Ministerpräsident trifft EU-Botschafter: Bolojan nennt Prioritäten
Die wirtschaftliche Lage Rumäniens, die Energieversorgung und die Sicherheitsrisiken im Schwarzmeerraum standen im Mittelpunkt eines Treffens zwischen dem geschäftsführenden Ministerpräsidenten Ilie Bolojan und den Botschaftern der EU-Staaten in Bukarest. Dabei ging es auch um Haushaltsreformen, die Zusammenarbeit mit Bulgarien und der Türkei sowie um hybride Bedrohungen und Desinformation.
Corina Cristea und Alex Sterescu, 15.10.2026, 14:22
Rumäniens Zugehörigkeit zur Europäischen Union sei eine der wichtigsten Errungenschaften der vergangenen 35 Jahre. Das sagte der geschäftsführende Ministerpräsident Ilie Bolojan bei einem Treffen mit den EU-Botschaftern am Mittwoch in Bukarest. Die Mitgliedschaft in der europäischen Familie sei ein großer Gewinn für Rumänien. Er sei zuversichtlich, dass dieser Kurs beibehalten werde.
Bei dem Gespräch ging es um die Stabilisierung der öffentlichen Finanzen, die Energiesicherheit und eine engere Zusammenarbeit angesichts der Bedrohungen im Schwarzmeerraum. Bolojan stellte die Maßnahmen der Regierung vor, mit denen der Staatshaushalt ausgeglichen und strukturelle Schwächen der Wirtschaft behoben werden sollen. Ziel sei es, die rumänische Wirtschaft zu stärken und das Vertrauen der Unternehmen zu erhöhen.
Der geschäftsführende Regierungschef betonte, dass die Reformen trotz der schwierigen internationalen Lage fortgesetzt werden müssten. Zugleich hob er die Bedeutung einer sicheren Energieversorgung und bezahlbarer Preise für die Bevölkerung hervor. Denn die Versorgungssicherheit und die Energiekosten wirken sich sowohl auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft als auch auf den Lebensstandard aus. Die Regierung steht dabei vor der Aufgabe, die notwendigen Maßnahmen zum Abbau der Haushaltsungleichgewichte mit dem Schutz der Bevölkerung vor den wirtschaftlichen Folgen dieser Anpassungen in Einklang zu bringen.
Ein weiteres Thema war die Sicherheitslage im Schwarzmeerraum. Nach Einschätzung der Regierung in Bukarest verschlechtert sie sich zunehmend. Rumänien sei bereit, eng mit Bulgarien und der Türkei zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit der Schifffahrt in der Region zu gewährleisten. Das erklärte Bolojan laut einer Mitteilung der Regierung. Dabei verwies er auch auf die jüngsten Angriffe auf Handelsschiffe in den ausschließlichen Wirtschaftszonen Bulgariens und Rumäniens. Die Sicherheit des Seeverkehrs betrifft allerdings nicht nur militärische Fragen. Die Handelsrouten im Schwarzen Meer sind für den regionalen Warenaustausch von großer Bedeutung. Zwischenfälle können die Risiken für Reedereien und Lieferketten erhöhen und sich auch auf die wirtschaftliche Stabilität auswirken.
Bei dem Treffen sprachen die Teilnehmer außerdem über hybride Operationen und Desinformationskampagnen. Auch sie gehören zu den Herausforderungen für die europäischen Staaten. Um darauf zu reagieren, sind ein enger Informationsaustausch, eine koordinierte Arbeit der Behörden und die Zusammenarbeit der Partner erforderlich.
Zum Abschluss dankte Bolojan den EU-Botschaftern und dem Vertreter der Europäischen Kommission für die Zusammenarbeit und die kontinuierliche Unterstützung der rumänischen Regierung. Außerdem gratulierte er der irischen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union zu ihrer bisherigen Arbeit und wünschte ihr für die Fortsetzung ihres Mandats Erfolg. Die EU steht derzeit vor zahlreichen Herausforderungen. Abschließend bedankte sich der geschäftsführende Ministerpräsident bei den verbündeten Staaten für ihre militärische Präsenz in Rumänien. Sie trage dazu bei, die Ostflanke der NATO und die Sicherheit im Schwarzmeerraum zu stärken.