Tourismus im Hightech-Modus: Museen im ländlichen Milieu virtuell entdecken
Rumänien verbirgt im ländlichen Raum zahlreiche kulturelle Schätze. Doch viele davon bleiben kaum bekannt. Oft fehlt es kleinen Museen an Ressourcen für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Während große Museen in den Städten automatisch mehr Aufmerksamkeit und Besucher bekommen, bleiben kleine Ausstellungen, ethnografische Sammlungen oder Gedenkhäuser auf dem Land häufig im Schatten. Eine Initiative möchte das ändern. Sie verbindet Tourismus mit moderner Technologie und bringt das kulturelle Erbe des Dorfes ins digitale Zeitalter.
Daniel Onea und Sorin Georgescu, 15.03.2026, 17:30
Cosmin Murărașu ist Projektmanager der Initiative „Muzee de la sat“ („Museen vom Lande“). Er erzählt, wie das Projekt entstanden ist und wie die Museen dokumentiert werden.
„Das Projekt begann im Jahr 2021, und schrittweise haben wir jedes Jahr verschiedene Regionen des Landes bereist. Wir begannen mit der Moldau, danach folgten die Große Walachei, die Dobrudscha, die Marmarosch, die Kleine Walachei und das Banat. Unsere Absicht ist es, die Initiative in naher Zukunft auf das gesamte Land auszuweiten. Wir besuchen Museen im ländlichen Raum, wo wir 3D-Laserscans, Fotografien, Interviews und Präsentationsvideos mit den Museumsfachleuten erstellen. Diese Materialien werden anschließend bearbeitet und auf unseren sozialen Netzwerken, auf der Website muzeedelasat.ro sowie in unserer App veröffentlicht, die für Android und iOS verfügbar ist. Gleichzeitig stellen wir sie den beteiligten Museen kostenlos zur Verfügung, um sie bei ihren Werbemaßnahmen zu unterstützen.“
Der Zugang zu den digitalisierten Archiven wurde bewusst einfach und intuitiv gestaltet. Die Projektinitiatoren haben ein digitales System entwickelt, das nicht nur virtuelle Besuche ermöglicht. Es hilft auch bei der Planung einer echten Reise – besonders für Touristen, die unterwegs sind und neue Orte entdecken möchten. Cosmin Murărașu erklärt, wie diese digitalen Werkzeuge funktionieren.
„Auf der Plattform bieten wir absolut alle notwendigen Informationen, um physisch zum gewünschten Ort zu gelangen: Kontakttelefonnummern, E-Mail-Adressen, Öffnungszeiten und Eintrittspreise. Darüber hinaus enthält die kostenlose App «Muzee de la sat» eine nützliche Funktion, die die optimale Route generiert. Mit einem einfachen Klick auf die Navigationsschaltfläche zu einem bestimmten Museum wird die Route automatisch in Google Maps erstellt und führt den Nutzer direkt zum Ziel. Außerdem zeigt die App anhand der Standortdaten des Besuchers das nächstgelegene Objekt an und ermutigt so zu einem tatsächlichen Besuch. Sowohl in der App als auch auf der Webplattform können Nutzer eine interaktive virtuelle 3D-Tour aufrufen, die ihr Interesse wecken und den Reichtum der Ausstellungsstücke zeigen soll.“
Neben der technischen Innovation spielt vor allem der menschliche Faktor eine wichtige Rolle. Anders als in großen, oft überfüllten Museen der Städte erleben Besucher in den Dörfern eine ruhigere und persönlichere Atmosphäre. Gespräche mit den Menschen vor Ort gehören hier ganz selbstverständlich dazu.
Viele dieser Museen sind zudem weit mehr als bloße Ausstellungsräume für alte Gegenstände. Sie bewahren ein lebendiges Kulturerbe. Häufig organisieren sie Workshops, Veranstaltungen für die Dorfgemeinschaft oder Bildungsprogramme für Kinder. Jede dieser Einrichtungen erzählt ihre eigene Geschichte – und kann aus einem kurzen Zwischenstopp ein unvergessliches Erlebnis machen.
Cosmin Murărașu erinnert sich an einige besonders eindrucksvolle Momente während der Arbeit an diesem Projekt.
„In jeder besuchten Institution haben wir außergewöhnliche Erfahrungen gemacht, denn jede besitzt eine einzigartige Besonderheit. Eine besonders erinnerungswürdige Erfahrung stammt aus dem Jahr 2021, und wir machten sie in der Sektion des Nationalmuseums «George Enescu», die sich im moldauischen Dorf Tescani befindet. Während wir die Scans und die Digitalisierung durchführten, waren im Hintergrund die Werke des großen Komponisten zu hören, was eine faszinierende Atmosphäre schuf, die uns vollständig in diesen Raum eintauchen ließ. Eine weitere besondere Erfahrung hatten wir in der Maramarosch. In den traditionellen Häuschen dort trafen wir Museumsfachleute und Einheimische, die ihr Leben der Bewahrung des Kulturerbes widmen. Sie verstehen es perfekt, den Geist des Ortes zu vermitteln, indem sie Geschichten erzählen, die sie von ihren Großeltern gelernt haben, und ein tiefes Gefühl von Vertrautheit und Heimatverbundenheit schaffen. Ein weiteres hervorragendes Beispiel ist das «Nicolae-Bălcescu»-Museum im Kreis Vâlcea, wo das Team eine bemerkenswerte Arbeit leistet, um das Publikum zu erweitern und zu diversifizieren, indem es Bildungsaktivitäten für Kinder organisiert. Tatsächlich hat jedes Museum seinen unverwechselbaren Charme.“
Die Bemühungen, diese Orte professionell zu präsentieren, wirken inzwischen auch über die Grenzen Rumäniens hinaus. Hochwertige Bilder und virtuelle Rundgänge dienen als eine Art digitale Visitenkarte des ländlichen Rumäniens. Sie wecken auch das Interesse internationaler Besucher, die auf der Suche nach neuen und weniger bekannten Reisezielen sind.
„Unsere Plattform und App sind weltweit zugänglich, und unsere Bemühungen richten sich auch aktiv auf die internationale Förderung. Es ist sehr bemerkenswert, dass die zweitgrößte Besuchergruppe der Plattform «Muzee de la sat» aus den Vereinigten Staaten stammt – ein Beweis für unsere große Reichweite, über die wir uns sehr freuen. Außerdem erhalten wir zahlreiche Anrufe von Personen, die daran interessiert sind, echte Ausflüge zu organisieren. Wir wurden häufig aus dem Ausland von Touristen kontaktiert, die bestimmte Regionen auf Google gesucht und dabei unsere Plattform entdeckt haben. Beeindruckt von der Qualität der Materialien beschlossen sie sofort, diese Museen auf ihre Urlaubsliste zu setzen. Wenn Urlauber eine Reise in eine neue Region planen, suchen sie selbstverständlich im Internet nach den attraktivsten Sehenswürdigkeiten, um eine Route zusammenzustellen. Wenn diese Orte nicht über qualitativ hochwertige Werbematerialien verfügen, verlieren sie die Chance, Touristen anzuziehen. Genau deshalb legt unser Projekt großen Wert auf die Erstellung hochauflösender virtueller 3D-Touren, ergänzt durch professionelle Fotos und Videos. Die Qualität der Materialien ist entscheidend, um Reisende zu überzeugen – auch jene aus dem Ausland.“
Die virtuelle Erkundung, die das Projekt ermöglicht, ist ein wichtiges Instrument für die kulturelle Promotion. Unterstützt wird das Vorhaben auch durch Kofinanzierungen aus dem Nationalen Kulturfonds. Trotzdem bleibt eines klar: Die wahre Erfahrung entsteht erst vor Ort. Kein virtueller Rundgang kann den Geruch eines traditionellen Hauses ersetzen, die Haptik alter Gegenstände oder das direkte Gespräch mit den Menschen, die die Kultur und Identität des rumänischen Dorfes lebendig halten.