Industrieproduktion rückläufig
Die rumänische Wirtschaft zeigt Anzeichen von Erschöpfung, was sich auch in der Industrieproduktion widerspiegelt, die den zweitgrößten Rückgang in der Europäischen Union verzeichnete.
Sorin Iordan und Florin Lungu, 18.09.2026, 12:30
Rumäniens Industrieproduktion verzeichnete 2026 nach Bulgarien den zweitgrößten Rückgang in der Europäischen Union, wie das Europäische Statistische Amt berichtet. Im Juli lag die Industrieproduktion in Rumänien 6,3 % niedriger als im Juli 2025, während sie im Land südlich der Donau um 6,8 % sank. Die Eurostat-Daten zeigen für Rumänien jährliche Rückgänge von 1,9 % im Februar, 2,5 % im März, 3,3 % im April, 5,4 % im Mai und 5,5 % im Juni.
Auf Platz zwei folgt Belgien mit einem Rückgang von 5,6 %. Am anderen Ende des Spektrums stehen die Niederlande mit einem Anstieg der Industrieproduktion um 8,2 % innerhalb eines Jahres, gefolgt von Kroatien mit 7 % und Litauen mit 6,5 %. Auch Dänemark, Finnland, Ungarn und Polen verzeichneten Zuwächse von über 4 %. Die deutsche Industrieproduktion ging hingegen um 2,2 % zurück, die französische um 0,7 %. Italien hielt das Niveau von Juli 2025, während Spanien einen Anstieg von 2,4 % verzeichnete. Insgesamt stieg die Industrieproduktion im gesamten europäischen Block um 0,3 %.
Betrachtet man die Situation in Rumänien, so zeigt das Nationale Statistikinstitut, dass die Industrieproduktion in den ersten sieben Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sowohl absolut als auch saisonbereinigt um 3,7 % bzw. 3,8 % zurückging. Laut den Daten wurde dieser Rückgang durch einen Rückgang von 4,8 % im verarbeitenden Gewerbe und 1 % im Rohstoffsektor verursacht. Die Produktion und Versorgung mit Strom, Wärme, Gas, Warmwasser und Klimaanlagen stieg um 2,3 %. Laut dem rumänischen Statistikamt (INS) legte die Industrieproduktion im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat um 0,7 % zu. Dies ist auf Zuwächse im Rohstoffsektor sowie bei der Produktion und Versorgung mit Strom, Wärme, Gas, Warmwasser und Klimaanlagen zurückzuführen.
Der Wirtschaftswissenschaftler Adrian Negrescu ist der Ansicht, dass Rumänien zwar keine technische Rezession erreicht hat, die Wirtschaft aber seit einem Jahr stagniert, was sich auch auf die Industrieproduktion ausgewirkt hat. Er befürchtet, dass die Prognosen für steigende Energiepreise im Herbst die wirtschaftliche Stagnation bis in die zweite Jahreshälfte 2027 verlängern könnten. Die einzige positive Nachricht, so Negrescu weiter, sei die bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit des rumänischen Wirtschaftsumfelds angesichts der unberechenbaren Besteuerung, der hohen Inflation, der rückläufigen Absatzentwicklung und der zunehmenden Finanzblockade.
Infolge dieser Entwicklungen verlor Rumänien im globalen Wettbewerbsfähigkeitsranking 2026, das jährlich vom IMD Center erstellt wird, zwölf Plätze und fiel auf Rang 61 zurück. Polen hingegen konnte sich um elf Plätze verbessern und erreichte Rang 41. Rumänien wurde zudem von Kroatien, der Türkei, Bulgarien sowie von Staaten wie Kenia, Kolumbien und Peru überholt. Kroatien belegt Platz 53, Kenia Platz 55, Bulgarien Platz 56, die Türkei Platz 57, Kolumbien Platz 59 und Peru Platz 60.