Kristenzustand auf dem Öl- und Spritmarkt
Die Kraftstoffpreise in Rumänien sind weiter gestiegen. In dieser Woche hat der Durchschnittspreis für einen Liter Diesel die psychologisch wichtige Marke von 10 Lei – umgerechnet rund zwei Euro – erreicht und überschritten. Auch ein Liter Normalbenzin kostet an den Tankstellen inzwischen mehr als 9,15 Lei beziehungsweise über 1,80 Euro. Ursachen sind die geopolitische Lage und Versorgungsprobleme, vor allem wegen der Unsicherheit über die Wiederaufnahme der Ölexporte aus Kasachstan über das Schwarze Meer.
Roxana Vasile, 30.07.2026, 16:20
Vor diesem Hintergrund hat die Abgeordnetenkammer am Mittwoch als entscheidende Parlamentskammer einen Gesetzentwurf verabschiedet. Er sieht vor, die Verbrauchsteuer auf Diesel in solchen Krisenzeiten vorübergehend und stufenweise um fünf bis 25 Prozent zu senken – abhängig von der Entwicklung der Kraftstoffpreise. Die Steuerermäßigung gilt nur während einer Krisenlage und läuft automatisch aus, sobald die Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind.
Der frühere Energieminister Bogten Ivan von der PSD, einer der Initiatoren, erklärte dazu: „ Der Entwurf führt den Krisenzustand im Kraftstoffsektor wieder ein und dient, die Ausfuhren zu begrenzen, die Handelsspanne zu beschränken, die außerordentlichen Gewinne der Mineralölunternehmen in dieser Zeit höher zu besteuern und die Verbrauchsteuer auf Diesel gestaffelt zu senken. Das bedeutet eine Ermäßigung von 0,34 Lei pro Liter Standarddiesel, die je nach den internationalen Notierungen für Rohöl und Diesel auf bis zu 0,82 Lei steigen kann.“
Der Gesetzentwurf wurde von allen Parlamentsfraktionen unterstützt. Kritik kam jedoch von der nationalistischen Opposition. Sie bemängelte, die Maßnahmen kämen zu spät und gingen nicht weit genug. Der Abgeordnete Adrian Țiu von der SOS-Rumänien Partei sagte: „Sie schlagen vor, die Preise für Diesel und Benzin zu senken. Aber warum wird nur Diesel günstiger? Was macht die Bevölkerung mit Benzin? Wir im Süden tanken immerhin in Bulgarien, wo Benzin um zwei Lei billiger ist.“
Rumänien stehe aber nicht mehr nur vor einem Preis-, sondern vor einem echten Versorgungsrisiko, erklärte der amtierende Finanzminister Alexandru Nazare Anfang der Woche. Das Problem auf dem Kraftstoffmarkt sei heute nicht mehr nur der Preis, sondern auch die Verfügbarkeit von ausreichend Kraftstoff. Der europäische Markt leide unter einem Mangel an Diesel und anderen Erdölprodukten. Die Lagerbestände nehmen ab, und der Wettbewerb um die verfügbaren Mengen sei beispiellos, fügte er hinzu.
Zwar deuten die Daten kurzfristig nicht auf einen landesweiten Engpass hin. Mittel- bis langfristig könnte Rumänien jedoch vor einem echten Risiko für seine Versorgungssicherheit mit Erdöl stehen, meinen auch Wirtschaftsexperten, auf die sich rumänische Medien berufen.
In einer Analyse des Nachrichtenportals Hotnews.ro heißt es, dass auf dem Papier Rumänien gegen eine Ölkrise gut gewappnet zu sein scheint. Das Land fördert jährlich rund 2,7 Millionen Tonnen Rohöl, verfügt über zwei große Raffinerien, Zugang zum Schwarzen Meer und Notreserven, die etwa 90 Tage der Nettoimporte abdecken sollten. Tatsächlich werden jedoch rund drei Viertel des rumänischen Rohölbedarfs durch Importe gedeckt und In jüngster Zeit stammten mehr als 60 Prozent dieser Importe aus Kasachstan.