Rumänien, Bulgarien und die Türkei wollen die Sicherheit im Schwarzen Meer stärken
Das Schwarze Meer entwickelt sich zunehmend zu einem Brennpunkt der Sicherheitslage in Europa. Immer häufiger geraten Handelsschiffe zwischen die Fronten des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Allein in diesem Monat wurden mehrere zivile Schiffe vor der bulgarischen Küste von Drohnen getroffen. Wie Rumänien gemeinsam mit Bulgarien, der Türkei und der NATO auf die wachsenden Risiken für die Schifffahrt reagieren will.
Roxana Vasile und Alex Sterescu, 29.10.2026, 13:40
Rumänien, Bulgarien und die Türkei wollen die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer stärken. Die Verteidigungsminister der drei Länder haben sich am Mittwoch in Sofia getroffen. Dabei ging es um gemeinsame Maßnahmen angesichts der gegenseitigen russischen und ukrainischen Angriffe. Während des Treffens wurde erneut ein Handelsschiff von Drohnen getroffen. Das Schiff war im israelischen Hafen Haifa gestartet und auf dem Weg nach Constanța in Rumänien. Der Angriff ereignete sich nahe der bulgarischen Küste. Es ist bereits das fünfte Handelsschiff, das in diesem Monat vor der bulgarischen Schwarzmeerküste von Drohnen angegriffen wurde. Seit Beginn des Sommers wurden in der Nähe der Küsten Bulgariens und Rumäniens insgesamt elf Handelsschiffe getroffen oder versenkt. Dabei gab es auch Todesopfer und erhebliche Sachschäden.
Was zunächst als eine Reihe einzelner Vorfälle galt, entwickelt sich zunehmend zu einer ernsthaften Bedrohung für die Schifffahrt. Gefahr geht sowohl von russischen und ukrainischen Drohnen als auch von Seeminen aus, die in das Gebiet gelangen. Das Schwarze Meer ist eine strategisch wichtige Verbindung zwischen Europa, Zentralasien und dem Nahen Osten. Seine Sicherheit und Stabilität sind deshalb entscheidend für die Energieversorgung, den Handel und die militärische Sicherheit des gesamten europäischen Kontinents.
Das Treffen in Sofia folgte auf Beratungen des Obersten Rates für Nationale Verteidigung in Bukarest, eine Sitzung des NATO-Rates in Brüssel und Gespräche im Europäischen Parlament in Straßburg. Diese hatten bereits in der vergangenen Woche stattgefunden. Die Verteidigungsminister Radu Oprea aus Rumänien, Dimitar Stojanow aus Bulgarien und Yaşar Güler aus der Türkei berieten über eine engere Zusammenarbeit innerhalb der NATO und zwischen den drei Schwarzmeer-Anrainerstaaten. Ziel ist es, eine weitere Eskalation zu verhindern, Menschenleben zu schützen und zivile Aktivitäten auf dem Meer sicher zu ermöglichen.
Der rumänische Verteidigungsminister verurteilte die Angriffe auf Handelsschiffe scharf. Sie verschärften die Risiken, die mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verbunden seien. Oprea betonte die Bedeutung der freien Schifffahrt sowie des Schutzes ziviler Schiffe und maritimer Infrastruktur. Zugleich verwies er auf die unmittelbaren Folgen für die Sicherheit Rumäniens. Das Land brauche die Unterstützung der NATO, um die Überwachung des Schwarzen Meeres zu verbessern, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und Drohnen wirksamer abzuwehren. Auch kritische Infrastruktur und Energieanlagen in der rumänischen ausschließlichen Wirtschaftszone müssten besser geschützt werden.
Die drei Minister vereinbarten, die maritime Lage künftig genauer zu erfassen, mehr Informationen auszutauschen und die Koordination ihrer Seestreitkräfte zu verbessern. Fortgesetzt werden soll außerdem die gemeinsame Initiative zur Bekämpfung von Seeminen im Schwarzen Meer, bekannt als MCM Black Sea. Die Sicherheit des Schwarzen Meeres sei entscheidend für Rumänien, die gesamte Region und die NATO, erklärte der rumänische Verteidigungsminister Radu Oprea.