Schwerwiegende Impfkrise
Rumänien steht vor der schwersten Impfkrise seit Jahrzehnten.
Corina Cristea und Florin Lungu, 17.02.2026, 13:22
Informationslücken, Fehlinformationen in sozialen Medien sowie systemische Hürden wie übermäßige Bürokratie, fehlende materielle Ressourcen, die Abschaffung von Schulimpfungen und die Isolation ländlicher Gebiete führen zu einer dramatischen Situation bei Masern: Weniger als die Hälfte der Kinder wird 2025 die erste Dosis erhalten haben. Dieses Bild verdeutlicht die Lage in Rumänien, das sich – wie Vertreter der Organisation „Rettet die Kinder“ betonen – in der schwersten Impfkrise seit Jahrzehnten befindet. Seit 36 Jahren entwickelt die Organisation Sozialprogramme, politische Maßnahmen und bewährte Praktiken zum Wohle der Kinder in Rumänien.
Laut einer am Montag veröffentlichten Studie sind die Impfraten für MMR (Masern, Mumps und Röteln) kontinuierlich gesunken, insbesondere für die zweite Dosis, die im Alter von 5 Jahren verabreicht wird. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Im vergangenen Jahr traten die meisten Masernfälle in Europa in Rumänien auf. Genauer gesagt, stammen von den über 32.000 in den letzten drei Jahren registrierten Fällen mehr als 27.500 aus Rumänien, wie das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) mitteilte. Italien lag mit weniger als 1.100 Fällen an zweiter Stelle. Im gleichen Zeitraum wurden in Rumänien laut dem Nationalen Institut für Öffentliche Gesundheit 30 Todesfälle durch Masern registriert.
Rumänien schneidet nicht nur bei Masern schlecht ab: Alle Werte des nationalen Impfprogramms liegen unter dem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Zielwert von 95 %. Laut den Schlussfolgerungen der Regionalen Kommission zur Überprüfung der Masern- und Rötelnelimination vom September letzten Jahres gehört Rumänien zu den 13 Ländern der WHO-Region Europa mit endemischer Masernübertragung. Das bedeutet, dass die Krankheit kontinuierlich und ohne Unterbrechung in der Bevölkerung zirkuliert.
Silvia Burcea, Koordinatorin des Programms für Mutter- und Kindgesundheit bei Rettet die Kinder Rumänien: „Wir müssen die Gründe für die niedrigen Impfraten untersuchen. Hausärzte und Gemeindegesundheitshelfer nannten uns unter anderem folgende Punkte: Informationsmangel, Fehlinformationen in sozialen Medien – ein sehr wichtiger Faktor –, aber auch systembedingte Hindernisse wie übermäßige Bürokratie, fehlende materielle Ressourcen und vor allem die Abschaffung von Schulimpfungen.“ Rettet die Kinder fordert die Behörden auf, das Meldesystem für Impfungen zu vereinfachen, medizinisches Personal in Kommunikation zu schulen und ein multidisziplinäres Team vor Ort aufzubauen, um die Impfung von Kindern zu fördern.