Allgemein positive Stimmung gegenüber Europa
Laut dem am Europatag veröffentlichten Eurobarometer sind über zwei Drittel der Rumänen überzeugt, dass das Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert hat.
Ştefan Stoica und Florin Lungu, 11.05.2026, 12:00
Am Samstag, dem 9. Mai, wurde der Europatag begangen. Dieser Tag markiert einen entscheidenden Moment in der Geschichte der europäischen Entwicklung: die Rede des französischen Außenministers Robert Schumann aus dem Jahr 1950, in der er eine neue Form der Zusammenarbeit auf dem Kontinent vorschlug. Die sogenannte Schumann-Erklärung gilt als Grundlage für die Gründung der heutigen Europäischen Union. In Rumänien haben Regierungsvertreter Botschaften übermittelt, die – wenn auch mit unterschiedlichen Nuancen – einhellig die Rolle der Europäischen Union bei der Modernisierung des Landes in den fast zwei Jahrzehnten der Mitgliedschaft anerkannten.
Präsident Nicușor Dan erklärte, der EU-Beitritt habe für Rumänien zu einem Anstieg des Lebensstandards geführt, räumte aber ein, dass die Unterschiede zwischen hohen und niedrigen Einkommen hier weiterhin ausgeprägter seien als in anderen europäischen Staaten. Er plädierte für eine offene und sachliche Diskussion über Europa, frei von Parolen, und räumte ein, dass auch die Union Fehler gemacht habe, beispielsweise beim Verzicht auf Atomenergie zugunsten billigen russischen Gases, bei der Vernachlässigung der Verteidigungsindustrie oder bei der Festlegung überambitionierter Umweltziele. Nicuşor Dan sprach zudem über die Notwendigkeit einer fairen, soliden und gerechten Partnerschaft zwischen der EU und den Vereinigten Staaten.
Europa bedeute starke Institutionen, gleiches Recht für alle, Achtung öffentlicher Gelder und durch Arbeit erworbene Chancen, erklärte der amtierende Premierminister Ilie Bolojan am Europatag. Er ist überzeugt, dass wir uns heute, wenn wir über Rumäniens Mitgliedschaft in einem Raum gemeinsamer Werte sprechen, ein Land wünschen, das Teil einer Gemeinschaft von Regeln, Arbeit und Freiheit ist und nicht die Rückkehr zu einem System, das auf Privilegien, Gehorsam und Ungerechtigkeit beruht.
Am Europatag gaben die meisten Rumänen an, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert habe. Die Umfrage wurde wie üblich in allen 27 Mitgliedstaaten durchgeführt und zeigt, dass 69 % der Rumänen davon überzeugt sind, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert hat. Generell sehen Europäer die Union zunehmend als Stabilitätsanker in einer komplexen Welt und unterstützen eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik in beispiellosem Ausmaß. Die Umfrage zeigt auch, dass die meisten Europäer sich Sorgen um die globale Lage und die Lebenshaltungskosten machen.
In diesem Zusammenhang gaben 41 % der befragten Rumänen an, dass die größten wirtschaftlichen Probleme auf nationaler Ebene steigende Preise und Inflation seien. 76 % der Europäer sind der Meinung, dass die Union die Ukraine unterstützen sollte, bis ein gerechter und dauerhafter Frieden erreicht ist. Unter den Rumänen befürworten 56 % der Befragten finanzielle und humanitäre Unterstützung für Kiew, während nur 45 % die Finanzierung von Militärausrüstung unterstützen. Am Samstag, dem Europatag, fand in Bukarest ein Marsch statt, an dem Hunderte von Menschen teilnahmen, um ihre Unterstützung für die Europäische Union zu demonstrieren. Die Demonstration endete auf dem Victoriei-Platz, wo das Regierungsgebäude in den Farben der Europäischen Union erstrahlte.