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Internationales „Shakespeare“-Festival erreicht 11. Auflage

Das Festival hat sich inzwischen als wichtige Veranstaltung etabliert. Das Nationaltheater Marin Sorescu“ in Craiova und die Shakespeare-Stiftung haben das Festival auch nach Bukarest gebracht.

Internationales „Shakespeare“-Festival erreicht 11. Auflage
Internationales „Shakespeare“-Festival erreicht 11. Auflage

, 12.05.2018, 17:45

Planet Shakespeare“ brachte Stücke von sechs Kontinenten nach Rumänien — neue, überraschende, nachdenklich stimmende Perspektiven bekannter Texte von William Shakespeare. Erste Aufführung waren die sogenannten Afrikanischen Geschichten von Shakespeare“, die das Neue Theater aus Warschau in der Regie von Krzysztof Warlikowski zeigte. Der Star-Dramaturg bekam am gleichen Tag auch den Internationalen Shakespeare-Preis. Der polnische Regisseur ist bekannt für seine moderne Interpretation klassischer Texte und deutete King Lear“, den Kaufmann von Venedig“ und Othello“ um, wobei er zu den Texten auch Teile von Summertime“ von J.M. Coetzee beigab.



Die stillen Figuren der Stücke von Shakespeare sind in den Afrikanischen Geschichten…“ mit Monologen zu hören, die der kanadisch-libanesische Theatermacher Wajdi Mouawad schrieb. Lear, Shylock und Othello, die berühmten Figuren, werden in Warlikowski Bühnenshow vom Schauspieler Adam Ferency interpretiert. Er spielt die Leiden eines alten Mannes, eines Juden und eines Schwarzen nach. Was sollte Adam Ferency in der Sicht des Regisseurs tun? Schwer zu sagen. Es geht um ein Gespräch über Sinne, über Halbtöne, sehr subtile Dinge. Wir haben lange am Stück gearbeitet. Am Anfang war alles unklar, ich wusste, dass es drei Stücke von Shakespeare, Fragmente aus Coetzee und die Monologe von Mouawad sind, die ich am Anfang nicht kannte. Und dass es um einen Alten geht, der von der Mehrheit ausgegrenzt wird. Das war der Ausgangspunkt. Es fiel mir dann wie Schuppen von den Augen, dass es eigentlich eine einzige Figur ist, und nicht drei. Und dass es gewisserma‎ßen auch um mich selbst als Darsteller geht, als Mensch, der altert und dessen Perspektive sich einengt“, sagt der Schauspieler Adam Ferency.



Neu für das rumänische Theaterpublikum war in Craiova und Bukarest auch die Aufführung, bei der das Ensemble Q Brothers und das Chicago Shakespeare-Theater aus den USA zusammenarbeiteten. Ihr Stück war Othello — The Remix“, eine Umdeutung des shakespeareschen Textes auf Originalmusik. Die Truppe Q Brothers wurde vor 20 Jahren von den Qaiyum-Brüdern gegründet, die von Anfang an Rap-Musik und Theater fusionieren wollten. Die Mitglieder sind ausgebildete Schauspieler und Musiker. GQ (Gregory Qaiyum), der mittlere Bruder, ist der Autor der Texte und Mitregisseur, übernahm aber auch den Part von Yago in Othello — The Remix“:



Wir versuchen, die Story so wie Shakespeare zu erzählen. Der Grund, warum seine Stücke klassisch sind, ist, dass er die Geschichten von den Griechen übernommen hat. Er hat also klassische Geschichten in der modernen Poesie seiner Zeit wiedererzählt. Und wir nehmen seine Arbeit und erzählen sie durch die Instrumente unserer Dichtkunst wieder — also Hip-Hop und Rap. So sind wir aufgewachsen, so sehen wir die Welt. Es ist eine Hommage an das Original, aber auch eine Methode, aktuell und in der zeitgenössischen Pop-Kultur zu bleiben.“



Das Festival in Craiova endete mit einem Event au‎ßerhalb des eigentlichen Shakespeare-Programms. Die Theatertruppe Ex Machina aus Quebec in Kanada führte die Show Nadeln und Opium“ in der Regie von Robert Lepage auf — er gilt als Genie der zeitgenössischen Regiekunst. Bei der originellen Show kommen die neuesten Technologien zum Tragen, sagt Olivier Normand, der Hauptdarsteller: Die Technologie ist da, um die Geschichte in einer anderen Sprache zu erzählen. Das Bühnenbild ist wie ein sich drehender Kubus, eine Art Hotelzimmer. Und ein Teil der Geschichte handelt um einen Typen, der Liebeskummer in Paris hat. Ich bin also in meinem Hotelzimmer und alles dreht sich um mich herum, als ob ich verloren wäre — die Technologie hilft mir also, mich in die notwendige Lage zu versetzen“, sagt Olivier Normand, der auch über seltsame Zusammenhänge berichtet: Es geht um ein gebrochenes Herz, aber auch um gewisse Zufälle: das Zimmer ist Zimmer 9 im Hotel La Louisiane, das gleiche, in dem Miles Davis 1949 in Paris untergebracht war, zur gleichen Zeit, als der französische Dichter Jean Cocteau zum ersten Mal nach New York ging. Diese drei Geschichten sind ineinander verstrickt. Meine Figur ist Robert — er stellt sich die Frage, wie er denn seinen Schmerz in Kunst verwandeln kann, weil er ja kein Genie wie Miles Davis oder Jean Cocteau ist. Wie kann ich damit umgehen, weil ich keine Musik wie Miles Davis in »Fahrstuhl zum Schafott« schreiben kann“, erzählt Olivier Normand abschlie‎ßend.

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