Umfrage: 77 Prozent der Rumänen sehen ihr Land auf dem falschen Weg
Unzufriedenheit, steigende Lebenshaltungskosten und Sorgen um die Zukunft prägen derzeit die Stimmung in Rumänien. Eine neue Umfrage zeigt: Mehr als drei Viertel der Bevölkerung sind der Ansicht, dass sich das Land in die falsche Richtung entwickelt. Von der Regierung erwarten die Menschen vor allem niedrigere Preise, höhere Einkommen und eine geringere Steuerbelastung. Gleichzeitig wächst der Druck von Arbeitgebern und Gewerkschaften.
Bogdan Matei und Alex Sterescu, 30.10.2026, 15:00
77 Prozent der Rumänen sind der Meinung, dass sich ihr Land in die falsche Richtung entwickelt. Nur 18 Prozent sehen die Entwicklung positiv, fünf Prozent haben keine Meinung. Das geht aus einer neuen Umfrage des Zentrums für Stadt- und Regionalsoziologie CURS hervor. Die Erhebung entstand im Zusammenhang mit dem Amtsantritt der neuen, von der PSD dominierten Regierung unter dem Diplomaten Luca Niculescu.
Was erwarten die Menschen von der Regierung? An erster Stelle steht die Senkung der Preise und der Lebenshaltungskosten. Das wünschen sich 41 Prozent der Befragten. Fast genauso viele, nämlich 39 Prozent, fordern höhere Löhne und Renten. 27 Prozent sprechen sich für niedrigere Steuern und Abgaben aus.
Auch die Staatsfinanzen spielen eine wichtige Rolle: 23 Prozent wünschen sich einen geringeren Haushaltsfehlbetrag und weniger Staatsausgaben. 22 Prozent nennen eine Reform der öffentlichen Verwaltung. Eine bessere Gesundheitsversorgung und ein besseres Bildungssystem stehen für 21 Prozent im Vordergrund. Mehr Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung werden von 13 Prozent als Priorität genannt.
Die Umfrage erfasst auch die politische Stimmung. Bei der Wahlabsicht liegt die nationalistische Oppositionspartei AUR mit 34 Prozent an erster Stelle. Die Sozialdemokraten, die PSD, kommen auf 26 Prozent. Die Liberalen von der PNL, die inzwischen ebenfalls in der Opposition sind, erreichen 16 Prozent. Die USR liegt bei acht Prozent. Alle übrigen Parteien kommen auf höchstens fünf Prozent und damit auf die Schwelle, die für den Einzug ins Parlament erforderlich ist.
Die Befragung wurde vom 22. bis zum 27. Oktober unter mehr als tausend Personen ab 18 Jahren durchgeführt. Die Stichprobe ist repräsentativ für die erwachsene Wohnbevölkerung Rumäniens. Die maximale Fehlermarge liegt bei plus/minus drei Prozentpunkten, bei einem Vertrauensniveau von 95 Prozent. Frustration, Nervosität und Angst seien derzeit die vorherrschenden Gefühle in der rumänischen Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommen nicht nur Umfragen, sondern auch zahlreiche Medienanalysen und Kommentare. Der Unmut wird zunehmend auch öffentlich artikuliert. Vertreter der Arbeitgeberverbände haben Ministerpräsident Niculescu zu Wochenbeginn aufgefordert, die Steuerlast für Unternehmen zu senken. Weitere Erhöhungen von Steuern und Abgaben dürfe es nicht geben.
Auch die Gewerkschaften verlangen mehr Gehör. Der Nationale Gewerkschaftsbund BNS fordert den Regierungschef auf, sich mit den Arbeitnehmervertretern zu treffen. Niculescu hatte zuvor bereits Gespräche mit Vertretern der Wirtschaft geführt. Nach Ansicht des BNS werden die Interessen von rund fünf Millionen Beschäftigten in Rumänien bislang nicht ausreichend berücksichtigt. Die Gewerkschaften fordern einen ausgewogenen sozialen Dialog. Dabei müssten vor allem Löhne, Kaufkraft und Arbeitsbedingungen zur Sprache kommen. Wirtschaftsreformen dürften nicht ohne die Beteiligung der Arbeitnehmervertreter beschlossen werden. Nun müsse die Regierung durch konkrete Schritte zeigen, dass ihr der soziale Dialog wichtig sei.
Noch deutlicher werden die Beschäftigten der Bukarester U-Bahn. Sie verlangen höhere Löhne und drohen mit einem Streik. Ein solcher Ausstand könnte den Verkehr in der Hauptstadt weitgehend lahmlegen, denn viele Menschen sind auf die Metro angewiesen. Und die U-Bahn könnte nur der Anfang sein. Im Rumänien der Nachwendezeit ist der Herbst traditionell die Jahreszeit großer Gewerkschaftsproteste.