Die Risiken der digitalen Welt
Von Kommunikation und Bildung bis hin zu Unterhaltung und sozialem Austausch – die digitale Welt eröffnet heute nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Doch diese Chancen haben auch ihre Kehrseite. Denn mit der zunehmenden Präsenz im Netz wachsen auch die Risiken – besonders für Kinder und Jugendliche.
Corina Cristea und Sorin Georgescu, 10.04.2026, 17:30
Immer mehr Zeit wird online verbracht. Das bleibt nicht ohne Folgen: Emotionale und soziale Probleme können entstehen, die psychische Gesundheit gerät unter Druck. Vor allem soziale Netzwerke tragen dazu bei, ein verzerrtes Bild der Realität zu vermitteln. Dort dominieren perfekte Momente, Erfolge und Glück – während Zweifel, Scheitern und Alltag oft ausgeblendet werden.
Der ständige Vergleich mit anderen kann das Selbstwertgefühl untergraben. Das Gefühl, nicht gut genug zu sein, breitet sich aus – und kann langfristig zu Angstzuständen oder sogar Depressionen führen. Gerade junge Menschen geraten dabei leicht in einen Kreislauf der Bestätigungssuche – und -sucht: Likes, Kommentare und Aufmerksamkeit werden zu einer Art sozialer Währung.
Doch die digitalen Risiken gehen weit über emotionale Belastungen hinaus. Auch Betrug im Internet ist weit verbreitet – und oft schwer zu erkennen. Ob Fake News, betrügerische Webseiten, fingierte Gewinnspiele oder falsche Identitäten: Die Methoden sind vielfältig. Besonders junge und unerfahrene Nutzer werden so leicht zu Opfern. Die Expertin Silvia Bogdan von der Organisation „Werteschule“ beschreibt die Situation so:
„Die Präsenz junger Menschen im Internet hat natürlich positive Seiten – aber eben auch problematische. Vor allem dann, wenn sie nicht ausreichend angeleitet werden, die Risiken zu erkennen und sich selbst zu schützen. Gleichzeitig fehlt oft das Bewusstsein dafür, wie man auch zum Schutz anderer beitragen kann. Die Art und Weise, wie Informationen in sozialen Netzwerken verbreitet werden – und nicht zuletzt die Entwicklung der künstlichen Intelligenz – stellen Eltern, Lehrkräfte und natürlich auch Schüler vor große Herausforderungen. Deshalb brauchen wir Bildungsangebote, die jungen Menschen helfen, das Digitale und die künstliche Intelligenz verantwortungsvoll in ihr Leben zu integrieren – auf der Grundlage von demokratischen Werten und ethischen Prinzipien.“
Ein weiteres wachsendes Problem ist Cybermobbing. Anders als klassische Formen von Mobbing endet es nicht mit dem Schultag. Es begleitet die Betroffenen rund um die Uhr – ohne Rückzugsraum. Die Folgen können gravierend sein: Stress, Angst, soziale Isolation und in manchen Fällen langfristige psychische Traumata. Gerade weil digitale Angriffe jederzeit stattfinden können, fühlen sich viele Betroffene schutzlos ausgeliefert.
Besonders alarmierend ist der frühe Kontakt mit digitalen Medien. Studien zeigen: In Rumänien kommen Kinder bereits im Alter von etwa fünf Jahren mit dem Internet und den Social Media in Berührung. Ein Alter, in dem sie weder die Tragweite ihres Handelns noch die Gefahren vollständig einschätzen können. Silvia Bogdan betont:
„Gerade bei jüngeren Kindern sehen wir, dass sie – leider – schon sehr früh mit Mobbing in Berührung kommen, sowohl im Alltag als auch im digitalen Raum. Deshalb ist es wichtig, bereits im Kindergartenalter mit Programmen zu beginnen, die ihnen helfen, soziale Kompetenzen zu entwickeln. Sie sollen lernen, was persönliches Wohlbefinden bedeutet – aber auch, wie wichtig das Miteinander in der Gruppe ist. Und vor allem: Was sie selbst verletzt oder verstört, sollten sie nicht an andere weitergeben.“
Neben diesen sozialen Risiken wächst ein weiteres Problem: die Abhängigkeit von digitalen Medien. Was als Zeitvertreib beginnt, kann schnell zur Gewohnheit werden – und schließlich zur Sucht. Zu viel Bildschirmzeit beeinträchtigt den Schlaf, verschlechtert schulische Leistungen und belastet zwischenmenschliche Beziehungen. Kinder und Jugendliche verlagern ihre Kontakte zunehmend ins Virtuelle. Reale Begegnungen treten in den Hintergrund – mit Folgen für die Entwicklung sozialer Fähigkeiten. Auch körperlich bleibt die intensive Nutzung nicht ohne Auswirkungen. Bewegungsmangel und Beeinträchtigung des Sehvermögens sind nur zwei der häufig genannten Folgen.
Und dennoch: Die digitale Welt ist nicht per se ein Risiko. Richtig genutzt, kann sie ein wertvolles Werkzeug sein – für Lernen, Austausch und persönliche Entwicklung. Entscheidend ist der Umgang damit. Digitale Bildung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Kinder müssen früh lernen, wie sie sich sicher im Internet bewegen, wie sie ihre persönlichen Daten schützen – und wie sie gefährliche Situationen erkennen. Silvia Bogdan von der NGO „Werteschule“ weist auf eine weitere Herausforderung hin:
„Die heutige Generation ist sehr kommunikativ, sehr pragmatisch und hat ein gutes Gespür dafür, wie man Informationen findet und auswertet. Aber oft fehlt das Bewusstsein für die Risiken. Gerade in den Social Media stoßen sie auf sogenannte Challenges, die in bestimmten Gruppen kursieren. Viele Kinder und Jugendliche wollen sich beweisen – und gehen dabei Risiken ein, die ihnen selbst oder anderen schaden können.“
Eine zentrale Verantwortung tragen dabei die Erwachsenen. Eltern sind gefordert, sich aktiv einzubringen, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder zu begleiten und klare Regeln für die Nutzung digitaler Medien festzulegen. Aber auch die Schule spielt eine entscheidende Rolle. Durch gezielte Programme zur digitalen Bildung können Kinder nicht nur den Umgang mit Technologie erlernen – sondern auch Strategien, um sich vor ihren Risiken zu schützen.
Denn eines ist klar: Die digitale Welt wird bleiben. Die Frage ist nicht, ob Kinder und Jugendliche sie nutzen – sondern wie gut sie darauf vorbereitet sind.