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Rumänisches Patriarchat feiert 100 Jahre

Das Jahr 2025 wurde vom Heiligen Synod der Rumänisch-Orthodoxen Kirche zum Gedenkjahr des 100-jährigen Bestehens des Rumänischen Patriarchats erklärt. Auch das Parlament in Bukarest verabschiedete ein entsprechendes Gesetz. Tatsächlich handelt es sich um ein doppeltes Jubiläum!

Priester Ciprian Ioniță (Foto: fb.com / Federația Filantropia)
Priester Ciprian Ioniță (Foto: fb.com / Federația Filantropia)

, 27.08.2025, 17:40

Vor 100 Jahren, am 4. Februar 1925, wurde die Rumänisch-Orthodoxe Kirche in den Rang eines Patriarchats erhoben – nachdem ihr bereits 140 Jahre zuvor, am 25. April 1885, die Autokephalie anerkannt worden war. Dies ist daher ein Anlass zu großer Freude und Feierlichkeiten, aber auch zu einer Rückschau auf ein Jahrhundert kirchlicher Entwicklung.

 

Neben der täglichen liturgischen Tätigkeit und der seelsorgerischen Betreuung in Krankenhäusern, Waisenhäusern, Gefängnissen oder Altenheimen engagiert sich die Orthodoxe Kirche in großem Umfang sozial-karitativ für benachteiligte Menschen. Und das nicht erst seit gestern! Die Geschichte dieses Engagements fasst Priester Ciprian Ioniță, Berater für Sozialfragen von Patriarch Daniel von Rumänien, zusammen:

„Es ist das Gebot unseres Erlösers Jesus Christus, den Nächsten zu lieben und denen zu helfen, die in Not sind. Als Kirche hatten wir schon immer sozial-medizinische Zentren an unseren Klöstern, und in jüngster Zeit wurden einige davon akkreditiert und bieten hochwertige Dienstleistungen für bedürftige Menschen an. Direkt nach 1990 entstanden kirchliche Stiftungen: die ‚Asociația Diaconia‘ des Patriarchats, die ‚Sfânta Macrina‘-Stiftung oder die Stiftung ‚Solidaritate și Speranță‘ in Iași, die auch das größte Krankenhaus der Orthodoxen Kirche betreibt. Es gibt sehr viele solcher Einrichtungen! Wir haben eine aktualisierte Karte aller sozialen Dienste auf social-filantropic.patriarhia.ro. Dort sind sämtliche aktuell von der Kirche angebotenen Hilfsleistungen verzeichnet. Jedes Bistum hat mindestens eine sozial-karitative Abteilung mit einem Berater und kirchlichen Inspektoren sowie NGOs. Jeder Priester, der in seiner Pfarrei eine solche Tätigkeit aufbauen möchte, kann sich entweder an das Bistum oder direkt an uns beim Patriarchat wenden. Zudem haben wir eine Föderation, die 27 der wichtigsten kirchlichen NGOs umfasst.“

Die Projekte der Föderation „Filantropia“ richten sich gleichermaßen an Stadt- und Landbevölkerung. Da jedoch auf dem Land mehr Menschen in Not sind, wird rund 60 % der Unterstützung dorthin gelenkt. Priester Ciprian Ioniță berichtet weiter:

„Darf ich Ihnen ein aktuelles Beispiel nennen? Die Föderation ‚Filantropia‘ hat eine Kampagne namens ‚Hilf einem alten Menschen zu lächeln‘ – wir unterstützen bedürftige Senioren. Heute erreichte uns eine Anfrage aus einer Pfarrei an der Grenze zwischen den Kreisen Bacău und Harghita. Wir organisieren dort kostenlose Augenuntersuchungen und verteilen Brillen. Unsere Freiwilligen führen die Untersuchungen vor Ort durch, dann lassen wir in Bukarest individuell angepasste Brillen anfertigen und bringen sie zurück. Heute haben wir beispielsweise eine Anfrage für 70 Personen erhalten. Ein Priester kontaktierte uns über unsere Facebook-Seite, sah unsere Aktivitäten online und rief mich an. Ich riet ihm, sich zuerst mit dem Sozialberater der Erzdiözese Roman und Bacău in Verbindung zu setzen, um gemeinsam einen Antrag zu stellen. Wir legen diesen dann Patriarch Daniel vor, und es gibt keinen Zweifel, dass er unsere Initiative unterstützt.“

Die Kirche hilft vor allem älteren Menschen, die die größte Gruppe der Bedürftigen bilden. Doch auch rund 130.000 Kinder in schwierigen Lebenssituationen, alleinerziehende Mütter, Opfer häuslicher Gewalt, Kranke, die sich keine medizinische Versorgung leisten können, Arbeitslose oder Menschen mit Suchtproblemen erhalten Unterstützung. Dazu Ciprian Ioniță:

„Die Föderation ‚Filantropia‘ bietet Schulungen an, darunter eine Spezialisierung in Suchtberatung. Ursprünglich war sie für unsere Priester gedacht, doch mittlerweile gibt es großes Interesse auch von Lehrern und Betreuern in Suchthilfezentren. Der Kurs behandelt alle Formen der Abhängigkeit – Alkohol, digitale Sucht, Drogen. Besonders bemerkenswert ist, dass auch ehemalige Suchtkranke daran teilnehmen, um anderen Betroffenen zu helfen.“

Der Suchtberatungs-Kurs existiert seit 2022, und seither wurden rund 500 Personen geschult. Auch Fort- und Weiterbildungsangebote sind von großem Interesse. So plant die Orthodoxe Kirche, ein Netzwerk für häusliche Pflege aufzubauen. Ciprian Ioniță erklärt:

„Wir sehen, dass ältere Menschen besonders hilfsbedürftig sind. Daher wollen wir in der gesamten Patriarchie ein Netz für häusliche Pflege schaffen. Denn die Statistik zeigt, dass Rumänien zunehmend altert – wir müssen handeln! Das ist ein Projekt für die nahe Zukunft. Zudem entwickeln wir verschiedene Initiativen für Kinder und auch im Umweltbereich. Gemeinsam mit der Republik Moldau haben wir ökologische Projekte durchgeführt. Erst gestern kehrte ich von einer Schulung über häusliche Gewalt zurück, bei der ich Priester aus Moldau unterrichtete. Wir haben viele Projekte!“

Vergessen wir nicht die unzähligen Initiativen für rumänische Diaspora-Gemeinden!

Das einhundertjährige Bestehen des Patriarchats – so Patriarch Daniel – war von vielen Segnungen, aber auch Herausforderungen geprägt. Was ist die größte Schwierigkeit in der sozialen Arbeit der Kirche?  Ciprian Ioniță erklärt:

„Am schwersten ist es manchmal, wenn uns die Mittel fehlen und wir ein Zentrum schließen müssen. Dann überlegen wir, wie wir die Menschen, die auf diese Dienste angewiesen sind, in anderen Einrichtungen unterbringen können. Aber Gott sei Dank – wenn ein Zentrum schließt, öffnen sich oft zwei neue! Beispielsweise hatten wir 2022 insgesamt 767 Sozialeinrichtungen, heute sind es bereits 867.“

Pater Ciprian Ioniță ist Mitautor eines Buches über ein Jahrhundert sozial-karitativer Arbeit der Orthodoxen Kirche. Es erscheint im Oktober – rechtzeitig zum Höhepunkt des Jubiläumsjahres, der feierlichen Weihe der Nationalkathedrale in Bukarest.

Foto: Artyom Korshunov / unsplash.com
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