Animest: Das Animationsfilmfestival blickt auf 21 Jahre Geschichte zurück
Das Internationale Animationsfilmfestival Animest ist in Bukarest zu Ende gegangen. Es fand in diesem Jahr zum 21. Mal statt. Unter dem Motto „NATUR“ widmete sich das Festival der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, aber auch der menschlichen Natur. Gleichzeitig entwickelt sich der rumänische Animationsfilm weiter und wird vielfältiger – in seinen Stimmen, Themen und Techniken. Wie sich das Festival, sein Publikum und die Animation in mehr als zwei Jahrzehnten verändert haben, erzählen Laura Stamatescu und Ligia Soare vom Animest-Team.
Corina Sabău und Alex Sterescu, 17.10.2026, 22:00
In mehr als zwei Jahrzehnten ist Animest gemeinsam mit seinem Publikum gewachsen. Einige Besucher der ersten Ausgaben kommen heute mit ihren Kindern zum Festival. Gleichzeitig entdecken neue Generationen den Animationsfilm – und erkennen, dass er weit mehr ist als Unterhaltung für Kinder.
Ligia Soare ist seit der ersten Ausgabe im Jahr 2006 dabei. Sie kümmert sich um internationale Beziehungen und ist für die Filmauswahl zuständig. Wie sich das Publikum über die Jahre verändert hat, erlebt sie unmittelbar.
„Wenn ich an das Publikum denke, ist es sehr schön, ein Festival mit so vielen Ausgaben zu organisieren. Denn man sieht, wie das Publikum gemeinsam mit dem Festival wächst. Diejenigen, die anfangs freiwillig mitgearbeitet haben oder als Kinder zu Animest kamen, kehren heute mit ihren eigenen Kindern zurück.
Wir haben auch Besucher, die eigens für das Festival aus anderen Städten nach Bukarest kommen, und sehr viele Studierende. Als wir den Zeitraum für Animest festgelegt haben, wollten wir, dass die Studierenden bereits in Bukarest sind. Und tatsächlich machen sie einen wichtigen Teil unseres Publikums aus.“
Mit dem Publikum hat sich auch das Programm verändert. Das Festival dauerte zehn Tage und umfasste zwei Wochenenden. Es bot Filme und Veranstaltungen für unterschiedliche Altersgruppen – von speziellen Kinderprogrammen bis hin zu Vorführungen ausschließlich für Erwachsene.
Das übergreifende Thema lautete in diesem Jahr „NATUR“. Dabei geht es nicht nur um Umwelt, Ökologie oder Klimawandel. Die Veranstalter richteten den Blick auch auf die menschliche Natur und darauf, wie Animationsfilme unser Innenleben, unsere Gefühle, Ängste und Verletzlichkeit darstellen.
Laura Ducu Stamatescu ist für die Kommunikation beim Festival zuständig. Sie erklärt, warum die menschliche Natur in diesem Jahr eine besondere Rolle spielt.
„Wenn wir von Natur sprechen, meinen wir natürlich die Umwelt, aber auch die menschliche Natur. In den vergangenen Jahren und vielleicht in diesem Jahr mehr denn je haben wir beobachtet, dass sich immer mehr Filmschaffende mit unserer Innenwelt, unserer Psyche und unseren inneren Mechanismen beschäftigen. Die menschliche Natur ist damit zu einem immer wichtigeren Thema im Animationsfilm geworden.“
Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch bei der Organisation des Festivals eine Rolle. Animest beteiligt sich an einer europäischen Initiative, mit der Festivals ihren Ressourcenverbrauch erfassen und ihre Umweltbelastung verringern wollen. Das betrifft zum Beispiel die Anreise der Gäste, aber auch die Materialien und Ressourcen, die während der Veranstaltungen verwendet werden.
Eine der sichtbarsten Veränderungen in den 21 Jahren Festivalgeschichte zeigt sich jedoch in der Entwicklung des rumänischen Animationsfilms. Bei den ersten Ausgaben gab es nur wenige rumänische Produktionen. Oft übernahm eine einzelne Person gleich mehrere Aufgaben: Regie, Drehbuch, Animation und weitere Arbeitsschritte. Heute entstehen viele Filme in größeren Teams. Es gibt internationale Koproduktionen, und neben Studierenden und erfahrenen Profis finden auch Künstler aus anderen Bereichen ihren Weg zum Animationsfilm. In diesem Jahr stehen zehn Kurzfilme im rumänischen Wettbewerb. Alle werden erstmals in Rumänien gezeigt. Die Vielfalt der Arbeiten macht es schwierig, einen einheitlichen Stil des rumänischen Animationsfilms zu definieren.
Ligia Soare sieht genau darin eine Stärke der Szene.
„Ich weiß nicht, ob es einen Stempel gibt, den man auf etwas drücken und sagen kann: Das ist rumänische Animation. Und ich glaube, das ist gut so, denn es zeigt die Vielfalt der Themen, Techniken und Erfahrungen. Im nationalen Kurzfilmwettbewerb begegnen uns nicht immer dieselben Autoren. Natürlich gibt es Filmschaffende, die wiederkommen, vielleicht jedes Jahr oder alle zwei bis drei Jahre. Denn einen Animationsfilm zu machen, braucht Zeit, ist teuer und erfordert oft ein großes Team.“
Die Entwicklung des rumänischen Animationsfilms hat auch eine internationale Dimension. Seit 2017 gehört Animest zu den Festivals, deren Auszeichnungen für die Qualifikation zu den Oscars relevant sein können. Für rumänische Animationsfilme ist das eine wichtige Möglichkeit, international mehr Aufmerksamkeit zu bekommen – gerade für Produktionen, denen die Budgets und Vertriebswege großer Filme fehlen.
Die Geschichte von Animest zeigt damit auch, wie sehr sich die Animationsszene in Rumänien verändert hat: Das Publikum ist gewachsen, die Zahl und Vielfalt der Filmschaffenden haben zugenommen, und rumänische Produktionen erhalten heute international mehr Sichtbarkeit als zu Beginn des Festivals.