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Weihnachtsfastenzeit in Rumänien

40 Tage lang fasten gläubige Christlich-Orthodoxe vor Weihnachten. Das Fasten wurden von der Synode in Konstantinopel bereits im Jahr 1166 festgelegt.

Weihnachtsfastenzeit in Rumänien
Weihnachtsfastenzeit in Rumänien

, 25.12.2013, 15:51

40 Tage lang fasten gläubige Christlich-Orthodoxe vor Weihnachten. Das Fasten wurden von der Synode in Konstantinopel bereits im Jahr 1166 festgelegt. In der orthodoxen Betrachtung ist das Fasten ein Mittel zur seelischen Reinigung, eine Tugendtat, eine Übung zur Stärkung des Willens. Durch Fasten wird die Seekle stärker als der Körper, sagt Pater Eugen Tănăsescu von der Kirche der Heiligen Engel“ in Constanţa:



Es ist ein Augenblick, an dem wir eigentlich versuchen, das Böse durch die Erziehung des Willens abzustreifen, das Gute in unserem Leben zu verwerten, die Liebe zu gewinnen, denn das ist das Gebot des Herren: Liebe mit den anderen zu teilen. Es gibt viel Leid heute in der Welt! Es fehlt an Liebe und deshalb müssen wir mehr fasten. Doch wir können das Böse nich los werden, wenn wir keinen erzogenen, keinen starken Willen haben. Viele behaupten, sie könnten nicht fasten. Man muss können! Folglich erziehen wir den Willen. Das ist eine Übung in Zurückhaltung. Man beginnt mit dem Essen, dann bringen wir das Gebet mit hinenin, die Verzeihung, die Beichte und die Kommunion. Es ist also eine vollständige geistliche Behandlung, wodurch wir eigentlich wieder nach dem suchen, was wir in unserem Leben verloren haben, nach der Eigenschaft, Mensch zu sein.“



Die Schlussfolgerungen einer Untersuchung von Mercury Research verweisen darauf, dass 29% der Jugendlichen vor Weihnachten fasten. 21% davon fasten alle 40 Tage. Die meisten aber fasten nur mittwochs und freitags. Die meisten unter 30 Jahren begründen die Nichteinhaltung dieses Brauches dadurch, dass sie es nicht schaffen, es nicht aushalten können oder es nicht für notwendig empfinden. Pater Eugen Tănăsescu:



Wir haben es gelernt, den Sinnesfreuden des Lebens schnell nachzugeben. Wir sorgen uns mehr darum, besser zu essen als zu fasten. Wir sorgen uns mehr darum, dass man Gutes über uns sagt, anstelle dass wir über andere Gutes sagen. Wir sorgen uns mehr darum, die ganze Aufmerksamkeit auf uns zu lenken, anstelle uns zu entschuldigen, wenn wir uns jemandem gegenüber schlecht verhalten haben. Wir lieben uns selbst ein bisschen zu viel im Vergleich zur Nächstenliebe. In unserem Eigensinn entfremden wir uns gegenüber unseren Mitmenschen.“



Dieselbe Untersuchung zeigt, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die fasten, spezielle Backwaren essen. Für 21% von ihnen ist das Fasten ein teuerer Brauch, denn zu dieser Zeit geben sie mehr Geld aus. Auf dem Lande aber fastet man immer noch wie vor einigen Jahrhunderten. Man isst Weisbohnen, Maisbrei, Kürbisteigkuchen, verschiedene Borschtschsuppen mit Kohl, Erbsen, Kartoffeln. Früher wurde immer Honig gegessen. Man a‎ß Honig mit Wal- oder Erdnüssen. Kürbis- und Sonnenblummenkerne a‎ß man gerne bei Treffen. Auch Pilze schmecken gut, sind reich an Proteinen und können somit Fleisch ersetzen. Wir haben eine 85-Jährige gefragt, wie man einst fastete:



Die Weihnachtsfastenzeit hat man eingehalten, man hatte Glauben an Gott. Vor der Fastenzeit machten wir unsere Töpfe sauber, wir reinigten sie von Fett, wir brachten diese auf den Dachboden und verwendeten andere, um das Essen zuzubereiten. Als man das Schwein schlachtete, fassten wir die Würste oder das Fleisch nicht an. Wir mussten bis Weihnachten die Kommunion bekommen. Man a‎ß Makrele, Äpfel, Kartoffeln, Kohl… Meine Mutter sagte, dass die Fastenzeit 9 Wochen dauert. Manche Menschen fasteten, sie nahmen ab, einige starben. Da hat man beschlossen, nur 6 Wochen zu fasten, damit die Leute aushalten können. Damals gab es keine Unterhaltungsmöglichkeiten, keine Balls, keine Hochzeiten… Die Leute waren schlicht und warteten auf Weihnachten.“



Ernährungsexperten empfehlen uns, sollte man sich fürs Fasten entscheiden, mit einfachen, hausgemachten Gerichten über die enthaltsame Zeit zu kommen. Au‎ßerdem müsse man die Regale der Läden meiden, die sogenannte Fertignahrung für die Fastenzeit bieten“ – diese seien alles andere als gesund. Gheorghe Mencinicopschi, Leiter des Instituts für Lebensmittelforschung in Bukarest:



Es müsste nicht schwer sein, das orthodoxe Fasten einzuhalten, wenn wir die authentischen Fastenrezepte befolgen würden, die wir seit hunderten von Jahren haben. Diese Fastenrezepte enthalten erstens keine künstlichen Zustatzstoffe. Ein Fastenessen müsste keine Zusatzstoffe enthalten. Das beste wäre ein Kochbuch von einem Kloster zu nehmen und zu versuchen, die Rezepte von dort zuzubereiten. Diese sind einfach und ausgeglichen. Weihnachtsfasten ist einfacher als Osterfasten, denn man darf öfter Fisch essen.“



Kirchenvertreter belehren uns, dass Fasten sich nicht nur auf die Änderung des Essverhaltens bezieht. Fasten bedeutet viel mehr. Die 32-jährige Ioana erzählt, sie habe etwas aus dem Fasten gelernt:



Ich faste. Das tut meine ganze Familie. Ich gebe zu, dass man viel daraus lernt. Aus dem Fasten habe ich gelernt, dass der Mensch isst, um zu leben und nicht umgekehrt. Ich habe noch gelernt, Geduld zu haben und die Nahrung zu schätzen. Ehrlich ist das Essen nach der Fastenzeit viel köstlicher.“



Am Heiligabend wird noch strenger gefastet. Man enthält sich der Nahrungszunahme bis 15 Uhr. Dann isst man in eingen Gegenden gekochten Weizen mit Obst und Honig. Bereits seit dem 4. Jh. isst man am Heiligabend nichts. An diesem Tag kommt auch der Priester mit einer Ikone ins Haus, um das Fest des kommenden Tages zu verkünden.



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Foto: Robert Thiemann / unsplash.com
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