Länderbericht von Fitch ist eine Warnung an Rumänien
Die Ratingagentur Fitch hat Rumäniens Länderrating auf dem niedrigsten Investment-Grade-Niveau bestätigt.
Mihai Pelin und Florin Lungu, 03.08.2026, 11:21
Die Ratingagentur Fitch hat Rumäniens Länderrating mit BBB- und negativem Ausblick bestätigt, warnt jedoch, dass ein mögliches Scheitern der Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen und eine Verschlechterung der makroökonomischen Stabilität zu einer Herabstufung führen könnten. Fitch begründete die Entscheidung, Rumänien nur eine Stufe über dem Ramschniveau (nicht empfehlenswert für Investitionen) zu belassen, hauptsächlich mit der politischen Unsicherheit nach dem Regierungssturz.
Diese stelle die Fortführung der ansonsten von den Ratingagenturen positiv bewerteten Bemühungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits infrage. Die sozialen Kosten der Maßnahmen zur Defizitreduzierung und wahlpolitische Kalkulationen, so Fitch, machten die Fortschritte zusätzlich fragil. Die Ratingagentur Fitch schätzt jedoch, dass das Haushaltsdefizit 2026 bei 5,9 % des BIP liegen wird und damit unter dem Zielwert von 6 %. Erst 2028 soll es fünf Prozent erreichen. Fitch weist in dem Bericht auch auf das Risiko eines weiteren Anstiegs der Staatsverschuldung hin, was angesichts der Inflation und der Abwertung des Leu – 53 % der Schulden sind in Fremdwährung aufgenommen – zusätzlichen Druck auf den Staat ausüben wird. Die Agentur prognostiziert für dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,6 % und erwartet, dass es erst 2028 wieder positiv ausfällt und sich auf etwa 2,3 % beläuft. Ebenso wird die Inflation 2026 7,6 % erreichen und erst 2028 um 3,8 % sinken.
Präsident Nicușor Dan begrüßte den Bericht von Fitch, der die Stabilität Rumäniens bestätigt, und erwähnte die politische Einigkeit über die wichtigsten wirtschaftlichen und Reformziele, wie die Beibehaltung des rumänischen Finanzkurses, die Erstellung des Haushaltsplans für 2027 und die Umstellung auf den Euro. Das Staatsoberhaupt räumte die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein, sendete aber gleichzeitig eine Botschaft des Vertrauens. Rumänien funktioniere trotz der politischen Turbulenzen, so seine Überzeugung.
Der amtierende Finanzminister Alexandru Nazaré wiederum betonte, Rumänien verfüge über solide finanzielle Argumente, doch die politische Lage sei der heikelste Faktor. Fitch warne in dem veröffentlichten Bericht ausdrücklich davor, dass eine anhaltende politische Blockade die Umsetzung von Maßnahmen verhindern, die Reformen des Nationalen Wiederaufbau- und Resilienzplans (PNRR) verzögern und das Rating unter Druck setzen könne, fügte er hinzu.
Adrian Codirlaşu, Präsident der CFA Romania Association, ist hingegen der Ansicht, Rumänien habe eine Herabstufung seines Länderratings nur knapp vermieden, und der Fitch-Bericht deute auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten hin. Seiner Meinung nach sei die Beibehaltung des Ratings möglich gewesen, da die Regierung bewiesen habe, dass sie die öffentlichen Ausgaben kontrollieren könne. Er warnte jedoch, dass der Reformmangel, das Risiko des Verlusts europäischer Fördermittel und die Möglichkeit eines erneuten Anstiegs der Haushaltsdefizite die Wirtschaft weiterhin in einer fragilen Lage hielten.
Rumänien ist der Gefahr einer Herabstufung noch nicht ganz entgangen, denn nach dem Fitch-Bericht steht am Freitag eine neue Bewertung durch Moody’s an. Sollte diese ebenfalls positiv ausfallen, muss Rumänien anschließend auch die Bewertung von Standard & Poor’s Global Ratings bestehen, die im Oktober stattfindet.