: Neben einigen erhaltenen Geschäften aus dem 19. Jahrhundert steht hier die einst größte Moschee der Dobrudscha – die Azizie-Moschee, erbaut 1865 unter Sultan Abdülaziz. Hinzu kommt das ehemalige Pascha-Haus, heute das Kunstmuseum von Tulcea. Es beherbergt Werke bedeutender rumänischer Maler wie Nicolae Tonitza, Alexandru Ciucurencu, Theodor Pallady, eines der über 300 Ochsenkarrenbilder von Nicolae Grigorescu sowie Arbeiten von Victor Brauner.
Der höchste Hügel der Stadt, Colnicul Hora, ist heute Standort des Unabhängigkeitsdenkmals. Von hier aus eröffnet sich ein beeindruckender Blick über die Stadt und die Donau. Ebenfalls dort zu finden sind das Archäologiemuseum und die Ruinen der antiken Festung Aegyssus (Aigyssos) – Zeugnisse einer über 2 000 Jahre alten Zivilisation. Der Name „Hora“ soll der Legende nach vom Wort „ora“ – „Uhr“ – stammen, da hier einst die genaue Zeit bestimmt wurde. Ein anderer Hügel trägt den Namen Comorofca, abgeleitet vom russischen Wort für „Mücke“ – einst ein Siedlungsgebiet der lipowanischen Russen.
Veronica Pânzaru, Vertreterin eines Hotels an der Donaupromenade, spricht mit hörbarem Stolz über das Delta und ihre Heimatstadt:
„Das Donaudelta ist eine äußerst attraktive Region. Wie Sie wissen, gehören wir mit dem Biosphärenreservat weltweit zu den drei artenreichsten Gebieten. An erster Stelle steht das Great Barrier Reef, an zweiter die Galápagos-Inseln – und an dritter Stelle das Donaudelta. Wir befinden uns hier direkt im touristischen Hafen. Von hier starten die Schiffe zu den Delta-Kreuzfahrten. Auch wir organisieren Ausflüge ins Donaudelta, mit Schiffen für 80 bis 90 Personen. Die Schiffe sind mit Klimaanlage ausgestattet, verfügen über ein kleines Restaurant, Toiletten – also allen Komfort einer Stadt, mitten im Delta.“
Mit einem attraktiven Spa-Bereich hat das Hotel auch spezielle Angebote für die Osterfeiertage vorbereitet. Noch einmal Veronica Pânzaru:
„Wir haben ein Salzwasserbecken, eine Sauna, einen Whirlpool und einen kleinen Fitnessraum. Unsere Gäste können täglich frisch zubereitete traditionelle Gerichte genießen – wir haben eigene Bäcker und Konditoren. Ich denke, mindestens drei Tage sollte man bei uns bleiben. Für Ostern haben wir Pakete vorbereitet: zwei Übernachtungen mit Frühstück, Zugang zum Spa-Bereich und einen Empfang mit traditionellen Osterprodukten um Mitternacht. Auch die Kathedrale ist ganz in der Nähe, wer möchte, kann also zur Auferstehungsmesse gehen. Und am Ostermorgen laden wir Sie nach dem Frühstück zu einer Bootsfahrt ins Donaudelta ein. Bei der Rückkehr erwartet Sie ein festliches Osteressen – oder besser gesagt: eine richtige Feier!“