Rückblick auf die Ereignisse der Woche 10.08.–14.08.2026
Stromkrise+++ Inflation +++ Gesetze +++ Sport
Newsroom, 15.08.2026, 16:10
Rumänien ohne Atomstrom
Der zweite Reaktor des Kernkraftwerks Cernavodă im Südosten Rumäniens ist am Donnerstag wegen des anhaltenden und erheblichen Absinkens des Donaupegel heruntergefahren worden. Ende Juli war bereits Block 1 des Kraftwerks abgeschaltet worden, sodass Rumänien derzeit rund 1400 Megawatt fehlen – etwa ein Fünftel der heimischen Stromerzeugung. Je nach Entwicklung der Prognosen für den Pegelstand der Donau werden die Fachleute in Cernavodă über die Wiederanbindung der beiden Reaktoren entscheiden. Die Behörden hatten versucht, den zweiten Reaktorblock weiter in Betrieb zu halten, unter anderem durch die Sprengung eines Felsens und das Versenken von Lastkähnen, um im Bereich des Kraftwerks einen ausreichenden Wasserfluss sicherzustellen. Um das Defizit auszugleichen, will das Energieministerium den 4. Block des Kohlekraftwerks Rovinari aus der Reserve holen und die zusätzlich verfügbare Kapazität des staatlichen Wasserkraftunternehmens Hidroelectrica im Rahmen der technischen Möglichkeiten und der verfügbaren Wasserressourcen nutzen. Immerhin weht der Wind, doch auch so muss Strom importiert werden, um den Verbrauch zu sichern.
Ende Juli war in Rumänien für den gesamten August der landesweite Energiealarm ausgerufen worden. Die Behörden haben die Bevölkerung, öffentliche Einrichtungen und Unternehmen wiederholt zu einem verantwortungsvollen Verbrauch aufgerufen. Rumänien hat die Europäische Kommission und den Verbund der Übertragungsnetzbetreiber für Strom aufgefordert, die verfügbaren Erzeugungskapazitäten, die grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten sowie die Fähigkeit der Stromnetze der Nachbarstaaten zu bewerten, im Falle einer weiteren Verschärfung der Lage in der Region Unterstützung zu leisten.
Inflation geht zurück, aber langsamer
Die Hitzewelle und die vor allem durch die Dürre verschärfte Energiekrise sowie die Kraftstoffpreise haben den Rückgang der Inflation ausgebremst, sagt der Gouverneur der Nationalbank, Mugur Isărescu. Seinen Angaben zufolge werden die geopolitischen Spannungen, die anhaltende Energiekrise und die zunehmende Fragmentierung des Welthandels den Inflationsdruck sogar weiter verstärken. Er kündigte am Donnerstag an, dass die Inflationsprognose für Ende 2026 auf 6,1 Prozent angehoben wurde. 2027 soll sie 3,4 Prozent erreichen. Der Chef der Nationalbank erwartet hingegen keine schnelle Erholung der Wirtschaft und hält die Ausschöpfung der europäischen Fördermittel für entscheidend. Das Handelsdefizit ist zurückgegangen, während Industrie und Exporte weiterhin unter der schwachen Nachfrage auf den europäischen Märkten leiden, stellte die Nationalbank fest. Was die Landeswährung betrifft, so hat der Leu inzwischen einen flexibleren Wechselkurs, während die Eingriffe der Zentralbank am Devisenmarkt laut Mugur Isărescu deutlich geringer ausgefallen sind als im vergangenen Jahr. Eine Senkung des Leitzinses stehe nicht unmittelbar bevor und komme erst infrage, wenn die Inflation unter das derzeitige Zinsniveau fällt. Isărescu hält die jüngsten Entscheidungen der großen Ratingagenturen Fitch und Moody’s, Rumänien weiterhin im Bereich mit empfehlenswertem Investmentrating zu belassen, für richtig.
Gesetze aus dem Wiederaufbauplan in der Warteschleife
Das Verfassungsgericht hat die Beratungen über die Eingaben gegen das neue Integritätsgesetz auf Montag vertagt. Von diesem Rechtsakt hängt die Freigabe von fast 800 Millionen Euro aus dem Wiederaufbau- und Resilienzplan ab. Die Verfassungsrichter sollen über getrennt eingereichten Beschwerden der Liberalen und Reformisrten sowie von Präsident Nicușor Dan entscheiden. Gegenstand der Eingaben sind unter anderem Artikel, die von der sozialdemokratischen beziehungsweise rechtspopulistischen Opposition, eingebracht worden sind. Sie betreffen die rückwirkende Bestrafung von Kommunalpolitikern, die sich in einem Interessenkonflikt befunden haben, sowie die Ausweitung der Pflicht zur Offenlegung von Vermögen und Interessen auf Lebensgefährten. Unterdessen verzögert sich auch die Verabschiedung des einheitlichen Besoldungsgesetzes im öffentlichen Dienst. Davon hängen weitere 800 Millionen Euro aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan ab. Das in dieser Woche vom Präsidialamt organisierte Treffen der maßgeblichen politischen Akteure verlief ergebnislos. Auch die Gewerkschaften im Bildungs- und Gesundheitswesen, die schärfsten Kritiker des Entwurfs, halten die vorgesehenen Gehaltstabellen weiterhin für nicht akzeptabel. Es werde weiterhin nach einer Lösung in letzter Minute für die Verabschiedung der Reform und damit zur Rettung der fast 800 Millionen Euro aus dem PNRR gesucht, erklärte der kommissarische Arbeitsminister Dragoș Pîslaru.
David Popovici holt weiteren Europameistertitel
Schwimmstar David Popovici, Olympiasieger sowie Welt- und Europameister, hat am Mittwoch bei den Europameisterschaften in Paris die Goldmedaille über die Königsdisziplin 100 Meter Freistil mit einem neuen Meisterschaftsrekord von 46,56 Sekunden gewonnen. Popovici, der nach der ersten Bahn noch Zweiter gewesen war, setzte sich vor dem Russen Egor Kornev und dem Ungarn Kristóf Milák durch. Er verbesserte damit den Meisterschaftsrekord von 46,72 Sekunden, den er erst am Dienstag im Halbfinale aufgestellt hatte. Für David Popovici ist es der dritte Europameistertitel über 100 Meter Freistil in Folge, nach den Titeln von 2022 und 2024. Im Fußball hat sich der rumänische Meister Universitatea Craiova aus dem Süden am Donnerstagabend durch einen 2:1-Heimsieg gegen die finnische Mannschaft KuPS Kuopio für die Play-offs der Europa League qualifiziert. Das Hinspiel war 1:1 ausgegangen. Damit hat sich der Meister einen Platz in der Hauptrunde eines europäischen Wettbewerbs gesichert. Universitatea trifft in den Play-offs der Europa League auf Ararat-Armenia.