Universitätsplatz in Bukarest: mehr als nur beliebter Treffpunkt
Im kollektiven Gedächtnis der Hauptstadtbewohner steht der Universitätsplatz vor allem für soziale Proteste oder für spontanes Feiern nach sportlichen Erfolgen. Gleichzeitig gehört er aber auch zur Bukarester Altstadt – und ist damit eine wichtige Attraktion für viele Besucher der rumänischen Hauptstadt.
Ștefan Baciu und Sorin Georgescu, 27.01.2026, 19:30
Im vergangenen Jahr zog Bukarest rund zwei Millionen Touristen an. Die über das ganze Jahr hinweg konstanten Übernachtungszahlen zeigen: Die Stadt ist zu jeder Jahreszeit attraktiv. Viele Ausländer kommen im Rahmen von Geschäfts- und Event-Tourismus nach Bukarest. Ein großer Teil von ihnen besucht die Altstadt – angezogen von der Geschichte dieses Viertels, aber auch von den zahlreichen Bars und Restaurants. Die Altstadt bietet Unterhaltung, sehr gute Hotels – vom Boutique-Hotel bis zum großen Haus – und eine schmackhafte rumänische wie auch internationale Küche.
Wir machen Halt am Universitätsplatz. Auf einer Seite des Boulevards erhebt sich das Gebäude der Universität Bukarest, entworfen vom Architekten Alexandru Orăscu nach dem Vorbild westeuropäischer Universitäten. Der Bau begann 1857 und wurde 1864 zur Zeit des Fürsten Alexandru Ioan Cuza eingeweiht.
Gegenüber, auf der anderen Seite des Königin-Elisabeth-Boulevards, öffnet sich der Universitätsplatz mit seinen vier Statuen. Eine davon zeigt hoch zu Ross Michael den Tapferen, der im Jahr 1600 für kurze Zeit de facto Herrscher über die drei mittelalterlichen Fürstentümer war, aus denen später das heutige Rumänien hervorging: die Walachei, Moldau und Siebenbürgen.
Der Platz ist ein geschichtsträchtiger Ort, ideal, um ihn Gästen aus dem Ausland zu zeigen, betont der Stadtführer Damian Anfile:
„Auch rund um die Universität mangelt es nicht an Geschichten. Zu jeder dieser Statuen kann man sowohl die Biografie der dargestellten Person erzählen als auch die Geschichte der Statue selbst. Die von Michael dem Tapferen etwa wurde lange Zeit nicht enthüllt, aus Angst, Österreich-Ungarn zu verärgern – schließlich hatte er Siebenbürgen einst erobert. Deshalb steht auf dem Sockel nicht, dass er zeitweilig auch Fürst von Siebenbürgen war, sondern nur Statthalter der Walachei, so, als hätte er im Namen des Kaisers gehandelt.
Alle Proteste und Feiern, die früher nicht wie heute auf dem Siegesplatz stattfanden, spielten sich hier ab – rund um die Statue von Michael dem Tapferen. Und wissen Sie, worauf diese Statue steht? Auf dem Altar des ehemaligen Klosters Sankt Sava, dessen Ruinen heute unter dem Pflaster des Universitätsplatzes liegen.
Die drei anderen Statuen zeigen die Väter des rumänischen Bildungswesens: Gheorghe Lazăr, Ion Heliade Rădulescu und Spiru Haret. Heliade Rădulescu steht genau dort, wo einst seine Druckerei war, in der die ersten modernen Schulbücher der rumänischen Geschichte gedruckt wurden. Und jede dieser Statuen verrät durch ihre Darstellung etwas über den Beruf der jeweiligen Persönlichkeit.
Wenn jemand die zwiebelförmigen Kuppeln hinter den beiden symmetrischen Gebäuden bemerkt, die den Platz flankieren, kann man die Besucher auch zur Russischen Kirche führen. Sie wurde von Zar Nikolaus II., dem letzten Autokraten Russlands, gestiftet – und ihr Stil ist wirklich spektakulär.“
Unweit der Russischen Kirche am Universitätsplatz befindet sich die Tschechische Botschaft, früher Sitz der Botschaft der Tschechoslowakei. Auch dieses Gebäude trägt eine besondere Geschichte in sich, die sich im Sommer 1968 zugetragen hat. Damals versammelten sich tschechoslowakische Touristen, die ihren Urlaub in Rumänien verbrachten, ratlos vor der Botschaft, nachdem sie erfahren hatten, dass sowjetische Panzer in Prag und Bratislava einmarschiert waren, um die Reformregierung unter Alexander Dubček zu stürzen. Rumänien war damals das einzige Land des Ostblocks, das sich offen gegen die Invasion der Tschechoslowakei stellte.
Ebenfalls am Universitätsplatz steht ein kleines, aber schickes und geschichtsträchtiges Gebäude: der Suțu-Palast. Stadtführer Damian Anfile dazu:
„Der Suțu-Palast, der seit 200 Jahren von schweren Erdbeben verschont geblieben ist, gehört zu den alten Gebäuden Bukarests, die ihr ursprüngliches Aussehen am besten bewahrt haben. Heute ist er der Hauptsitz des Stadtmuseums von Bukarest. Ein Ort, den man unbedingt besuchen sollte, weil hier äußerst kostbare Zeugnisse der Stadtgeschichte gezeigt werden. Auch die Erinnerungen dieses Hauses sind bemerkenswert – schließlich war es einst eine der beliebtesten Adressen für die großen Bälle der vornehmen Gesellschaft.“
Der Palast wurde 1833 im Auftrag des in Bukarest heimisch gewordenen Zweigs der Phanariotenfamilie Suțu (griechisch: Soutsos) errichtet und war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts berühmt für die rauschenden Bälle und Karnevalsfeste, die hier gefeiert wurden. 1932 ging das Gebäude in den Besitz einer Bank über, die es später der Stadt Bukarest überließ. Das heutige Museum wurde im Januar 1959 eröffnet.