Lage am europäischen Energiemarkt weiter angespannt
Die Energiepreise, drohende weitere Preissteigerungen und die Frage, ob die europäischen Staaten ihren Strombedarf im Winter decken können, standen am Donnerstag im Mittelpunkt eines Treffens der EU-Energieminister in Luxemburg. Die Gespräche fanden vor dem Hintergrund einer schwierigen internationalen Lage statt, die von geopolitischen Spannungen und dem Druck auf die Brennstoffmärkte geprägt ist.
Corina Cristea, 30.10.2026, 10:58
Die Europäische Kommission warnt, dass die Energieversorgung in der EU zwar derzeit nicht gefährdet sei, die Kosten für Haushalte und Unternehmen jedoch immer schwerer zu tragen seien. Ein Grund zur Sorge ist die Entwicklung auf dem Erdgasmarkt. Dort ist der Großhandelspreis auf mehr als 100 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Das ist der höchste Stand seit Dezember 2022, als Europa mit den Folgen der gekürzten russischen Gaslieferungen zu kämpfen hatte.
EU-Energiekommissar Dan Jørgensen zufolge ist die Lage zumindest bei der Versorgung inzwischen besser, weil die Union ihren Gasverbrauch um fast 20 Prozent gesenkt hat und Europa heute über mehr Lieferquellen verfügt. Andererseits sei die aktuelle Krise schwerwiegender, weil sie auch Erdöl und Erdölerzeugnisse betreffe. „Es nützt nichts, wenn wir über ausreichende Mengen verfügen, aber das Benzin für Autos oder das Gas zum Heizen von Wohnungen teuer ist. Es spielt keine Rolle, ob wir genug haben, wenn die Preise hoch sind und sich viele Menschen das nicht leisten können“, erklärte der Kommissar.
Jørgensen zufolge hatten im vergangenen Winter 50 Millionen Europäer Schwierigkeiten, die Heizkosten zu bezahlen. Diese Zahl könnte nun steigen. Zu den Ursachen zählen auch die Folgen des Konflikts im Nahen Osten und die Unsicherheit über die internationale Versorgung.
Vor diesem Hintergrund haben die europäischen Energieminister Maßnahmen erörtert, die den Druck auf die Stromrechnungen verringern und zur Stabilisierung der Brennstoffmärkte beitragen sollen. Brüssel will zugleich die Preisgestaltung transparenter und effizienter machen, damit die Kosten für den Energietransport und die Verteilung besser kontrolliert werden können. Der Vorschlag sieht auch steuerliche Maßnahmen vor: Strom soll künftig geringer besteuert werden als Erdgas.
Die Minister, darunter auch der rumänische Vertreter Dumitru Chisăliță, unterstützten grundsätzlich das Ziel, die Gesamtkosten des Energiesystems zu senken. Zugleich forderten sie mehr Spielraum, damit jeder Mitgliedstaat die Methode zur Berechnung der Netzentgelte an die eigenen Bedingungen anpassen kann.
Während auf europäischer Ebene nach Lösungen gesucht wird, um die Preise zu senken und die Energieversorgung sicherer zu machen, muss Rumänien zusätzlich eine Lage bewältigen, die das nationale Energiesystem weiter unter Druck setzen könnte. Der Nationale Ausschuss für Notfallsituationen hat beschlossen, den Alarmzustand für den Betrieb des Kernkraftwerks Cernavodă wegen des weiterhin niedrigen Wasserstands der Donau um weitere 30 Tage zu verlängern.
Damit können die beiden Reaktorblöcke des Kraftwerks, die rund 20 Prozent des rumänischen Strombedarfs deckten und seit dem Sommer abgeschaltet sind, auch im November nicht wieder in Betrieb genommen werden. Das verschärft die Lage für Rumänien, insbesondere mit Blick auf die bevorstehende kalte Jahreszeit.