Umwelterziehung durch visuelle Kunst
Ein außergewöhnliches Projekt hat im Herzen des UNESCO-Geoparks Hatzeger Land (dt. Wallenthal), am Fuße des Retezat-Gebirges, Gestalt angenommen. Das Werk von Jules Verne verbindet sich mit Umweltbildung auf einem neuen Themenweg, der in der Gemeinde Râu de Mori, im Dorf Suseni, eröffnet wurde. „Der Märchenpfad bei der Burg Colț“ bietet den Besuchern eine nationale Premiere: die Entdeckung des natürlichen und historischen Erbes anhand von Comics – ein Versuch, junge Menschen der Natur und dem Lesen wieder näherzubringen.
Daniel Onea und Sorin Georgescu, 28.11.2025, 17:30
In einer Welt, in der Technologie die Aufmerksamkeit der neuen Generationen beansprucht, haben die lokalen Behörden und Umweltorganisationen im Kreis Hunedoara eine kreative Lösung gefunden, um das Publikum wieder in die Natur zu führen. Am 12. November 2025 wurde im Dorf Suseni offiziell ein Weg eingeweiht, der die klassische Wanderung in ein umfassendes visuelles und pädagogisches Erlebnis verwandelt. Es handelt sich um den ersten Themenweg in Rumänien, der durch Comics vermittelt wird und von Jules Vernes berühmtem Roman Das Karpatenschloss inspiriert ist. Die Wahl ist kein Zufall, denn die Region gilt als Inspirationsquelle des französischen Schriftstellers für die geheimnisvolle Festung im Buch.
Der neue Weg ist nicht nur ein Pfad für einfache Spaziergänge durch den Wald, sondern auch ein komplexes Werkzeug der ökologischen Bildung. Das Projekt, finanziert durch das Programm „Grüne Räume – Geschützte Naturgebiete”, legt besonderen Wert auf das Bewusstsein für die Umwelt. Auf dem einen Kilometer langen Pfad begegnen die Besucher Informationstafeln über die Biodiversität und Geodiversität der Region. Dodo Niță, Comic-Kritiker und Präsident des Vereins der Comic-Liebhaber in Rumänien, war bei der Einweihung anwesend und hob den pädagogischen Wert des Projekts hervor, der weit über den touristischen Aspekt hinausgeht.
„Ich habe in Frankreich und Belgien vor allem literarische Themenwege erlebt. Zum Beispiel »Auf den Spuren von Tartarin in Tarascon« oder Comic-Wege auf den Spuren von Tim und Struppi in Brüssel und in ganz Belgien. Aber das hier ist eine Premiere in Rumänien, und ich freue mich sehr, dass ich teilnehmen konnte. Zum ersten Mal haben wir einen solchen Themenweg. Besonders gut gefällt mir, dass er von Anfang an nicht nur spielerisch, sondern auch pädagogisch gedacht ist. Die Kinder kommen, um Das Karpatenschloss zu entdecken, aber dabei erfahren sie auch etwas über Flora und Fauna der Region, über die Burg selbst und ihre Geschichte. Das finde ich wirklich außergewöhnlich.“
Die visuellen Elemente für die Tafeln entlang des Weges stammen von Șerban Andreescu, einem bekannten Autor und Illustrator. Seine Aufgabe war es, die Handlung des Romans zu verdichten und harmonisch in die Waldlandschaft bei Râu de Mori einzubetten. Illustrator Șerban Andreescu erklärte, dass der Prozess eine Herausforderung war, da er Schlüsselmomente aus einem handlungsreichen Buch auswählen musste.
„Zuerst musste ich das ganze Buch durchleuchten. Nur so konnte ich bestimmte wichtigere Passagen auswählen, um eine Art Zusammenfassung zu erstellen, die dann auf Tafeln entlang des Weges angebracht wurde. Ich habe einige der bedeutenderen Momente ausgewählt, war aber durch die Anzahl der Tafeln eingeschränkt. Im Buch ist praktisch jede Seite interessant, da der Roman voller Handlung ist – die Auswahl war also schwierig. Aber ich habe versucht, meine eigene Version einer Zusammenfassung zu machen. Als ich vor Ort ankam, hatte ich bereits eine Vorstellung davon, wie alles aussehen würde. Und zu meiner Überraschung sah es am Ende genau so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte.“
Über seinen kulturellen Wert hinaus hat das Projekt auch eine wichtige Bedeutung für die nachhaltige Entwicklung der Region. Flaviu Dilertea, der Bürgermeister der Gemeinde Râu de Mori, sieht in diesem Weg einen Impuls für die Wiederbelebung des lokalen Tourismus und den Schutz des historischen Erbes der Burg Colț. Er betonte, dass dies nur der Anfang sei, um den Wert der Gegend sichtbar zu machen.
„Wir wollen das, was wir haben, zur Geltung bringen, denn leider besitzen wir so viele schöne Dinge, wissen aber nicht, sie zu nutzen. Dieses Projekt ist der erste Schritt für das Karpatenschloss, für die Burg Colț, damit sie auf die Liste der gut besuchten, bei Touristen beliebten Sehenswürdigkeiten kommt.“
Die Hauptnutznießer des pädagogischen Aspekts des Projekts sind junge Menschen. Die Schüler, die an der Eröffnung teilnahmen, zeigten sich begeistert von der Art und Weise, wie die Informationen präsentiert werden: visuell, schnell und in die Natur eingebettet – im Gegensatz zu klassischen Unterrichtsmethoden oder rein textlichen Informationstafeln, die oft ignoriert werden. Gabriel Tonca, einer der Schüler, die den Weg durchlaufen haben, hob die Zugänglichkeit des Formats hervor.
„Die Idee von Comics im Wald finde ich sehr interessant, weil man eine Geschichte entdecken kann, ohne so viel darüber lesen zu müssen, und weil die Bilder viel ansprechender sind.“
Auch die Schülerin Denisa Păta zog einen Vergleich zum früheren Zustand des Weges und betonte die Verbesserung der Besuchserfahrung.
„Ich war schon früher auf diesem Weg, aber damals gab es keine Tafeln oder Comics. Jetzt finde ich es viel interessanter, und die Comics sind sehr leicht zu lesen, genauso wie die Tafeln.“
Die Organisatoren beließen es nicht bei statischen Tafeln. Der Weg enthält auch eine interaktive digitale Komponente. Am Ende der Wanderung sind die Besucher eingeladen, mittels QR-Codes zwei lokale Legenden im Audioformat sowie ein Arbeitsblatt mit pädagogischen Aktivitäten zu entdecken. Dieser hybride Ansatz verwandelt die einfache Wanderung in ein aktives Lernerlebnis. Zudem sind die meisten Informationen zweisprachig, auf Rumänisch und Englisch, verfügbar – ein wesentlicher Aspekt für einen UNESCO-Standort. Im Pavillon am Eingang des Weges können Besucher außerdem Feedback hinterlassen und so zur zukünftigen Weiterentwicklung des Projekts beitragen.
Der UNESCO Global Geopark Țara Hațegului, verwaltet von der Universität Bukarest, setzt damit seine Reihe von Initiativen fort, die den Schutz natürlicher Werte mit der Förderung lokaler kultureller Identität verbinden. Durch den „Märchenpfad“ wird Jules Vernes Legende zu einem Mittel der Umwelterziehung und zeigt, dass Respekt für Natur und Kultur auf demselben Bergpfad Hand in Hand gehen können.