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Dichterin Ruxandra Cesereanu: Poesie als Lebensberufung

In ihrem neuen Gedichtband California (auf dem Fluss Someş)“ betrachtet die Dichterin Ruxandra Cesereanu die Poesie als Lebensberufung. Jane Elridge Miller der Dichterin in der Enzyklopädie Who's Who in Contemporary Women's Writing“ zahlreiche Seiten.

Dichterin Ruxandra Cesereanu: Poesie als Lebensberufung
Dichterin Ruxandra Cesereanu: Poesie als Lebensberufung

, 25.07.2015, 17:39

In ihrem neuen Gedichtband California (auf dem Fluss Someş)“ betrachtet die Dichterin Ruxandra Cesereanu die Poesie als Lebensberufung. Der jungen rumänischen Dichterin widmet Jane Elridge Miller in der Enzyklopädie Whos Who in Contemporary Womens Writing“ zahlreiche Seiten.



Vergangenes Jahr ist im Verlag Charmides“ der Gedichtband der Dichterin und Schriftstellerin Ruxandra Cesereanu California (auf dem Fluss Someş)“ erschienen. »California (auf dem Fluss Someş)« ist ein starker und gut strukturierter Gedichtband, vielleicht der beste, den Ruxandra Cesereanu bislang geschrieben hat. Neben der Sensibilität und der Sinnlichkeit der poetischen Bilder, die in ihrem Schreiben stets präsent waren, zeigt ihr Stil heute auch etliche Neuerungen: die ekstatische Erfahrung des Gedichtes sowie die programmatische Absicht, ihr Vertrauen in Poesie erneut zu bekräftigen“, schreibt die Literaturkritikerin Adina Diniţoiu in der Kulturzeitschrift Observator Cultural“. In Bezug auf den Titel des Gedichtbandes sagte die Autorin, sie habe im letzten Augenblick auf das Wort Hotel verzichtet. Ihre Entscheidung rechtfertigt die Dichterin dadurch, dass dieses Wort die Absicht, über ihre Kindheit, Jugend und Reife zu erzählen, stark begrenzte. Ruxandra Cesereanu:



Es handelt sich nicht um ein vorher geplantes Projekt, sondern eher um Schritte, die ich allmählich unternahm, oder um ein Projekt, das mit der Zeit gewachsen ist und somit Gestalt annahm. Zu Beginn ging ich davon aus, dass ich ein fünfseitiges Gedicht schreiben werde. Mein Gedicht sollte plangemä‎ß aus drei Schichten bestehen: Die erste Schicht wollte ich dem visuellen Realismus widmen. Dieser Schicht entspricht der Ausdruck am Ufer des Flusses Someş“. Es gab auch die Schicht des Vertrauens in Poesie und Metapoesie sowie eine Schicht der Erinnerungen. Ich hätte aber nicht erwartet, dass sich mein Gedicht so verzweigt entwickeln wird, ich wollte hingegen ein konzentriertes Gedicht schreiben. Später begriff ich, dass diese Schichten nicht nur sehr umfangreich waren, sondern auch, dass ich somit eine Art Explosion und Implosion ins Rollen brachte und von mir abhing, wann sie mit dem Rollen aufhören. Ich hatte ursprünglich den Titel »Hotel California am Someş-Ufer« in Aussicht, selbstverständlich mit Bezug auf den berühmten Song der Band The Eagles. Aber als sich das Gedicht in mehrere Gedichte umwandelte und nicht mehr ein fünfseitiges Gedicht blieb, wurde es seinerseits eine Art Fluss mit zahlreichen Schichten, Tiefen und Strömen.“




2013 wurde Ruxandra Cesereanu stolze Besitzerin eines Fahrrads und begann damit am Ufer entlang des Flusses Someş (dt. Samosch) zu fahren. Einmal fuhr ich zurück nach Hause nach einigen Radtouren, als ich ein paar Gitarrenakkorde und Stimmen hörte. Ein paar Jugendliche spielten den Song Hotel California im berühmten Stil der Band The Eagels. Die Gitarrenakkorde und die einzelnen Stimmen der Jugendlichen, mal dünner, mal tiefer, haben mich in die Zeit zurückversetzt, als ich selber eine Teenagerin war und zusammen mit meinen Freundinnen damals am Someş-Ufer denselben Song auf der Gitarre improvisierten. Diese unwillkürliche Reise zurück in die Zeit war Auslöser meines Gedichts oder des ganzen Buches, das aus einem einzigen dreischichtigen Gedicht besteht“, erzählt die Dichterin. Ruxandra Cesereanu:



Etwas Seltsames kommt jetzt auf mich zu. Es handelt sich um eine wohltuende Seltsamkeit, die meine Seele mit Energie und Leben füllt. Es ist mir jetzt klar, dass dieses Buch für mich eine Lebensform darstellt, eine Lebensform, die bestimmt wachsen wird. Die hinzugefügten Schichten werden neue Schichten in Gang setzen. Das erwarte ich meistens während der Sommerferien, denn das ist die Zeit, wenn mein Proustianismus in höchstem Ma‎ße ausgelöst wird. Die tiefer liegenden Gedächtnisschichten oder die metapoetischen Schichten verdichten sich in der Sommerzeit. Mit der Zeit wird dieses Buch mit Sicherheit weiter wachsen, von nun an wird es aber ein persönliches Manuskript bleiben, weil ich nicht vorhabe, die Nachträge zu veröffentlichen. Ich habe bereits eine bibliophile Ausgabe veröffentlicht, in der ich 17 Fragmente daran anfügte. Egal wieviel ich schreiben werde, wird es sich allein um ein elektronisches Manuskript handeln, das mir persönlich gehören wird und das eine lebenswichtige Funktion in sich trägt.“




Über California (auf dem Flu‎ß Someş)“ wurde gesagt, dass es ein Gedichtband über Poesie als Lebensberufung und über das existenzielle Vertrauen in Poesie sei. Ihre Gedichte enthalten auch literarische Bezüge, die in der Lyrik von Ruxandra Cesereanu eine wesentliche Rolle spielen:



Ich habe mich in einer Umgebung gebildet, in der der Poesie eine besondere Bedeutung zukam. Als ich noch Teenagerin war, las mir mein Vater Gedichte vor, mit 17 oder 18 hatte ich von ihm die Bücher der Schriftsteller der 1980er Generation geschenkt bekommen. Ich las mit ihm die Gedichte dieser Generation von Schriftstellern und wir diskutierten auch viel darüber. Dann begann ich selbstverständlich die schönsten Gedichte der Weltlyrik zu lesen und gewisserma‎ßen bin ich mit der Idee gro‎ßgeworden, dass Poesie etwas Gro‎ßartiges darstellt. Damals wusste ich aber nicht, dass Lyrik für mich etwas Überwältigendes werden sollte. Heute versuchen wir pathetische Worte meistens zu vermeiden, weil wir in einer post-postmodernen Gesellschaft leben, die jeden Zauber verloren hat und sich weigert, Archetypen in den Vordergrund zu rücken. Ich habe mich meinerseits hingegen an diese post-postmoderne Gesellschaft angepasst, ohne meinen damaligen Glauben verloren zu haben. Daher stellt Poesie für mich eine Form der Erlösung, eine Erlösung auf vitaler Ebene dar. Ich glaube an Poesie, weil es die höchste Kunst für mich ist, wahrscheinlich die einzige literarische Gattung die der symphonischen Musik gleichkommt. Wenn ich über Gedichte spreche, beziehe ich mich nicht auf den Versbau, sondern auf Verse, die in einer fortgeschrittenen Form auf Ästhetik bauen. Darum geht es, wenn ich sage, dass ich einen Kampf für die Poesie führe. Ich glaube tatsächlich, dass es in unserer entzauberten Welt noch Lösungen gibt, um die Welt durch Geschichten wieder zu verzaubern. Die Welt kann durch Geschichten, Gedichte und das Vertrauen in Poesie gerettet werden. Ich glaube, dass die Welt weder durch eine Poesie des Lächerlichen noch durch sentimentale Lyrik gerettet werden kann. Es gibt aber ein Genre, das ich als Mischung zwischen Poesie und Metapoesie bezeichne. In diesem Gedicht wird das Vertrauen in die Literatur zu einer Lebensform.“




Schizoid Ocean“ (Gedichte, 1997); Lunacies“ (Gedichte, 2004); Panopticon. Political Torture in the 20th Century“ (Essay, 2006); Crusader-Woman“ (Gedichte, 2008); Forgiven Submarine“ (Gedicht, 2009) sind einige der in englischer Übersetzung veröffentlichten Gedichtbände von Ruxandra Cesereanu. Die Autorin Jane Elridge Miller widmet der rumänischen Schriftstellerin zahlreiche Seiten in der Enzyklopedie Whos Who in Contemporary Womens Writing“, veröffentlicht von Routledge Publishing House in London und New York.

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