RRI Live!

Hören Sie Radio Rumänien International Live

Das Bärenwaisenhaus in Harghita: Rehabilitation und Auswilderung

Im rumänischen Volksglauben ist der Karpatenbär eine häufige Figur im traditionellen Kalender. Ähnlich wie der Wolf hat auch er eigene Festtage, die wichtige Momente im Fortpflanzungszyklus und in den Aktivitätsphasen dieser Wildtiere markieren. Die dem Bären gewidmeten Tage sind zahlreich: der Sommer-Bärentag (1. August), die Herbst-Bärentage (12.–14. November), die Winter-Bärentage (1.–3. Februar), der Tag des Bären (2. Februar) sowie der Bärensamstag (eine Woche vor dem Samstag, auf den der Palmsonntag folgt). Auch international wird der Bär im Februar gleich zweimal gewürdigt: Der 2. Februar ist der Tag des Braunbären und des Murmeltiers, am 27. Februar wird der Tag des Eisbären begangen. Aus diesem Anlass stellen wir die Situation der verwaisten Bären in Rumänien vor.

Foto: Mariana Chiriţă/RRI
Foto: Mariana Chiriţă/RRI

und , 27.02.2026, 18:54

 

RadioRomaniaInternational · Das Bärenwaisenhaus in Harghita: Rehabilitation und Auswilderung

 

In Rumänien gibt es ein Zentrum zur Rehabilitation verwaister Bären – es ist einer der wenigen Orte in Europa, an dem Bärenjunge, die aus verschiedenen Gründen ihre Mutter verlieren, die Chance erhalten, nach ausreichender Entwicklung wieder ein normales Leben in der Wildnis zu führen. Cristian Remus Papp, Nationaler Leiter der Abteilung Wildnis und Schutzgebiete beim WWF Rumänien, erklärt die Situation:


„Das Problem der verwaisten Bären ist real, und leider haben die Behörden bislang keine Lösung für sie gefunden. Wichtig ist zu wissen, dass jedes Jahr eine gewisse Anzahl von Bärenjungen ihre Mutter verliert – hauptsächlich durch Wilderei. Die meisten von ihnen, vor allem wenn sie erst wenige Wochen oder Monate alt sind, haben ohne menschliche Hilfe kaum Überlebenschancen. Genau hier setzt das Waisenhaus mit seiner Rolle an.

In Rumänien gibt es nur ein solches Waisenhaus, in der Nähe von Bălan im Kreis Harghita. In Europa existiert nur noch ein weiteres – in Griechenland –, allerdings mit geringerer Kapazität als unseres.

Die Aufgabe des Waisenhauses bei Bălan besteht darin, die Bärenjungen anstelle der Mutter aufzuziehen und ihnen Fähigkeiten zu vermitteln, die sie später zum Überleben in der Natur benötigen. Der Kontakt zwischen Mensch und Jungbären ist während der eineinhalb Jahre, die sie dort verbringen, nahezu nicht vorhanden. Nur eine einzige Person füttert sie – über ein System aus Seilzügen und Kabeln oder mithilfe einer Drohne, um das Futter an verschiedenen Stellen auszulegen.

Am Ende des Rehabilitationsprogramms werden die Tiere wieder in die Wildnis entlassen und mithilfe von GPS-Halsbändern überwacht, um den Erfolg des Programms zu verfolgen.

In unserem Land gibt es außerdem ein bekanntes Bärenschutzgebiet in Zărnești, doch von dort werden die Tiere nicht wieder ausgewildert. Die Bären, die dorthin kommen, bleiben bis zu ihrem Lebensende im Schutzgebiet.“

 

Ohne die Hilfe, die die Jungbären in diesem Waisenhaus erhalten, müssten sie ein grausames Leben in illegalen Gehegen führen, könnten in Zoos landen oder sogar sterben. Wir haben Cristian Remus Papp gefragt, ob es nicht übertrieben sei, sich um verwaiste Bären zu kümmern, wo doch das Land scheinbar ein Problem mit der hohen Anzahl an Bären habe, die das Leben der Menschen in Bergstädten bedrohen:


„Was die hohe Zahl an Bären in Rumänien betrifft, würde ich sagen, dass sich unsere Wahrnehmung vor allem durch sogenannte habituelle Bären gebildet hat, also jene Bären, die sich an die menschliche Präsenz gewöhnt haben und die wir vielerorts sehen können. Ihre ständige Präsenz und Sichtbarkeit erweckt den Eindruck, unser Land sei von Bären überrannt.

Zweifellos sind die Bestände groß, doch zwischen Wahrnehmung und Realität besteht ein erheblicher Unterschied. Wenn es uns gelänge, diese Problembären konsequent zu managen, sodass in vier oder fünf Jahren keine neuen habituellen Bären ihren Platz einnehmen, würden die Konflikte drastisch zurückgehen, und auch das Bild der Bärenpopulation würde sich mit der Zeit verändern.

Deshalb müssen wir uns um die verwaisten Jungbären kümmern: Wir geben ihnen die Chance, zu Bären heranzuwachsen, die in wilden Gebieten fernab des Menschen leben. Wir geben ihnen gewissermaßen jene Würde zurück, die an Menschen gewohnte Bären nicht mehr genießen.“

 

Das Bärenwaisenhaus existiert, weil die Natur Zeit zur Heilung braucht – und weil Tiere Menschen brauchen, die schützen statt stören. Jede unterstützende Geste bedeutet Nahrung, Pflege, Raum, Sicherheit und die Chance auf ein Leben so nah wie möglich an der Wildnis – bis zu dem Moment, in dem die Jungbären bereit sind, sich allein dem Leben zu stellen. Cristian Remus Papp erklärt, wie man das Bärenwaisenhaus unterstützen kann:


„Menschen können durch Spenden zum Betrieb dieses Waisenhauses beitragen. Jedes Jahr werden etwa 20 Bären in das Rehabilitationsprogramm aufgenommen – das ist die Kapazität des Zentrums. Benötigt werden personelle Ressourcen, tierärztliche Betreuung – insbesondere bei der Aufnahme der Jungtiere, die in den meisten Fällen geschwächt sind –, die Versorgung mit lebenswichtiger Nahrung sowie technische Ausrüstung zur Überwachung der Tiere während und nach ihrer Auswilderung.“

 

Das Bärenwaisenhaus trägt auch einen bedeutungsvollen Namen: Bear Again – eine Botschaft, die auf den Rehabilitationsprozess verweist, durch den die Jungbären wieder zu echten, selbstständigen Vertretern ihrer Art in der Wildnis werden.

Foto: pixabay.com
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 30 Januar 2026

Wiederansiedlung: Der Gänsegeier kehrt nach Rumänien zurück

  RadioRomaniaInternational · Wiederansiedlung: Der Gänsegeier kehrt nach Rumänien zurück   Robert Zeitz, Ornithologe und direkt am...

Wiederansiedlung: Der Gänsegeier kehrt nach Rumänien zurück
Foto: facebook.com/geodinohateg
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 28 November 2025

Umwelterziehung durch visuelle Kunst

  RadioRomaniaInternational · Terra 21: Umwelterziehung durch visuelle Kunst   In einer Welt, in der Technologie die Aufmerksamkeit der...

Umwelterziehung durch visuelle Kunst
Foto: pixabay.com
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 31 Oktober 2025

Ornitodata: Das Portal für Vogelbeobachtung

Ein symbolischer, aber bedeutender Moment für den Naturschutz in Rumänien: Ornitodata, die Datenbank der Rumänischen Ornithologischen...

Ornitodata: Das Portal für Vogelbeobachtung
Rumäniens Naturerbe begeistert – doch der Tourismus schadet der Umwelt
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 29 August 2025

Rumäniens Naturerbe begeistert – doch der Tourismus schadet der Umwelt

Am sichtbarsten ist die Abholzung von Wäldern zugunsten von Unterkünften oder Infrastruktur. Hinzu kommt die Verschmutzung durch Plastikmüll und...

Rumäniens Naturerbe begeistert – doch der Tourismus schadet der Umwelt
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 27 Juni 2025

Storchzensus setzt auf Freiwillige

Die Internationale Zählung findet alle zehn Jahre in allen Ländern statt, in denen diese Art brütet, um ein umfassendes Bild der Gesamtpopulation...

Storchzensus setzt auf Freiwillige
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 25 April 2025

Staat will mehr Bären abschießen lassen

Die Ermittlung der Mindestanzahl von Braunbären in Rumänien basierte auf einer Studie genetischer Analysen und der Populationsstruktur der...

Staat will mehr Bären abschießen lassen
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 28 März 2025

Neue Dinosaurier-Arten in rumänischem Geopark entdeckt

Die Universität Bukarest verwaltet den internationalen Geopark Țara Hațegului und seinen UNESCO-Status. In Zusammenarbeit mit...

Neue Dinosaurier-Arten in rumänischem Geopark entdeckt
Terra XXI – das Ökomagazin Freitag, 28 Februar 2025

Globalisierung bringt neue Käferarten nach Rumänien

Die Studie zur Katalogisierung der Käferarten (Coleoptera) in Rumänien wurde von Andreea Cătălina Drăghici verfasst – sie ist als...

Globalisierung bringt neue Käferarten nach Rumänien

Partner

Muzeul Național al Țăranului Român Muzeul Național al Țăranului Român
Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS Liga Studentilor Romani din Strainatate - LSRS
Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online Modernism | The Leading Romanian Art Magazine Online
Institului European din România Institului European din România
Institutul Francez din România – Bucureşti Institutul Francez din România – Bucureşti
Muzeul Național de Artă al României Muzeul Național de Artă al României
Le petit Journal Le petit Journal
Radio Prague International Radio Prague International
Muzeul Național de Istorie a României Muzeul Național de Istorie a României
ARCUB ARCUB
Radio Canada International Radio Canada International
Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti” Muzeul Național al Satului „Dimitrie Gusti”
SWI swissinfo.ch SWI swissinfo.ch
UBB Radio ONLINE UBB Radio ONLINE
Strona główna - English Section - polskieradio.pl Strona główna - English Section - polskieradio.pl
creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti creart - Centrul de Creație Artă și Tradiție al Municipiului Bucuresti
italradio italradio
Institutul Confucius Institutul Confucius
BUCPRESS - știri din Cernăuți BUCPRESS - știri din Cernăuți

Mitgliedschaften

Euranet Plus Euranet Plus
AIB | the trade association for international broadcasters AIB | the trade association for international broadcasters
Digital Radio Mondiale Digital Radio Mondiale
News and current affairs from Germany and around the world News and current affairs from Germany and around the world
Comunità radiotelevisiva italofona Comunità radiotelevisiva italofona

Provider

RADIOCOM RADIOCOM
Zeno Media - The Everything Audio Company Zeno Media - The Everything Audio Company