Harbachtal: Landschaften wie dem Pinsel eines Malers entsprungen
Heute entführen wir Sie ins Harbachtal (rum. Valea Hârtibaciului), eine malerische Gegend im südlichen Siebenbürgen, die nach dem gleichnamigen Fluss benannt wurde, einem Nebenfluss des Zibins (rum. Cibin) im Landkreis Hermannstadt.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 19.05.2026, 17:30
Das Harbachtal ist eine äußerst malerische Gegend, die zwar nicht so bekannt ist wie andere Reiseziele in Rumänien, aber schon beim ersten Besuch begeistert. Die auch als „Grünes Tal“ bekannte Region beeindruckt durch die Schönheit ihrer wilden Naturlandschaften und die prachtvollen sächsischen Kirchenburgen. Mitten im Herzen Rumäniens gelegen, genauer gesagt im Landkreis Sibiu/Hermannstadt, umfasst das Harbachtal 14 Gemeinden und eine Kleinstadt – Agnita (dt. Agnetheln). Die Region ist reich an Gebäuden, die an die Geschichte dieser Orte erinnern, sodass sich in jeder Ortschaft sehenswerte Plätze finden.
Hier kann man sich auf die Spuren der deutschen Siedler begeben, die um das Jahr 1400 nach Siebenbürgen siedelten und sich später Siebenbürger Sachsen nannten. Deshalb besitzt fast jedes Dorf der Region eine Kirchenburg. Früher schützten diese Befestigungen, auch Wehrkirchen genannt, die Bewohner vor Eindringlingen. Heute sind sie zu touristischen Attraktionen geworden. In der Ortschaft Alțâna (dt. Alzen) befindet sich außerdem das älteste erhaltene Haus, das jemals in einem Dorf im heutigen Rumänien gebaut wurde – ein Haus aus dem Jahr 1508, das heute ein kleines Museum und ein Touristeninformationszentrum beherbergt. In den Jahren der kommunistischen Diktatur und auch nach 1990 wanderten die meisten Siebenbürger Sachsen aus diesen Ortschaften aus, was zu einem Niedergang der lokalen Wirtschaft führte. Später kehrten Nachkommen der Aussiedler mit neuen Ideen zurück, und das Tal erlebt heute einen neuen Aufschwung.
Ben Mehedin, Projektkoordinator der Stiftung ADEPT Transilvania, erzählt im Folgenden, was die Gegend so besonders macht:
„Das Harbachtal ist Teil einer Ökotourismus-Reiseroute, die wir ‚Transsilvanische Hügel‘ nennen, und das Besondere an dieser Gegend ist, dass man hier diese wunderschöne Abfolge von Hügeln und Tälern sehen kann. Im Hintergrund erblickt man das Fogarascher Gebirge, dessen Gipfel sogar im Juni noch schneebedeckt sind. Auf dem Harbachtal-Plateau findet man die grünen Wiesen der traditionellen Landwirtschaft mit einer farbenfrohen, mosaikartigen Landschaft, die durch unterschiedliche Getreide-Kulturen und verschiedene Zeitpunkte des Mähens oder Heueinbringens entsteht. Vor dieser Kulisse wirken die sächsischen Dörfer mit ihren Kirchenburgen und den Fogarascher Bergen im Hintergrund wie ein buntes Gemälde. Es ist eine Landschaft, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet, und genau das macht ihren einzigartigen Reiz aus. Nur in den Dörfern wie Alzen, Leschkirch oder Holzmengen kann man solche Bilder erleben.“
An den Wochenenden von April bis Oktober fährt hier eine Schmalspurbahn. Die Fahrt beginnt am Bahnhof Cornățel (dt. Harbachsdorf), etwa 25 Kilometer von Sibiu/Hermannstadt entfernt, und endet im malerischen Dorf Hosman (dt. Holzmengen). Dort wird eine 15-minütige Rast eingelegt. Die Hin- und Rückfahrt dauert insgesamt ungefähr 90 Minuten.
Nicht zuletzt kann auch das Geschichtsmuseum des Harbachtals in Agnetheln besucht werden. Dort sind ethnografische Gegenstände aus der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit der Region zu sehen – ein bedeutendes Museumserbe, das die kulturhistorische Identität der Gegend widerspiegelt.
Ben Mehedin macht uns zum Schluss außerdem auf einige gastronomische Besonderheiten neugierig:
„Hier findet man typische Speisen der siebenbürgisch-sächsischen und deutschen Küche, die zugleich mit rumänischen Einflüssen vermischt sind. Es gibt die sogenannte weiße Suppe mit Geräuchertem und Estragon, aber auch verschiedene Kombinationen: Polenta ist ein typisch rumänisches Gericht, aber sehr vielseitig – man isst sie mit Eintopf, mit würzigem Schafskäse oder mit Krautwickeln. All das können Sie hier probieren.“