Die wirtschaftlichen Folgen der politischen Krise in Rumänien werden immer deutlicher. Der Leu verlor zum Ende der vergangenen Woche erneut an Wert und näherte sich der Marke von 5,25 Lei für einen Euro. Für die Finanzmärkte ist dies ein Zeichen wachsender Unsicherheit angesichts der anhaltenden politischen Spannungen und der verlängerten Konsultationen zur Ernennung eines neuen Ministerpräsidenten.
Die rumänische Wirtschaft ist offiziell in eine technische Rezession geraten. Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes ist das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge geschrumpft. Gleichzeitig bleibt die Inflation auf einem sehr hohen Niveau und belastet Verbraucher wie Unternehmen gleichermaßen.
Die Bukarester Wertbörse (BVB) hat trotz der politischen Krise in Bukarest und der internationalen Verwerfungen kürzlich ein neues Allzeithoch erreicht. Experten deuten dies als zunehmende Reife des rumänischen Kapitalmarkts.
BNR-Sprecher Dan Suciu: Politik muss Antworten liefern, um Märkte zu beruhigen
Rumänien hat in Washington Finanzmittel in Höhe von 3,5 Milliarden US-Dollar für strategische Projekte in der Energie- und Erdgasförderung und im Transportwesen ausgehandelt.
Obwohl es der Regierung in Bukarest gelungen ist, das Haushaltsdefizit – nach wie vor das größte in der Europäischen Union – auch durch unpopuläre Maßnahmen zu reduzieren, sind ihre Möglichkeiten zur Inflationsbekämpfung weiterhin begrenzt. Steigende Energiepreise beeinflussen die jährliche Inflationsrate.
Die rumänische Wirtschaft hat mit internen und externen Herausforderungen zu kämpfen. Die sogenannten Zwillingsdefizite bereiten den Entscheidungsträgern in Bukarest erhebliche Probleme. Um die seit Jahren anhaltende Schieflage zu korrigieren, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die in der Bevölkerung wenig Zustimmung finden.
Das Konzept eines Europas der zwei Geschwindigkeiten ist keineswegs neu und zählt zu den umstrittenen Zukunftsvisionen der Europäischen Union. Die Realität zeigt, dass sich die Mitgliedstaaten nicht im gleichen Tempo entwickeln.
Der liberale Ministerpräsident Ilie Bolojan hat ein umfangreiches Paket wirtschaftspolitischer Maßnahmen angekündigt. Zugleich rudert die Regierung bei den erhöhten Steuern und Abgaben teilweise zurück.
Die Regierung in Bukarest hat am Dienstag neue Steuervorschruiften erlassen, die ab dem kommenden Jahr finanz- und haushaltspolitische Maßnahmen korrigieren, streichen oder neu einführen und die Grundlage für den Staatshaushalt 2026 bilden. Vorgesehen sind Ausgabenkürzungen, Schritte zur wirtschaftlichen Belebung, Anreize für private Investitionen, Unterstützung für benachteiligte Menschen sowie Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung
In Rumänien übersteigt der Konsum der Bevölkerung die Einkommen – heißt es in einem Bericht der Nationalbank Rumäniens (BNR). Anders gesagt – viele Menschen leben über ihre Verhältnisse oder auf Pump.