Matilde Risso aus Italien: „In Bukarest habe ich mir ein neues Leben aufgebaut“
Matilde Risso stammt aus Genua in Italien. Sie ist Trainerin der Frauen-Wasserballmannschaft von Rapid Bukarest. Daneben arbeitet sie unter anderem im Sekretariat der italienischen Botschaft in Rumänien. Sie hat außerdem ein Projekt für die Ausbildung von sogenannten Personal Trainers und studiert parallel Sportmanagement an der Athenaeum-Universität in Bukarest. Inzwischen ist sie im zweiten Studienjahr.
Hildegard Ignătescu und Sorin Georgescu, 01.10.2026, 17:45
Im Laufe der Jahre hat Matilde Risso verschiedene Tätigkeiten ausgeübt: Sie war Trainerin, Rettungsschwimmerin und Schwimmlehrerin. Sie organisiert Kinderferienlager, trainiert Kinder im Schwimmen und bringt ihnen Italienisch bei. In Italien hat sie ein pädagogisch-psychologisches Gymnasium absolviert. Zeitweise arbeitete sie auch als Kellnerin.
Matilde Risso wurde bereits vor sieben Jahren in Rumänien eingebürgert. Als erstes erzählte sie uns, wie sie nach Rumänien kam:
„Ich bin nach Rumänien gekommen, weil ich seit fast 23 Jahren Leistungssportlerin bin. Wasserball ist mein ganzes Leben. Ich bin aus Italien nach Rumänien gezogen, um bei Rapid als Torhüterin zu spielen. Ich habe mich unter anderem bei Rapid beworben, und dann kam das Angebot. Also habe ich mich entschieden, hierherzukommen. Natürlich hätte ich nie gedacht, dass aus einem Jahr sieben Jahre werden. Aber genau so ist es gekommen. Ich war 24 und wurde einen Monat nach meiner Ankunft hier 25. Dieses Jahr werde ich 31 und ich sehe, wie sehr sich die Dinge hier verändert haben – und auch wie ich mich verändert habe. Ich will damit nicht sagen, dass ich älter geworden bin, denn das stimmt ja nicht ganz. Sagen wir lieber: Ich habe mich weiterentwickelt und verändert. Und natürlich hoffe ich, dass ich in meinen Tätigkeiten immer besser werde.“
In ihrem Lebenslauf eröffnet Matilde Risso, dass sich ihr Leben in Rumänien verändert habe und dass sie sich hier stark weiterentwickeln konnte. Zu ihren Erfolgen bei Rapid Bukarest gehören der rumänische Meistertitel und der zweite Platz im rumänischen Pokal in der Saison 2020/2021. Hinzu kommen mehrere zweite Plätze in der Meisterschaft und für den Pokal. Mit der italienischen Nationalmannschaft gewann sie 2014 die Silbermedaille bei der Europameisterschaft, und 2015 nahm sie an der Weltmeisterschaft in Griechenland teil.
Ihre Geburtsstadt Genua gilt als eine Hochburg des Wasserballs. Dort spielte sie für den Klub Rapallo Pallanuoto und wurde mit dem Team mehrfach italienische Meisterin – 2012, 2013 und 2014. 2016 gewann sie den Titel mit einem anderen italienischen Verein. Sie ist also mehrfache italienische Meisterin. An diese Zeit erinnert sie sich gerne.
„Das waren goldene Jahre, an die ich mich wirklich sehr gerne erinnere. Wenn ich mit meinen ehemaligen Mitspielerinnen darüber spreche, kommen uns auch heute noch die Tränen, weil es so wunderschöne Jahre waren. In Rapallo haben wir mehrere Jugendturniere gewonnen, die in Italien ziemlich stark besetzt sind. Ich habe mit Mädchen gespielt, die bei den letzten Olympischen Spielen in Paris dabei waren. Das waren Spielerinnen der Spitzenklasse. Ich hatte das Glück, dass die Vereinsführung mit uns zufrieden war und uns auch in die erste Mannschaft übernommen hat. Dort habe ich im Team mit jenen Sportlerinnen gespielt, die in Rio die Silbermedaille gewonnen haben. Für mich war das etwas ganz Besonderes.“
Matilde Risso erzählt auch von ihrem Leben in Rumänien und erklärt, warum sie glaubt, dass sie sich seit ihrem Umzug hierher persönlich und beruflich stark weiterentwickelt habe.
„Das überrascht mich selbst immer noch. Ich weiß nicht, ob es genauso gekommen wäre, wenn ich in Italien geblieben wäre. Ich glaube, dass es mir geholfen hat, in ein fremdes Land zu ziehen und dort einen neuen Weg einzuschlagen. Dadurch habe ich die Schwierigkeiten des Lebens irgendwie anders gesehen. Schließlich war ich auf mich allein gestellt. Gleichzeitig hatte ich hier immer Menschen um mich, die mir geholfen haben – Freunde, Freundinnen und andere Menschen, die für mich da waren. Aber trotzdem ist man am Anfang nicht zu Hause. Heute fühle ich mich hier zu Hause, und inzwischen ist es für mich sogar etwas seltsam, nach Italien zu fahren, weil ich die meiste Zeit hier lebe. Aber zumindest am Anfang ist man eben nicht zu Hause. In bestimmten Situationen musste ich mich selbst durchbeißen. Aber ich bin daran gewachsen und habe mich selbst auch besser kennengelernt.
Ich war schon immer ein sehr energiegeladener Mensch. Ich muss ständig irgendetwas machen. So sind auch meine Eltern. Aber gerade hier glaube ich, dass ich meinen Weg gefunden habe.
Ich fühle mich sehr wohl in Rumänien. Am Anfang hatte ich ein bisschen Angst vor Bukarest, weil ich aus einer Stadt komme, die man in einer Stunde komplett gesehen hat – sie ist einfach sehr klein. Bukarest ist eine Hauptstadt. Dort, wo ich herkomme, wird es im Sommer nicht langweilig, weil es eine Stadt am Meer ist und man viel unternehmen kann. Im Winter gibt es dagegen weniger Möglichkeiten. Als ich aus dieser kleinen Stadt hierherkam, habe ich diesen Unterschied schon ziemlich deutlich gespürt.“
Und wie empfindet sie die rumänische Hauptstadt Bukarest heute?
„Mir gefällt es hier sehr gut. Ich fühle mich hier sehr wohl. Mir gefällt, dass ich überall hingehen kann und dass es so viele Dinge gibt, die man unternehmen kann. Ich mag besonders die Parks. Inzwischen kenne ich mich ziemlich gut aus, vor allem in den Gegenden in meiner Nähe. Ich finde es schön, dass man hier für praktisch alles ein Ausbildungsangebot findet. Wenn ich eines Tages einen Malkurs machen möchte, dann finde ich bestimmt einen.
Ich mag auch das Stadtzentrum. Kunst und Architektur haben mich schon immer interessiert, deshalb gehe ich gerne in die Innenstadt spazieren. Und ich finde Bukarest sogar ziemlich ruhig – zumindest zu bestimmten Zeiten. Obwohl ich an einem verkehrsreichen Boulevard wohne, habe ich mich an den Verkehr und sogar an die Autofahrer gewöhnt, die nervig hupen. Insgesamt gefällt mir Bukarest wirklich sehr.“
Gibt es etwas, das sie in Bukarest gerne verändert sehen würde?
„Nein. In meiner Freundesgruppe machen wir zwar Witze über die ständigen Pannen in der Warmwasserversorgung. Wir haben eine Chat-Gruppe, in der wir schreiben: Ich konnte nicht duschen, wir haben kein warmes Wasser. Daher gehe ich ins Schwimmbad oder ins Fitnessstudio… Aber ich weiß, dass daran gearbeitet wird und die Situation verbessert werden soll. Auch an der U-Bahn wird gerade gearbeitet. Also nein, es gibt nichts, was mich besonders stören würde. Ich mag die öffentlichen Verkehrsmittel sogar sehr, weil ich finde, dass sie ziemlich gut funktionieren. Ich weiß, dass sich eingefleischte Bukarester normalerweise darüber beschweren, aber die haben noch nicht gesehen, wie das in Italien ist. Bei uns ist der öffentliche Verkehr viel schwieriger. Für mich ist das hier also eindeutig ein Pluspunkt.“
Vermisst sie etwas aus Italien?
„Ich vermisse meine Eltern. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich glaube sogar, dass sich unsere Beziehung noch verbessert hat, zumindest die zu meinem Vater. Ich weiß, dass er sehr stolz auf mich ist, und das macht mich glücklich.
Abgesehen von meinen Eltern und meinen Freundinnen, die sowieso überall verstreut leben, vermisse ich vor allem das Meer. Wenn mich etwas bedrückte, bin ich immer an einen bestimmten Ort in Genua gegangen, auf eine Bank am Meer. Dort habe ich gesessen, geweint, Selbstgespräche geführt, Musik gehört und mich wieder beruhigt.
Und auch heute gehe ich jedes Mal, wenn ich in Genua bin, an meinen Platz und setze mich hin. Irgendwie habe ich dann das Gefühl, dass sich alles wieder beruhigt. Das ist MEIN Moment. Egal, wann – irgendwie fügt sich dort alles wieder zusammen.“
Und umgekehrt – wenn sie nach Italien fährt: Denkt Matilde Risso dann mit Wehmut an Bukarest oder Rumänien? Vermisst sie etwas von hier?
„Ich halte mich für sehr glücklich, weil ich zwei Orte habe, die ich mein Zuhause nennen kann. Italien ist mein Zuhause, dort bin ich aufgewachsen, dort sind meine Eltern, dort liegen meine Wurzeln. Aber hier entfaltet sich mein gegenwärtiges Leben. Hier habe ich zu mir selbst gefunden. Und ich würde das, was ich hier habe, nicht gegen das eintauschen, was ich dort habe – und umgekehrt auch nicht.
Wenn ich in Italien bin, geht es mir gut. Ich würde gerne vielleicht 15 Tage oder einen Monat dort bleiben. Aber ich glaube nicht, dass ich länger bleiben könnte, weil ich inzwischen hier ein Leben aufgebaut habe. Irgendwann fühle ich einfach, dass ich nach Rumänien zurück muss.“