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Die Bibliothek in der Straßenbahn

Die moldauische Stadt Iaşi ist wohl bekannt für ihren kulturellen Hintergrund. Um ihrem Ruf gerecht zu werden und die Einwohner der Stadt für das Lesen zu begeistern, setzte sie ein besonderes Projekt um – eine mobile Bibliothek in einer Straßenbahn.

Die Bibliothek in der Straßenbahn
Die Bibliothek in der Straßenbahn

, 28.01.2016, 17:30

Iaşi — die Stadt der berühmten Denker und Schriftsteller, der ersten gro‎ßen Vereinigung, die Stadt, in der zum ersten Mal ein Theaterstück in rumänischer Sprache aufgeführt wurde, in der das erste Literaturmuseum zur Erinnerung an einen rumänischen Schriftsteller (das Gedenkhaus Ion Creangă, die Hütte in Ţicău) sowie das erste naturgeschichtliche Museum eröffnet wurde. Die Stadt Iaşi lädt seit Anfang des Jahres zu einem neuen Kulturereignis ein. Leidenschaftliche Leser finden seit Jahresende eine Bibliothek in einer Stra‎ßenbahn. Es ist eine mobile Bibliothek, die von einer Volontären-Gruppe in einem öffentlichen Verkehrsmittel eingerichtet wurde. Adrian Mihai ist der Sprecher der Öffentlichen Verkehrsmittel in Iaşi. Er erzählt uns die Geschichte dieser Initiative:



Zwei getrennte Projekte sind mit Hilfe des Öffentlichen Personennahverkehrs in Iaşi zu einem gemeinsamen Nenner gebracht worden — die mit den Figuren unterschiedlicher literarischer Persönlichkeiten in Iaşi auf Initiative des örtlichen Verbandes Tramclub bemalte Literaturstra‎ßenbahn beherbergt derzeit auch eine kleine Bibliothek. Das Projekt ist Teil eines umfangreicheren Vorhabens, »Das Buch auf der Bank!«, gestartet von Eugen Benea. Den Lesern wird folgende Botschaft vermittelt: Lest! Verschenkt! Lasst das Buch auf der Bank! Das Projekt fördert das Lesen und den Austausch von Büchern mittels der Wanderbibliothek. Iaşi war auch in der Vergangenheit und ist immer noch eine Kulturstadt. Sie hat immer dafür gesorgt, dass die richtigen Voraussetzungen zum kreativen Schaffen bestehen. Das Schicksal berühmter Schriftsteller kam zu irgendeinem Zeitpunkt im Laufe ihres Lebens in Verbindung mit der Stadt Iaşi. Daher unser Einladung an die Einwohner der Stadt, sich entsprechend zu verhalten und den Spa‎ß am Lesen wieder zu entdecken.“




Wie entwickelte sich das Projekt der Stra‎ßenbahnbibliothek? Dazu Adrian Mihai, Sprecher des Öffentlichen Personennahverkehrs in Iaşi:



Herr Eugen Benea, der Urheber des Projektes, hat ursprünglich mehrere Bücher gespendet. Überraschenderweise gab es viele Einwohner der Stadt, denen das Vorhaben zusprach und die ihrerseits Bücher spendeten. Die Bibliothek wächst demnach mit der Zeit. Hoffentlich wird sich das Vorhaben auch weiterhin positiv entwickeln. Die Stra‎ßenbahnen fahren quer durch die Stadt Iaşi, sie haben keinen vorgegebenen Fahrplan. Um ihnen zu begegnen, wäre es ratsam, unsere Fahrdienststelle anzurufen. Unsere Mitarbeiter sagen Ihnen dann Bescheid, wo sich die zwei Wagen, die eine kleine Bibliothek beherbergen, aufhalten.“




Wir wollten von Adrian Mihai erfahren, wie die Bewohner der Stadt Iaşi die Idee fanden und ob sie beabsichtigen, das Projekt auszuweiten:



Die Idee wurde von den meisten Bewohnern gut entgegengenommen. Iaşi ist eine Studentenstadt und die Studenten fahren viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Viele Fahrgäste blättern gerne in ein Buch während der Fahrt. Sie haben nun die Gelegenheit dazu. Wir würden uns freuen, das Projekt auszuweiten, damit es seinen Zweck erfüllt. Wir wollen zusammen mit den Kollegen von Tramclub auch andere interessante Projekte umsetzen.“




Die älteste Universität in Rumänien befindet sich in Iaşi, auf dem sogenannten Dealul Copoului (Copou-Hügel). Sie trägt derzeit den Namen Alexandru Ioan Cuza. Die Universität wurde 1860 errichtet, im Auftrag des Fürsten Alexandru Ioan Cuza. Das Hauptgebäude — ein architektonisches Denkmal — wurde 1896 erbaut. Ebenfalls in Iaşi gibt es auch die Nachfolgeschule der ersten Hochschule für Ingenieure in Rumänien, die Technische Universität Gheorghe Asachi“. Die Bibliothek der Technischen Universität in Iaşi wurde letztes Jahr unter den 10 schönsten Bibliotheken der Welt erwähnt. Mitbewerber waren renommierte Bibliotheken wie z.B. die Bibliothek vom Trinity-College in Dublin, die Königliche Portugiesische Bibliothek in Rio de Janeiro, die im späten Barockstil erbaute Bibliothek im Kloster Admont, die Nationalbibliothek in Prag, die französische Nationalbibliothek oder die Bibliothek des US-Kongresses in Washington.



Allerdings ist die Bibliothek nicht der einzige besondere Raum im Palast der Technischen Universität. Im gleichen Gebäude befindet sich auch der Saal der verlorenen Schritte, an dessen Wänden die Fresken von Sabin Bălaşa aus den 1970er Jahren bewundert werden können, und der Festsaal, eine besondere Aula, gebaut, wie übrigens auch das ganze Schloss, im eklektizistischen Stil. In Iaşi wurde auch die erste Musikhochschule eröffnet, die Kunstuniversität George Enescu“, sowie die Universität für Medizin und Pharmazie Grigore T. Popa“, die Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin Ion Ionescu de la Brad“ und die Universität Petre Andrei“. Am Eminescu-Platz wurde in der Zwischenkriegszeit das Gebäude der Königlichen Kulturstiftung errichtet. Zurzeit beherbergt es die älteste Universitätsbibliothek landesweit — die Universitätsbibliothek Mihai Eminescu“, mit fast 3 Millionen Büchern, darunter manche sehr seltene Exemplare.



Und weil die Stadt Iaşi Geschichte ein- und ausatmet, hat die zuständige Behörde der Öffentlichen Verkehrsmittel auch eine alte Stra‎ßenbahn in Betrieb gesetzt. Dazu Adrian Mihai:



Wir haben einen alten Stra‎ßenbahnwagen restauriert. Viele leidenschaftliche Stra‎ßenbahnfahrer, die die Stadt besuchen, wollen ihn für eine Fahrt auf den Copou-Boulevard mieten. Sicherlich sind auch andere Strecken gefragt, etwa in Gegenden, die an die ehemalige Stadt Iaşi und an ihre berühmten Einwohner erinnern. Damit meine ich unter anderem den Poeten Mihai Eminescu oder den Schriftsteller Ion Creangă.“




Die Stra‎ßenbahnfahrt ist so angenehm, dass die Fahrgäste nur widerwillig aussteigen. Und dennoch warten an allen Ecken in Iaşi interessante Attraktionen.

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