Zweitjob: Gelegenheitsarbeit als Notwendigkeit
Aus Sorge über steigende Steuern und mögliche Einkommenseinbußen denken immer mehr Menschen in Rumänien darüber nach, sich ein zusätzliches Einkommen zu sichern. Nach Angaben einer Recruiting-Plattform zieht zu Beginn des Jahres 2026 jeder dritte Rumäne einen Zweitjob in Betracht. Hintergrund sind höhere Abgaben, steigende Preise für Lebensmittel und Energie sowie der wachsende Druck auf die Haushaltsbudgets.
Ştefan Stoica und Sorin Georgescu, 14.01.2026, 13:55
Laut der Plattform DeLucru.ro ist der Jahresanfang 2026 von finanziellen Berechnungen und Unsicherheiten geprägt: höhere Rechnungen, teurere Grundnahrungsmittel, Sorgen um Bankkredite, zusätzliche Ausgaben für Kinder – und für ältere Menschen immer schwerer kalkulierbare und zu stemmende Gesundheitskosten. Die Plattform unterstützt unter anderem ungelernte junge Menschen, Rückkehrer aus der Diaspora, Personen mit dem Wunsch nach Zusatzverdienst sowie arbeitsfähige Rentner bei der schnellen Jobsuche. Gelegenheitsarbeit sei längst keine Notlösung mehr, sondern für immer mehr Bevölkerungsgruppen zur Normalität geworden, heißt es weiter.
Besonders groß ist das Interesse an Zusatzverdiensten bei jungen Ungelernten zwischen 16 und 25 Jahren. Sie suchen Arbeit, um sich Taschengeld zu verdienen und erste Berufserfahrungen zu sammeln. Gefragt sind Tätigkeiten ohne spezielle Qualifikation, etwa im Verkauf, in der Warenlogistik, in der Reinigung, als Bauhelfer oder als Tagelöhner in privaten Haushalten.
Eine weitere wichtige Gruppe sind aktive Rentner über 60 Jahre. Sie bevorzugen flexible und planbare Tätigkeiten in Wohnortnähe – zum Beispiel kleinere Reparaturen, Gartenarbeit, Aufsichtsdienste, Reinigungsarbeiten oder gelegentliche Transportaufgaben. Häufig treibt sie die Sorge um, dass die Rente nicht ausreicht, um laufende Kosten und insbesondere Medikamente zu bezahlen.
Auch Berufstätige zwischen 25 und 55 Jahren suchen zunehmend nach zusätzlicher Arbeit. Dabei handelt es sich meist um Menschen mit einem festen Job, die ihre Freizeit für Nebenbeschäftigungen nutzen – etwa in der Gebäudereinigung, im Haushalt, bei Renovierungsarbeiten, als Installateure, Elektriker oder Handwerker, aber auch in der Landwirtschaft oder bei kurzfristigen Einsätzen im Handel und im Dienstleistungssektor.
Hinzu kommen Mütter im Alter zwischen 20 und 45 Jahren, die von zu Hause aus arbeiten – sogenannte „Work at Home Moms“. Sie suchen nach flexiblen Projekten oder Tätigkeiten im Homeoffice, um ihr Einkommen aufzubessern und gleichzeitig genügend Zeit für Kinder und Haushalt zu haben.
Als Hauptgründe für die Suche nach einem zusätzlichen Job nennen viele Rumänen steigende Steuern und Abgaben, die Angst vor Jobverlust oder sinkenden Einkommen sowie die Befürchtung, alltägliche Ausgaben und Lebensmittel künftig nicht mehr finanzieren zu können. Bei Rentnern steht vor allem die Sorge um die Bezahlung von Medikamenten im Vordergrund.
Die Nationale Kommission für Strategie und Prognose warnt in ihrer Herbstprognose, dass sich die Auswirkungen der fiskalischen Anpassungsmaßnahmen in diesem Jahr deutlicher bemerkbar machen werden – vor allem durch einen weiteren Rückgang der Kaufkraft. Ursache seien die anhaltend hohe Inflation zu Jahresbeginn und das sinkende verfügbare Einkommen der Haushalte. Für das Jahr 2026 rechnet die Kommission derzeit mit einem Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent – leicht unter der früheren Sommerprognose von 1,2 Prozent.