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Vor Cannes-Finale: Gespräch mit der Regisseurin Georgiana Moldoveanu

Am Samstag geht die 71. Ausgabe des Filmfestivals in Cannes zu Ende. Der Kurzfilm Blau und Rot in gleichem Verhältnis“ ist in diesem Jahr der einzige rumänische Film, der für eine Wettbewerbssektion des Festivals von Cannes ausgewählt wurde.

Vor Cannes-Finale: Gespräch mit der Regisseurin Georgiana Moldoveanu
Vor Cannes-Finale: Gespräch mit der Regisseurin Georgiana Moldoveanu

, 19.05.2018, 17:45

In der Regie von Georgiana Moldoveanu und produziert von der Nationalen Universität für Theater- und Filmkunst I.L. Caragiale“ in Bukarest, wurde der Kurzfilm Blau und Rot in gleichem Verhältnis“ für die Sektion Cinéfondation des Festivals von Cannes ausgewählt. Das ist die Kategorie, die ausschlie‎ßlich jungen Talenten des Kinos gewidmet ist.



In diesem Jahr entschieden sich die Organisatoren für 17 ausgewählte Filme aus über 2.400 Vorschlägen, die von Filmschulen weltweit eingereicht wurden. Vierzehn Länder von vier Kontinenten werden dabei vertreten sein, und 12 der 22 in der Sektion ausgewählten Regisseure sind Frauen. Georgiana Moldoveanu ist Absolventin der Staatlichen Universität für Theater und Filmkunst I.L. Caragiale“ und wurde bereits mit dem Film Windows“ in der rumänischen Filmlandschaft bekannt, der auf dem CineMAiubit-Festival ausgezeichnet wurde.


Wir haben mit Georgiana Moldoveanu über die Leidenschaft für den Film gesprochen, darüber, wie man eine Geschichte für das Kino dreht und über ihren neuen Kurzfilm, der seine Premiere auf dem Filmfestival in Cannes feierte.



Ich bin mit Hörspielen und Märchen auf Schallplatten aufgewachsen. In jenen Zeiten, in denen man sich keine Fragen gestellt hat, war ich sehr daran interessiert, die Stimme des Geschichtenerzählers zu sein, eine Stimme, die du nicht siehst, die dich aber durch die Geschichte führt. Und ich will das immer noch, also werde ich mich weiterhin trauen, Geschichten zu erzählen. Und wenn ich »trauen« sage, beziehe ich mich einschlie‎ßlich auf den finanziellen Aspekt. Ein wichtiger Aspekt im Falle eines Films, den man als Regisseur berücksichtigen muss. Um auf den Kurzfilm »Blau und Rot« zurückzukommen — der Begriff Geschichte ist hier sehr passend. Ich meine, bei »Blau und Rot in gleichem Verhältnis« gibt es Hinweise darauf, klare Elemente, die Sie in einer Geschichte gleich von der ersten Sequenz an wiederfinden. Ich war auch daran interessiert, einen Film zu drehen, der mit einer Geschichte in Verbindung gebracht werden kann, und hier beziehe ich mich besonders auf die Tatsache, dass die Figuren in meiner Geschichte sich in einer Konfrontation befinden und einige von ihnen als negativ eingestuft werden können. Aber bis zum Ende ändern sich die Dinge, doch das Ende meines Films bleibt offen. Aber ich glaube, das Gute triumphiert letztendlich, und dieses positive Ende geschieht auch mit dem Beitrag des Zuschauers.“




Blau und Rot in gleichem Verhältnis“ erzählt die Geschichte Anas, die ihre einjährige Beziehung mit Ştefan feiert. Eine etwas andere Beziehung, der etwas andere Jahrestag und ein ungewöhnliches Geschenk. Ana stimmt zu, Leihmutter des Kindes zu sein, das Ştefan und seine Frau nicht haben können. Zu spät erkennt Ştefan, dass er eigentlich etwas anderes will. Eine aus der Realität inspirierte Geschichte, die Georgiana Moldoveanu für den Film ausgewählt hat.



Ich werde kurz von einem Moment erzählen, den ich mit einer Freundin zusammen erlebte. Eine Freundin, die jahrelang alles versucht hat, um ein Baby zu bekommen, von der einfachsten ärztlichen Untersuchung bis zum Gentest. Und zusammen erlebten wir diesen sehr bedeutsamen Moment, der sich für mich mit der Zeit noch stärker eingeprägt hat. Meine Freundin sollte ins Krankenhaus kommen, das ihre Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung durchführte. Es war spät in der Nacht, die Stadt war ziemlich leer, und wir blieben für ein paar Sekunden an einer Kreuzung stehen, ein paar Sekunden, die mir unendlich lang vorkamen. Wir befanden uns in einer Stra‎ße in der Nähe des Krankenhauses, und obwohl meine Freundin schon oft dort gewesen war, fand sie den richtigen Weg nicht mehr. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie in dem Augenblick viel gesagt hätte, aber ich erhaschte ihren Blick, so wie ich ihn nie gesehen hatte. Ein Blick, in dem sich alles sammelt, was man fühlt. Und das passierte, weil der Termin für die Prozedur gekommen war, und wir waren immer noch inmitten dieser Kreuzung, nicht wissend, wohin wir gehen sollten.“




Die Nominierung für die Festspiele in Cannes sei eine Überraschung für sie gewesen, sagt Georgiana Moldoveanu.



Ich habe das nicht erwartet und es hat mich sehr gefreut, natürlich freut einen eine Nominierung, und vor allem eine in Cannes, man genie‎ßt das sehr. Aber ein Regisseur macht keinen Film, um nominiert zu werden. Es ist ein etwas egoistisches Unterfangen, vor allem denkst du an die Geschichte, die du erzählst, du lebst nicht im Gedanken an die Festivals. Das ist, was man sich als erstes vornimmt, den Zuschauer zu erreichen und so nah wie möglich an die eigenen Wünsche zu kommen.“




Miruna Blidariu, Bogdan Albulescu, Florentina Ţilea und Mihaela Popa sind die Schauspieler, die im Kurzfilm Blau und Rot in gleichem Verhältnis“ zu sehen sind. Produzenten sind Alexandra Morariu Buzoianu und Adrian Bulgariu.

Foto: facebook.com/ioanamischie
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