Romulus Rusan – Schriftsteller, Gedächtniswächter und Mitbegründer des Sighet-Memorials
Der Name des Schriftstellers Romulus Rusan ist ein Synonym für die Aufarbeitung der Erinnerung an die Kommunismusjahre – eine Erinnerung, die vor der Revolution vom Dezember 1989 durch Repression und Zensur schwer gelitten hatte. Gemeinsam mit seiner Frau, der Dichterin Ana Blandiana, schuf er eine wahrhaftige private Institution, durch die dem rumänischen und ausländischen Publikum das Recht zurückgegeben wurde, die unzensierte Geschichte zu kennen.
Steliu Lambru, 18.05.2026, 23:48
Romulus Rusan wurde 1935 geboren und starb 2016 im Alter von 81 Jahren. Von Beruf Maschinenbauingenieur, besaß Rusan auch ein Talent für die Schreibkunst. Sein Debüt hatte er in der Literaturzeitschrift „Steaua“ mit 19 Jahren mit einem literaturkritischen Text. Er schrieb außerdem Filmkritiken, Kurzprosa, Reiseeindrücke und war Autor von Interviews. Er veröffentlichte 16 Bücher, eines seiner erfolgreichsten war „Amerika des grauen Windhundes“, erschienen 1977, ein Essay über den amerikanischen Kontinent. Nach 1989 war er Gründungsmitglied der Nichtregierungsorganisation Alianța Civică sowie des Memorials von Sighet – eines umfangreichen Projekts zur Umgestaltung des Gefängnisses in der Stadt Sighetu Marmației in ein Museum der kommunistischen Repression. Er gründete und koordinierte das Programm der mündlichen Geschichte im Rahmen des Sighet-Memorials, wo er ebenfalls Symposien, Konferenzen, Sommerschulen sowie die Herausgabe von Zeitschriften und Dokumenten- und Interviewbänden mit jenen durchführte, die zwischen 1945 und 1989 zu leiden hatten.
Im Memorial von Sighet hielten auch Persönlichkeiten der Gegenwart Vorträge, darunter der britische Historiker Dennis Deletant, die französischen Historiker Stéphane Courtois und Thierry Wolton sowie der russische Dissident Wladimir Bukowski. Romulus Rusan war wissenschaftlicher Direktor des Internationalen Zentrums für Kommunismusstudien im Rahmen des Memorials der Kommunismusopfer und des Widerstands, einer staatlichen Einrichtung, die die Geschichte des Kommunismus in Rumänien erforscht, dokumentiert und das öffentliche Bewusstsein dafür fördert. Er wurde von mehreren Institutionen ausgezeichnet und im Jahr 2000 mit dem Nationalorden „Für Verdienste“ im Ritterrang für herausragende künstlerische Leistungen und die Förderung der Kultur dekoriert.
In mehreren öffentlichen Auftritten fasste Romulus Rusan die Umstände zusammen, unter denen das berühmte Memorial entstand:
„Weil es ein freies Gefängnis war, sozusagen – also eines, das seit mehr als einem Jahrzehnt außer Betrieb gesetzt worden war –, sagten uns die Kollegen aus Sighet, es gäbe die Möglichkeit, jenes Gebäude zu beantragen, um es zu sanieren, denn es war eine Ruine. Es befand sich in einem desolaten Zustand. Danach konnten wir darin das Museum einrichten und auf dem Friedhof eine architektonische Anlage zum Gedenken der in jenem Gefängnis und im ganzen Land Verstorbenen schaffen. Andererseits hatte Sighet, obwohl es im Vergleich zu Gherla, zu Aiud, zum Kanal, zu Pitești ein kleines Gefängnis war, eine besondere emotionale Dichte, denn dort war die Zwischenkriegselite ausgelöscht worden, die Elite des Großrumäniens, die Gründerväter des modernen Rumäniens: Iuliu Maniu, die Brătianus, die Priester, die Bauern, die Militärs, all jene, die in der Wissenschaft, der Literatur, dem Journalismus der Zwischenkriegszeit führend gewesen waren. Die meisten dieser Ausgelöschten wurden in Sighet ausgelöscht. Diese beiden Bedingungen also – die Tatsache, dass das Gefängnis verfügbar war und dass dort die Elite vernichtet worden war – machten aus Sighet einen Ort, den ich von Anfang an als Ort für das Memorial der Kommunismusopfer im Sinn hatte.“
Das Gefängnis Sighet wurde 1897 als gewöhnliches Strafgefängnis während der österreichisch-ungarischen Verwaltung errichtet. Nach 1945 begann man, politische Gefangene hierher zu bringen, die unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten wurden und von denen viele ihr Ende fanden. Es war auch als „Gefängnis der Minister“ bekannt. 1977 wurde es außer Betrieb gesetzt und verfiel zusehends. 1994 wurde das Gefängnis in ein umfangreiches Sanierungsprogramm aufgenommen, um es in ein Museum umzuwandeln, das im Jahr 2000 eröffnet wurde. Der gesamte Raum des Gefängnisses ist dem Schmerz, dem Leiden und der Besinnung gewidmet, und es sind auch Kunstwerke zu sehen. Die Figurengruppe „Der Zug der Geopferten“ des Bildhauers Aurel Vlad ist heute ikonisch für die Identität des Museums. Zum Memorial gehört auch der Armenfriedhof, wo hier verstorbene politische Gefangene begraben wurden.
Das Wesen der Alianța Civică als Bürgerorganisation und ihr Engagement bei der Errichtung des ersten Memorials der Kommunismusopfer in Sighet waren entscheidend dafür, was zum ersten Memorial dieser Art weltweit wurde. Was die Alianța Civică für das bedeutet, was das Sighet-Memorial heute ist, erläuterte Romulus Rusan:
„Die Alianța Civică stand am Ursprung des Projekts, und von Anfang an war der Trumpf des Projekts, dass es eines der Zivilgesellschaft war. Seitdem wurden weitere Gedenkstätten errichtet, allerdings später, doch sie wurden vom Staat geschaffen – entweder von staatlichen Museen oder gar von der Regierung, wie es beim Haus des Terrors in Budapest der Fall war. Die Existenz der Alianța Civică ermöglichte es uns, sofort, auf der gesamten Fläche des Landes, in mehr als 15 Landkreisen, das Projekt der mündlichen Geschichte zu beginnen. Es war die Aufzeichnung der Erinnerungen jener, die den Gulag durchlebt hatten. Andere Möglichkeiten hatten wir damals nicht.“
Nach seinem Tod gründete die Dichterin Ana Blandiana einen Preis, der den Namen Romulus Rusans trägt und der mittlerweile in der fünften Ausgabe vergeben wurde. Die Preisträgerin des Jahres 2025 ist die Schriftstellerin Smaranda Vultur für ihr Buch der Erinnerungsliteratur „Franzosen im Banat, Banater in Frankreich“.