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Kinderkardiologie: „100 Herzen für 100 Kinder“

Im Sozialreport geht es heute um ein erfolgreiches Mehrzweck-Projekt. Ein Projekt, das den 2. Platz im Rahmen der Strukturfonds-Gala 2017 gewonnen hat.

Kinderkardiologie: „100 Herzen für 100 Kinder“
Kinderkardiologie: „100 Herzen für 100 Kinder“

, 18.04.2018, 17:30

Seit 2016 können sich Ärzte in Weiterbildung für eine neue Fachrichtung entscheiden: die Kinderkardiologie. Und das dank einem Projekt, das Leben rettet. 100 Herzen für 100 Kinder“ hei‎ßt das Projekt, dem wir uns im heutigen Sozialreport widmen. Für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten im Gesundheitswesen müssen staatliche Behörden mit den EU-Institutionen zusammenarbeiten, erfuhren wir von Cristian Grasu, Staatssekretär im Gesundheitsministerium.



Erhebliche Anstrengungen werden unternommen, es gibt viele Stellen, die ich um Unterstützung und Finanzierung ersucht habe, ich habe dabei jedes Mal die Unterstützung der Europäischen Kommission bekommen und bin in letzter Zeit auf mehr Verständnis gesto‎ßen als beim ersten Unterfangen, und das merkt man heute. Das Projekt (100 Herzen für 100 Kinder) ist der Beweis, dass in Rumänien mit europäischen Fördermitteln viel erreicht werden kann, und dieses Projekt ist nicht das einzige. Einige kommen mit mehr Mitteln aus, andere mit weniger, vielleicht sogar auf Freiwilligenbasis, aber alle teilen das gleiche Ziel, einige Menschenleben zu retten und einige Patienten zu heilen. Derzeit ist für Rumänien die Infrastruktur eine Priorität und einer der Hauptgründe, warum wir momentan weder mit der Qualität der Gesundheitsdienste zufrieden sind, noch mit der Menge an Dienstleistungen, die wir erhalten. Wir haben ein Infrastrukturproblem: 1981 wurde das letzte öffentliche Krankenhaus in Rumänien gebaut, seither wurde eine einzige medizinische Einrichtung in Iaşi gebaut. Alle anderen Krankenhäuser stammen aus den 70er Jahren oder sind noch älter, einige darunter stehen sogar unter Denkmalschutz.“




Der Arzt Vlad Mixich hat sich auf den Gesundheitsjournalismus spezialisiert. Er berichtet von einer der paradoxalen Gegebenheiten in Rumänen.



Eine der Ursachen der Säuglingssterblichkeit sind die angeborenen Herzfehlbildungen, die Säuglingssterblichkeit wird mindestens einmal im Jahr in Rumänien thematisiert, wenn Statistiken veröffentlicht werden und dann ein Artikel erscheint, der zeigt, wie schlecht Rumänien dasteht. Hier gibt es allerdings ein Paradoxon: Rumänien ist zwar nach wie vor das EU-Land mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate, aber gleichzeitig ist die Abnahme der Kindersterblichkeit von 1990 bis heute wahrscheinlich — so die Statistik — auf einige der erfolgreichsten Ma‎ßnahmen zurückzuführen, ein Erfolg der rumänischen Medizin. Weil die Abnahme der Säuglingssterberate in diesem Zeitraum eine der grö‎ßten in der Welt ist. Sie nahm sehr schnell ab, in sehr kurzer Zeit. Obwohl wir immer noch Schlusslicht sind, ist die Entwicklung sehr gut, die Dinge verbessern sich viel schneller als in vielen anderen Ländern, die dieses Problem haben.“




Einer der Gründe für diese Verbesserung ist die Umsetzung des Projekts 100 Herzen für 100 Kinder“. Darüber sprachen wir mit Universitätsdozent Dr. Grigore Tinică, Manager am Institut für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Prof. Dr. George I.M. Georgescu“ in Iaşi, der sich diesem europäischen Gesundheitsprojekt anschloss. Das Projekt sah in erster Linie Fachausbildungen im Ausland für medizinisches Personal aller Kategorien vor, in einem sensiblen Bereich wie der pädiatrischen kardiovaskulären Chirurgie. Tinică forderte für seine Teilnahme an dem Projekt eine Mindestanzahl von operierten Kindern. Geplant waren demnach die OPs von 100 Kindern, die Zahl sei inzwischen überschritten worden, so Tinică.



In Rumänien kommen jedes Jahr zwischen 1500 und 2000 Babys mit angeborenen Fehlbildungen zur Welt. Etwa 800–900 Kinder müssten in ihrem ersten Lebensjahr operiert werden oder jährlich, dabei werden derzeit nur 250–300 Kinder operiert. Wir kennen viele Kinder, die seit Jahren eine OP brauchen und die jetzt 10, 11, 12 und sogar 15 Jahre alt sind. Es sind sogar Erwachsene mit angeborenen Fehlbildungen, die operiert werden müssten. Insgesamt wären es etwa 1000 Fälle in Rumänien. Es gibt einige Zentren, die chirurgische Eingriffe vornehmen. Die pädiatrische Herzchirurgie ist viel komplizierter als die allgemeine Herzchirurgie, weil ein kleines Kind ein völlig unterschiedliches Universum ist.“




Wenn das Ministerium Politiken entwickeln und Fördermittel beantragen kann und dadurch versucht, Mentalitäten zu verändern, so werden die eigentlichen Projekte von den Menschen an der vordersten Front umgesetzt: Ärzte, Assistenten, Physiker, Therapeuten. Hinzu kommen manchmal auch Vertreter der Zivilgesellschaft. Etwa der Verband Inima Copiilor“ (Kinderherz“), der Kinder mit Beschwerden unterstützt. Es handele sich dabei vor allem um Herzbeschwerden, erzählt der Verbandsvorsitzende Alexandru Popa.



Wir haben uns entschieden, die Herzchirurgie zu unterstützen, da 2006, als unser Verein gegründet wurde, es gro‎ße Probleme bei Kindern mit Herzbeschwerden gab — damals war es die Hauptursache für die Kindersterblichkeit –, die Unfälle mal ausgenommen. Die Dinge haben sich geändert, aber nicht vollständig, nach wie vor sterben sehr viele Kinder an Herzkrankheiten, weil ihre Beschwerden nicht rechtzeitig diagnostiziert werden und der medizinische Eingriff nicht rechtzeitig erfolgt — das, weil ihre Eltern nicht wissen, an wen sie sich wenden können. Wir hoffen, dass sich diese Dinge ändern. Wir haben uns bemüht, zu der Gründung dieser Zentren beizutragen und uns nicht auf die Förderung einzelner Patienten zu konzentrieren, auch wenn uns Eltern um Hilfe bitten und es uns sehr schwer fällt, ihnen oft absagen zu müssen. Durch unseren Verband sind mehr als 4 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert worden, Sponsorengelder, die wir gesammelt haben, sowie persönliche Spenden. Alles ist in das öffentliche Gesundheitswesen geflossen. Wir wollen hier weitermachen.“




Obwohl das Projekt erfolgreich ist und Menschenleben rettet, manchmal auch das von zwei Wochen alten Babys, ist der Bedarf bei weitem nicht befriedigt. Denn eines haben uns unsere Gesprächspartner bestätigen können — es ist ein schöner, jedoch steiniger Weg.

Foto: Artyom Korshunov / unsplash.com
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