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Public Speaking und die Suche nach sich selbst

Wer warst du, bevor man dir gesagt hat, wer du sein sollst?“ – das ist eine der Leitfragen einer Kampagne des Teatrul Simplu, des „Einfachen Theaters“, die unter dem Motto steht: „Ich habe es geschafft!“. Neben Schauspielkursen finden hier auch Workshops für freies Sprechen, also „Public Speaking“, statt. Geleitet werden sie von der Gründerin selbst, der Schauspielerin Alice Nicolae.

Conferința de vorbit în public „Am Reușit” (Foto: fb.com/ Academia Teatru Simplu)
Conferința de vorbit în public „Am Reușit” (Foto: fb.com/ Academia Teatru Simplu)

und , 16.03.2026, 18:50

Wir haben Alice Nicolae gefragt, wie diese Idee entstanden ist und warum ein Kurs für öffentliches Sprechen so wichtig ist:

„Die Idee ist schon vor langer Zeit entstanden, irgendwann im Jahr 2011. Ich hatte gerade meinen Master in Schauspiel und klassischem Theater gemacht und bemerkte, dass Menschen mit wunderbaren Ideen oft ein riesiges Bedürfnis hatten, ihre Aufregung in den Griff zu bekommen, um vor Publikum sprechen zu können. Mein Professor Radu Gabriel kam am letzten Unterrichtstag zu uns und sagte: ‚Ich habe eine gute und eine etwas weniger gute Nachricht. Die gute ist: Ihr seid sehr talentiert. Die weniger gute ist: Ihr seid viele, und jeder von euch muss auch noch eine andere Berufung finden.‘ Ich habe das gehört, verstanden und mir wurde klar: Die Schauspielerei hat bei mir Wunder bewirkt. Sie hat mir geholfen, meine Emotionen zu steuern – und genau das kann ich weitergeben. Mit viel Aufregung und ohne genau zu wissen, was mich erwartet, erinnere ich mich daran, wie ich im Herbst desselben Jahres die erste Gruppe gegründet habe. Ich habe es im ganzen Land bekannt gemacht, eine Handvoll Leute zusammengetrommelt, die das wollten, und dann… naja, die erste ‚Aktion‘. Schauspiel hat ja mit Agieren und Handeln zu tun. Durch Handeln und Beharrlichkeit habe ich seitdem regelmäßig Gruppen unterrichtet. Jetzt sind es schon 15 Jahre, unsere Geschichte ist gewachsen, wir unterrichten jetzt auch Schauspiel und inszenieren Theaterstücke. Aber genau dort hat alles angefangen.“

Alice Nicolae scheint ihre Berufung gefunden zu haben. Eines der greifbaren Ergebnisse ist eine Plattform, auf der Menschen zu sich selbst finden und sich dann frei ausdrücken können:

„Ich weiß nicht, wie viele von uns wirklich zufrieden sind, nur weil wir zig Aufgaben abgehakt haben. Wir freuen uns aber, wenn wir das Leben anderer positiv beeinflussen – wenn also das, was wir sagen, auch bei denen ankommt, die wir erreichen wollen. Und da denke ich mir: Ein Mensch, der es schafft, eine Botschaft mit Klarheit zu vermitteln, der es schafft, die Menschen um ihn herum zu berühren, ist ein Mensch, der ein besseres, ein glücklicheres Leben führt. Wir sind sehr froh darüber, dass wir den Menschen die Schauspielkunst näherbringen können. Es ist eine Kunst, die das Leben vieler von uns wirklich verändert – nicht nur, wenn es um Public Speaking und den Umgang mit Lampenfieber geht, sondern auch durch die Verbindung mit sich selbst und die Selbsterkenntnis. Das ist zutiefst befriedigend und erhebend. Wenn die Leute also spüren, dass sie das machen wollen, dann sollen sie es tun!“

George Grigorescu ist einer der Teilnehmer der Public-Speaking-Kurse. Er interessiert sich schon immer für persönliche Weiterentwicklung. Von ihm haben wir erfahren, dass er zwischen 2011 und 2016 Tango getanzt hat – eine Zeit, in der er lernte, dass Tanzen wie das Leben ist. Als er sich dann den Kursen von Alice Nicolae anschloss, entdeckte er, wie wichtig Verletzlichkeit bei allem ist, was man tut.

„Wie bei jeder Gelegenheit, die sich mir bisher bot, habe ich mir gesagt: Ich probiere das einfach mal aus. Die Sache mit dem Public Speaking entstand eher aus Neugier, als aus dem Wunsch heraus, zwingend in der Öffentlichkeit sprechen zu wollen. Man sagt ja, dass das Sprechen vor Publikum die zweitgrößte Angst des Menschen ist – gleich nach dem Zahnarzt. Wir machen Theorie, wir lernen, wie man eine Rede strukturiert, wir lernen, unsere Emotionen zu kontrollieren. Wir lernen, Blickkontakt zu halten und beim Aufbau unserer Rede eher geschlossene als offene Fragen zu stellen, wir lernen, Schlüsselwörter zu wiederholen. Aber am Ende kommt die Feuerprobe: Man muss beweisen, dass man fünf Minuten lang eine Rede vor Publikum halten kann. Und das war kein kleines Publikum. Das fand in einem Konferenzsaal in Bukarest mit etwa 50 Leuten statt. Wir waren sechs Kursteilnehmer, die gesprochen haben. Ich war schon ziemlich nervös. Aber nachdem wir die Struktur unseres Textes geprobt hatten und das Feedback unseres Guides bekamen – und Alice Nicolae war mehr als nur ein technischer Guide, sie war auch ein emotionaler Wegweiser –, haben wir die Prüfung gut gemeistert. Ich hatte das Gefühl, dass jeder von uns es erfolgreich geschafft hat, seine Angst vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit zu überwinden.“

Dieses Public-Speaking-Event stand ebenfalls unter dem Motto „Ich habe es geschafft!“, denn jeder einzelne Teilnehmer hat einen Erfolg für sich verbucht. George Grigorescu mit den Details:

„Die Themen haben wir alle selbst gewählt, einige haben ihr Thema im Laufe der Zeit auch noch mal geändert. Es war eine freie Rede, jeder hat vor allem aus seiner persönlichen Erfahrung gesprochen. Der Kurs erstreckte sich über acht Kommunikations-Sessions von jeweils zweieinhalb Stunden. Jede Session hatte ein eigenes Thema und behandelte unterschiedliche Aspekte: Wie baut man eine Struktur auf? Wie kontrolliert man seine Emotionen? Wie präsentiert man die Informationen? Eines der Beispiele, das ich genial fand, war: Wenn du nicht mehr weißt, was als Nächstes kommt, ist das überhaupt kein Problem – denn das Publikum hat dein Skript vorher nicht gelesen. Ich fand es großartig zu erkennen, dass man sich mit einer einfachen Pause wieder sammeln kann. Egal, ob du den roten Faden verloren hast oder ob du einen Pfiff aus dem Saal hörst – wer weiß schon, was dich alles von deiner Rede ablenken kann.“

Wir haben George Grigorescu gefragt, ob er während dieses ganzen Prozesses etwas Unerwartetes entdeckt hat:

„Ich glaube, die wichtigste Lektion, die ich lernen durfte, war, dass ich verletzlich sein muss. Dass ich mir erlauben muss, einen verletzlichen Teil meiner eigenen Erfahrung in diese Rede mit einzubringen. Dass ich ein Mensch sein darf, der sich mit seinen eigenen Gefühlen verbindet, sie spürt und gleichzeitig genau von dort aus spricht. Die Leute merken sofort, wenn du nicht angreifbar bist! Je menschlicher du den Vortrag gestaltest, desto mehr Wirkung erzielst du.“

Ein Aufruf zur Authentizität – der in herausfordernden Zeiten wie diesen so willkommen ist!

sursă foto: facebook.com/Edu4Tourism/
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