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Memoiren aus der idealen Bibliothek

Mit seinem Essayband erregte der Schriftsteller und Mathematiker Bogdan Suceavă erneut die Aufmerksamkeit des rumänischen Kulturbetriebs.

Memoiren aus der idealen Bibliothek
Memoiren aus der idealen Bibliothek

, 11.01.2014, 15:56

Memoriile din biblioteca ideală“, Memoiren aus der idealen Bibliothek“ des rumänischen Schriftstellers und Mathematikers Bogdan Suceavă ist eine Essaysammlung zum Thema: Begegnung mit der Mathematik. Für Bogdan Suceavă, Mathematikprofessor an der California State University in Fullerton stellt das ein bedeutungsvolles Thema dar. Der Band wurde im Verlag Polirom veröffentlicht und ist das erste Werk, das einer der grö‎ßten Autoren der rumänischen Nouvelle Vague seinem Beruf widmet. Ich betrachtete mich selbst als jemand, der zuerst und vor allem Mathematik-Probleme löst. Für mich wurde es schnell klar, dass die konkrete und optimale Lösung zu finden, sei es in der Mathematik oder in der Literatur, ein deutlicher Ausdruck der Intelligenz darstellt“, sagte er. Wir haben den Autor der Romane Noaptea când cineva a murit pentru tine” (In der Nacht, als jemand für dich starb“) und Venea din timpul diez“ (in der englischen Übersetzung: Coming from an Off-Key Time“) gefragt, was eine konkrete Lösung in der Literatur eigentlich bedeutet. Bogdan Suceavă antwortet:



Handelt es sich darum, einen Roman zu schreiben, dann beginnt die Lösung mit der Stimme des Erzählers und mit der konkreten Identifizierung des richtigen Zeitpunkts, wann die ganze Geschichte zu Ende gehen soll, anders gesagt, indem man ein gut geplantes Ende vorbereitet. Der Schriftsteller denkt daran, welche Gestalten in den Vordergrund gebracht werden sollen und wo die Spannung ausgelöst werden soll. Alles hat mit der literarischen Lösung zu tun und alles kann zu kompliziert werden, wenn zu viele Gestalten mitmischen. Diesmal hatte ich die Gelegenheit, zu erzählen, wie bestimmte Sachen, die wir beim Mathe-Studium lernen, sich später als besonders hilfreich auch in anderen Bereichen des Kulturlebens, insbesondere in der Literatur erweisen.“



Begegnungen mit Ideen einiger verstorbenen Wissenschaftler wie Huygens, Newton, Meusnier, Euler, Sophie Germain, durch Bücher vermittelt, sowie direkte Begegnungen mit Menschen, die seinen Werdegang als Autor stark beeinflusst haben, bilden die Essaysammlung Memoiren aus der idealen Bibliothek“. Der Band richtet sich an den gewöhnlichen Leser, und nicht an den Leser, der bereits in die Mathematik eingeführt wurde.



Die Geometrie-Schule findet ebenfalls einen wichtigen Platz in der Essaysammlung des rumänischen Schriftstellers. Die Bukarester Schule entwickelte für mehr als ein Jahrhundert ein besonderes akademisches Programm, dem Bogdan Suceavă den Anfang seiner Karriere schuldet. Gheorghe Ţiţeica, Dan Barbilian, Nicolae Teodorescu, Solomon Marcus, Ieronim Mihăilă, Basarab Nicolescu sind nur einige der rumänischen Mathematiker, die Bogdan Suceavă mit seiner Essaysammlung würdigt. Wenn die wahren Mathematiker davon träumen, Theoreme zu beweisen, die ihre Namen tragen, dann war mein grö‎ßter Traum, nicht nur verschiedene mathematische Ideen völlig zu verstehen, sondern auch mehr über ihre Herkunft zu wissen, wie sie überhaupt entstanden sind und wie sie sich entwickelt haben“, schreibt Bogdan Suceavă.



In den Seiten seiner Essaysammlung sucht der Schriftsteller die passende Antwort auf die Frage: Welcher ist der Sinn der Mathematiker in einer beeilten und oberflächlichen Welt?



Es gibt auch Ecken in der Welt, wo die Logik eine wichtige Rolle spielt. Die Welt braucht Mathematiker, weil sie Menschen braucht, die ethische Kompromisse nicht eingehen, Menschen, die nüchtern bleiben, wenn andere vom Untergang bedroht werden. Sie sind Menschen, die sich immer Fragen stellen, schwierige Fragen, die intellektuelle Anstrengungen benötigen und die andere in die Richtung einer passenden Antwort führen, die einem alles deutlich macht. In den letzten zwanzig Jahren begegnete ich in Rumänien Vergnügung und Oberflächlichkeit. Wir können aber erneut in unsere Vergangenheit blicken, wir können uns die Frage stellen, was wir noch wiedergutmachen können und was wir noch aus dem öffentlichen Raum retten können.“



Nach Studiumsabschluss an der Bukarester Universität, wo er sein Diplom in Geometrie erhielt, machte er 2002 die Doktorarbeit-Prüfung an der US-Universität Michigan State University, East Lansing. Das ganze Leben dem Mathematikstudium zu widmen, sei für osteuropäische Forscher sehr schwer, sagt Bogdan Suceavă. Für westeuropäische Forscher stelle das ebenfalls eine Herausforderung dar, da manche von ihnen keinen langfristigen Job finden können:



Für mich wurde es leichter, als ich lernte, was ich zu tun habe. Alles, was ich unterrichte, steht in diesem Buch. Das ist der inhaltsreichste Teil meiner Biographie. In diesem Buch erwähne ich dennoch nur einige der Geometrie-Themen, mit denen ich mich dank der Professoren der Bukarester Universität und später der Michigan State University befasst habe. Es handelt sich aus dieser Perspektive um ein subjektives Buch. Eine Geschichte der Geometrie aus einem subjektiven Sichtpunkt.“



Der Band Memoiren aus der idealen Bibliothek“ wurde im Verlag Polirom veröffentlicht und ist Teil der Sammlung „Ego-grafii“. Das Buch ist auch im elektronischen Format zu erhalten.



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