Schwarzes Meer im Fokus des Obersten Verteidigungsrates und des Europaparlaments
Der Oberste Verteidigungsrat Rumäniens unterstreicht die zentrale Bedeutung der Sicherheit im Schwarzen Meer für die nationale Sicherheit und die Sicherheit des euroatlantischen Bündnisses. Angesichts zunehmender Zwischenfälle auf See und wiederholter Luftraumverletzungen will Bukarest seine Abwehrfähigkeiten ausbauen. Auch das Europäische Parlament fordert eine stärkere militärische Zusammenarbeit in der Region.
Ştefan Stoica und Sorin Georgescu, 23.10.2026, 15:54
Der neue rumänische Ministerpräsident Luca Niculescu und mehrere Minister seines gerade vereidigten Kabinetts haben am Donnerstag erstmals an einer Sitzung des Obersten Verteidigungsrates teilgenommen. Im Mittelpunkt stand die zunehmende Zahl von Zwischenfällen im Schwarzen Meer. Dazu gehören Verletzungen des rumänischen Luftraums sowie Drohnenangriffe auf Handelsschiffe in rumänischen Hoheitsgewässern und deren unmittelbarer Umgebung.
Diese äußerst ernsten Entwicklungen seien eine direkte Folge der russischen Aggression über die Grenzen der Ukraine hinaus, stellte der Verteidigungsrat fest. Die Mitglieder berieten über Maßnahmen, mit denen Rumäniens Fähigkeiten zur Überwachung, Prävention und Reaktion weiter gestärkt werden sollen. Dabei geht es um den Schutz der Hoheitsgewässer und kritischer Infrastruktur sowie um die Sicherheit der Handelsschifffahrt.
Um die nationale Reaktionsfähigkeit zu verbessern, sollen vor allem die Fähigkeiten zur Überwachung des Seeraums, zur Bekämpfung von Seeminen und zur wirksamen Abwehr von Drohnen ausgebaut werden, die unbefugt in den rumänischen Luftraum oder den nationalen Seeraum eindringen. Darüber hinaus erörterte der Rat, wie die Abstimmung innerhalb der NATO intensiviert werden kann. Dazu gehört auch die Stärkung der Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit an der Ostflanke des Bündnisses.
Der Oberste Verteidigungsrat betonte erneut, dass die Sicherheit im Schwarzen Meer ein wesentlicher Bestandteil der nationalen und euroatlantischen Sicherheit sei. Rumänien werde deshalb weiterhin eng mit seinen Verbündeten und Partnern zusammenarbeiten, um seine nationalen Interessen zu schützen und eine weitere Eskalation zu verhindern.
Auch das Europäische Parlament hat sich in Straßburg mit der Sicherheitslage im Schwarzen Meer befasst. Die Abgeordneten verurteilten scharf die jüngsten Angriffe mit Todesopfern vor den Küsten Bulgariens und Rumäniens sowie die wiederholten Verletzungen des rumänischen Luftraums.
In einer Resolution macht das Parlament Russland für die Angriffe auf zivile Schiffe und die Ausweitung seines Angriffskrieges gegen die Ukraine im westlichen Schwarzen Meer verantwortlich. Die Abgeordneten schlagen vor, eine Marineoperation der Europäischen Union in der Region einzurichten. Die freie Schifffahrt und die maritime Sicherheit seien wichtige Voraussetzungen, um die NATO-Ostflanke, den Schwarzmeerraum und das Donaudelta zu schützen.
Zudem fordern sie die NATO auf, eine Initiative für das Schwarze Meer zu prüfen. Grundlage könnten die bisherigen Gespräche über eine mögliche maritime Überwachungsmission sein, die unter der Bezeichnung „Wächter des Schwarzen Meeres“ diskutiert wird. Zugleich heben die Abgeordneten die Bedeutung einer engeren regionalen Zusammenarbeit zwischen Bulgarien, Rumänien und der Türkei hervor.
Die EU-Mitgliedstaaten sollen gemeinsam mit der NATO Bulgarien und Rumänien dabei unterstützen, feindliche Drohnen frühzeitig zu erkennen und zu verfolgen. Diese stellen eine Gefahr für die Schifffahrt im Schwarzen Meer dar. Außerdem soll die Europäische Union ihre Initiative für ein Zentrum für maritime Sicherheit im Schwarzen Meer rasch in die Praxis umsetzen. Es soll die Sicherheit auf See verbessern, kritische maritime Infrastruktur schützen und zum Schutz der Meeresumwelt beitragen.
Schließlich verlangen die Europaabgeordneten, nicht ausgeschöpfte EU-Mittel aus dem Finanzierungsinstrument SAFE dafür einzusetzen, Rumänien und Bulgarien bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen.