Buzău aus der gastronomischen Perspektive
Slow Food Travel ist ein neues Tourismusmodell, das auf Begegnungen mit Bauern, Käseherstellern, Hirten, Bäckern und Winzern setzt, die gemeinsam mit Köchen als Erzähler der Regionen und als besondere Hüter der Traditionen auftreten. Die Erlebnisse, die der Verein Slow Food den Touristen im Gebiet Buzău anbietet, sind vielfältig und richten sich an alle Altersgruppen.
Daniel Onea, 25.01.2026, 14:22
Ob Rafting auf dem Fluss Buzău oder Wanderungen mit Verkostungen – Besucher lernen sowohl die Geschichten der Orte als auch die der Speisen kennen. Der Kreis Buzău ist für seine Sehenswürdigkeiten bekannt, aber auch für seine Weinkeller.
Der Geopark „Ținutul Buzăului“ ist seit 2022 UNESCO-Stätte und umfasst 18 Gemeinden mit rund 40.000 Einwohnern und zahlreiche einzigartige Sehenswürdigkeiten. Der Besuch hier lässt sich mit kulinarischen Erlebnissen verbinden. Touristen in der Gemeinde Berca erfahren im Reiseinformationszentrum, was es im Gebiet zu sehen gibt. Sie besuchen die Schlammvulkane oder die Felssiedlungen von Bozioru und kehren anschließend in einer Pension, einem Restaurant oder bei einem Erzeuger ein – frischer geht nicht mehr. Dabei fehlt die Babic-Wurstsalami von Buzău nicht, wie Gastronomiebotschafterin Cristina Partal erzählt.
„Die Babic ist ein rohgetrocknetes Produkt aus Schweinefleisch. Das Rezept stammt aus der Gemeinschaft der Gärtnerserben mit bulgarischen Wurzeln. Wir bewahren diese Tradition und bereiten die Wurst auf verschiedene Arten zu. Er kann roh gegessen oder in unterschiedlichen Gerichten gekocht werden, etwa in der für die Region typischen scharfen Pfanne. Eine weitere Variante ist die ‚pitușca‘, eine Art lokaler Burger aus gehacktem Babic-Fleisch, auf der Platte oder auf dem Grill. Außerdem bieten wir die berühmte Babic-Suppe an. Anfangs waren die Touristen zurückhaltend, inzwischen kommen viele gerade für diesen Leckerbissen.“
Auch Milchprodukte sind sehr gefragt, bemerkt Cristina Partal und weist auf eine ortstraditionelle Bergsuppe hin, die mit saurer Milch und frischen Kräutern aus dem Garten zubereitet wird. Im Winter kommen Speck oder Fleisch aus dem Schmalztopf dazu. Buzău war über Jahrhunderte ein Durchgangsgebiet für Hirten auf dem Weg zur Brăilaer Tiefebene, sagt Partal, und Die Transhumanz, Teil des UNESCO-Erbes, hat die lokale Küche stark geprägt. In Bergregionen wie Nehoiu oder Siriu spürt man Einflüsse aus Siebenbürgen und es gibt viele Milchgerichte: Kürbis, Kartoffeln oder Bohnen mit Milch. Der Penteleu-Hartkäse ist einzigartig und wir streben dafür eine europäische Zertifizierung an. Vor 1989 wurde er in der Fabrik von Nehoiu für den Export hergestellt. Seine Qualität hängt von der Bergflora ab. Fachleute haben festgestellt, dass Bergmilch aromatischer ist, weil die Pflanzen dort keinen Staub tragen wie im Flachland. Heute wird dieser Käse von einem kleinen Erzeuger aus dem Slow-Food-Netzwerk hergestellt, so die Gastronomiebotschafterin.
Die Schlammvulkane von Buzău und ihre Mondlandschaft sind ein einzigartiger Ort in Rumänien. Gasansammlungen in geschätzten 3.000 Metern Tiefe steigen unter Druck auf und reißen Grundwasser, verschiedene Tonarten und Gesteinsschichten mit. An der Oberfläche entstehen so kleine Vulkane mit oder ohne Kegel. Das Gebiet erstreckt sich über mehrere tausend Quadratmeter und ist in zwei Zonen geteilt: Pâclele Mari und Pâclele Mici. Ebenfalls im Kreis Buzău befindet sich ein in Rumänien einzigartiges Museum: das Bernsteinmuseum von Colți, gewidmet diesem 40 bis 60 Millionen Jahren alten Harz. Auffällig ist auch ein weiteres Naturphänomen, das die lokale Küche beeinflusst, erklärt Cristina Partal: Der Salzdiapir oder Salzberg von Lopătari ist ein riesiger Salzberg, der an die Oberfläche tritt und wahrscheinlich in Europa einzigartig ist.
„Morgens bildet der Tau auf dem Gras feine Salzkristalle. Die Schafe weiden dieses Gras, was dem Fleisch einen besonderen Geschmack verleiht. Das Ergebnis sind dann die Pleșcoi-Würste. Sie haben ein einfaches, natürliches Rezept: Schaf- oder Ziegenfleisch, Thymian und scharfe Paprika. Der Legende nach haben Räuber dieses Gericht erfunden. Sie machten aus dem Schaffleisch Pastrami und Würste, um ihre Beute vor den Gendarmen zu verbergen. Heute tragen diese Würste die europäische IGP-Zertifizierung. Sie werden landesweit verkauft und sind in bekannten Restaurants geschätzt.“
Thorsten Kirschner ist Gründungsmitglied der Slow Food Community Buzău. Er bezeichnet die Region als Land der Legenden und Aromen. Vor 16 Jahren kam er nach Rumänien. Nach zwei Jahren in Bukarest zog er nach Buzău, kaufte ein Herrenhaus und gründete einen Verein zur Förderung traditioneller, handwerklicher Produkte.
„Slow Food ist eine globale Bewegung für den Zugang zu gesunden Lebensmitteln und in über 160 Ländern aktiv. Sie ist eine Alternative zu Fast Food und entstand in den 1980er-Jahren in Italien. Heute ist sie besonders stark in den Regionen Rumäniens: in Siebenbürgen, in Kronstadt, Hermannstadt, Klausenburg und Buzău. Wir sind eine Art NGO und bringen zusammen Bauern, Lebensmittelhersteller, Agropensionen, Restaurants und Liebhaber gesunder, nachhaltiger Ernährung. Unsere Idee ist eine Plattform zur Förderung vor allem handwerklicher Produkte und hochwertiger Lebensmittel aus dem Kreis. Ein Beispiel: Wir haben einen Honigproduzenten mit innovativer Technik. Er mischt Honig mit rohen Früchten und schafft ein neues Produkt für das Frühstück. Touristen finden es auch im Souvenirladen und können etwas Neues mit nach Hause nehmen. Außerdem gibt es handwerklich gebrautes Bier. Ein junger Unternehmer hat mit Met begonnen, einem leicht alkoholischen Getränk auf Honigbasis.“
Touristen können zertifizierte Guides für Gruppen jeder Größe buchen. Auf der offiziellen Website des Kreises Buzău und auf der Seite des Geoparks finden sich Routen und Unterkünfte. Auch die Website von Slow Food Buzău bietet attraktive Erlebnisse für Besucher.