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Fahed Hassoud aus Syrien: „Bukarest bietet mir alles, was ich brauche“

Fahed Hassoud ist ein rumänisch-syrischer Bauingenieur. Er wurde in einer gemischten Familie in Syrien geboren, wuchs die meiste Zeit dort auf und studierte Wirtschaftsinformatik an der Wadi International University in der syrischen Stadt Homs. Anschließend kam er 2012 nach Rumänien, wo er sich an der Technischen Universität für Bauingenieurwesen in Bukarest einschrieb. Dort absolvierte er auch ein Masterstudium in diesem Bereich. Zudem verfügt er über internationale Freiwilligenerfahrung in Vietnam und Italien. Fahed ist auch musikbegeistert und spielt in einer Band. Er lebt heute in Bukarest, auch wenn diese Stadt nicht sein erstes Zuhause war. Dennoch hat er sich entschieden, Rumänien zu seiner Heimat zu machen, und wir haben ihn gebeten, uns seine Geschichte zu erzählen.

Foto: persönliches Archiv des Bauingenieurs
Foto: persönliches Archiv des Bauingenieurs

und , 16.04.2026, 18:00

 

RadioRomaniaInternational · Fahed Hassoud aus Syrien: „Bukarest bietet mir alles, was ich brauche“

 

Zunächst fragten wir Fahed Hassoud, was ihn dazu bewogen hat, aus Syrien nach Rumänien zu kommen.

Es war in erster Linie der Bürgerkrieg in Syrien, der 2012 begonnen hatte, und das war irgendwie der Hauptgrund für meine Übersiedlung. Deswegen bin ich nach Bukarest gezogen. Ich wurde in Syrien geboren, aber meine Großeltern mütterlicherseits lebten in Bukarest, und ich kam im Sommer immer wieder her, etwa alle drei Jahre. Ich erinnere mich noch, dass ich ein Jahr im Kindergarten in Bukarest war und die zweite Klasse an einer syrischen Schule gemacht habe. Danach bin ich nach Syrien zurückgekehrt und blieb dort, bis ich 21 wurde.

Mein erstes Studium habe ich in Syrien begonnen. Ich wollte es auch abschließen, aber 2011 begann der Krieg. Es gab keine Hoffnung mehr, und es wurde zunehmend gefährlich. Meine Familie meinte, wir müssten umziehen. Rumänien und Syrien sind beide ein Teil von mir, also sind wir nach Rumänien gezogen, nach Bukarest, in den Stadtteil Lacul Tei, weil es einfacher war. Die Universität für Bauingenieurswesen war in der Nähe, und ich wurde dort auch aufgenommen. Ich habe vier Jahre studiert, danach den Master gemacht und bin hiergeblieben. Ich hatte verschiedene Freunde und habe versucht, mich so gut wie möglich zu integrieren. Danach habe ich mich entschieden, hier zu arbeiten.

Zwischendurch war ich auch mal weg: Ich bin für vier bis fünf Monate nach Vietnam gezogen und bin dann zurückgekehrt. Später bin ich nach Constanța gezogen, habe dort ein Jahr gelebt und im Hafen gearbeitet. Dann kam ich nach Bukarest zurück und habe weiter im Bauwesen gearbeitet. 2021, als die Pandemie begann, habe ich mich entschieden, in einem Dorf in Norditalien Freiwilligenarbeit zu leisten. Danach bin ich wieder nach Bukarest zurückgekehrt und seitdem für längere Zeit nicht mehr weggegangen. Ich mag Bukarest sehr – es bietet mir alles, vor allem auf sozialer Ebene.“

 

Fahed Hassoud stammt aus einer gemischten Familie. Obwohl er den Großteil seines Lebens in Syrien verbracht hatte, war es ihm wichtig, mit seinem rumänischen Familienteil verbunden zu bleiben. Seine Mutter ist Rumänin, und zu Hause in Syrien wurde Rumänisch gesprochen. Heute allerdings umgekehrt.

Mir ist aufgefallen, dass wir zuhause in Syrien hauptsächlich Rumänisch gesprochen haben, damit wir die Sprache nicht verlernen. Und hier in Rumänien haben wir gemerkt, dass wir zu Hause eher Arabisch sprechen, um uns von der arabisch-syrischen Hälfte unserer Identität nicht zu entfremden. Wir versuchen, beide Teile unserer Identität zu bewahren, das ist sehr wichtig, und ich würde keinen Teil meiner Identität ohne Weiteres ablegen.

Da ich aus beiden Kulturen komme, fühle ich mich in keiner vollständig verwurzelt. Ich habe festgestellt, dass ich beide Kulturen – ihre Gewohnheiten, Werte und Grundprinzipien – objektiv betrachten kann, weil sie nicht vollständig in mir verankert sind.“

 

Was hat Fahed Hassoud als Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Kulturen festgestellt?

Gemeinsam ist beiden Kulturen, dass sie sehr gastfreundlich sind. Die Rumänen sind sehr gastfreundlich, und die Syrer auch. Das ist die offensichtlichste gemeinsame Eigenschaft. Unterschiede gibt es vielleicht religiös – das wäre das Auffälligste. Und das Klima. Das Klima beeinflusst das Verhalten. Die Menschen in Syrien sind vielleicht etwas temperamentvoller, und ich denke, das liegt am Klima.“

 

Fahed Hassoud hat Rumänien sowohl vor als auch nach dem EU-Beitritt erlebt. Wo sieht er Veränderungen?

Ich finde, es gibt eine klare Entwicklung seit dem EU-Beitritt, und das zeigt sich in der Stadterneuerung. In Bukarest sieht man das deutlich: Ältere Gebäude werden saniert, die Gehwege sind sauberer, es gibt keine kaputten Pflastersteine mehr, und es gibt mehr Busse. Aus städtischer Sicht gibt es also mehr Entwicklung. Verbesserungsbedarf besteht jedoch eindeutig im Bereich Korruption. Das ist generell ein Aspekt, an dem hier gearbeitet werden muss – und das geht nur durch Bildung.“

 

Fahed gefällt das Leben in Bukarest sehr. Was schätzt er besonders daran?

Es ist sehr vielfältig. Es gibt viele künstlerische und musikalische Milieus, die leicht zugänglich sind, und es passiert wirklich viel in der Bukarester Szene. Wenn ich ausgehen will – in eine Galerie oder zu einem Konzert –, gibt es eine lebendige kulturelle Dynamik. Das gefällt mir am meisten. Auch visuell gefällt mir die Stadt: diese Kombination aus Gebäuden aus der Zwischenkriegszeit und kommunistischen Bauten. Mir gefällt, wie sich beide Welten verbinden.“

 

Vermisst Fahed Hassoud jedoch etwas aus der alten Heimat Syrien? Reist er noch dorthin?

Nachdem ich Syrien verlassen hatte, habe ich meinem Vater gesagt, dass ich erst zurückkehre, wenn der Krieg vorbei ist und zehn Jahre vergangen sind. Ich würde gerne zurückkehren, aber ich glaube, die Zeit ist noch nicht reif dafür. Jetzt, mit den Veränderungen dort, ist alles etwas unsicher, und ich habe ein wenig Angst. Meine Familie war jedes Jahr in Syrien. Wir haben Verwandte in einem kleinen Dorf, das während des Krieges relativ verschont blieb.

Meine Familie hat schon mehrmals Syrien besucht – ich bisher noch nicht. Und ich vermisse nicht unbedingt etwas Konkretes. Ich vermisse eher das Syrien, das ich damals verlassen habe. Wenn ich jetzt zurückkehrte und alles verändert wäre, möchte ich nicht, dass sich mein Bild davon verändert. Ich behalte lieber die Erinnerung an jenes Syrien aus der Zeit bis 2010. Dieses Syrien gibt es heute nicht mehr. Aber Bukarest bietet mir sehr viel.“

 

Stichwort Bukarest: Sieht sich Fahed Hassoud in fünf bis zehn Jahren noch hier?

Ja, definitiv. Vielleicht in einem kleinen Haus am Waldrand. Aber ich mag Bukarest sehr und sehe mich mein ganzes Leben hier verbringen. Die Sprache ist sehr schön, die Menschen sind gastfreundlich, und ich habe hier viele Freunde.“

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