Schlösser in Rumänien: lebendige Zeugnisse vergangener Epochen
Heute entdecken wir einige der eindrucksvollsten mittelalterlichen Schlösser Rumäniens – Bauwerke, die weit mehr sind als bloße Steinmauern, sondern lebendige Zeugnisse vergangener Epochen.
Daniel Onea und Sorin Georgescu, 21.12.2025, 17:30
Unsere Reise beginnt im Süden des Landes, im Prahova-Tal, wo wir die Königliche Domäne Peleș besuchen, die ein architektonisches Juwel von unschätzbarem Wert beherbergt. Das Schloss Peleș, erbaut im Stil der deutschen Neorenaissance, diente König Karl I. als Sommerresidenz. Ein Rundgang durch Peleș beschränkt sich längst nicht nur auf die prunkvollen Salons, sondern führt auch in Bereiche, die dem Publikum jahrzehntelang verschlossen waren. Details zur heutigen Besucherroute erläutert Paul Popa, Leiter des Nationalen Zentrums für Tourismusförderung in Sinaia:
„Ein geschichtsbegeisterter Besucher kann das Schloss vom Erdgeschoss bis hinauf in den Dachboden erkunden. Dieser war aus verschiedenen Gründen 47 Jahre lang geschlossen und ist erst seit Kurzem wieder zugänglich. Hier erwarten den Gast einzigartige und äußerst bedeutende Exponate sowie ein Bereich, der sich deutlich vom restlichen Schloss unterscheidet, intimer wirkt und einst den Hofdamen der Königinnen vorbehalten war. Auch König Michael verbrachte hier einen Teil seiner Kindheit; dort gab es einen speziellen Raum für Zeichenunterricht, hier wurde er von Mitgliedern der königlichen Familie und ihren engen Vertrauten unterrichtet.“
Auf demselben Gelände können Besucher auch das Schloss Pelișor bewundern – kleiner in seinen Dimensionen, aber von ganz besonderem Reiz. Es war die Residenz des Kronprinzen Ferdinand und seiner Gemahlin Maria. Pelișor markiert einen überraschenden stilistischen Übergang und ist ein eindrucksvoller Ausdruck der künstlerischen Vision der Königin Maria, die das Innere in ein wahres Art-Nouveau-Kunstwerk verwandelte.
„Obwohl das Schloss von außen dem Peleș ähnelt, eröffnet sich im Inneren eine völlig andere Welt. Pelișor ist das einzige vollständig im Jugendstil gestaltete Schloss Rumäniens. Hier befindet sich auch das Herz Königin Marias – ganz nach ihrem Wunsch, nahe bei dem Volk zu bleiben, das sie so sehr liebte. Es ruht im Goldenen Salon, ihrem Lieblingsraum, den sie selbst entworfen hat, bedeckt von den Flaggen Rumäniens und Großbritanniens – letztere erinnert an ihre britischen Wurzeln. Ein Besuch in Schloss Pelișor erweitert den Horizont des Besuchers erneut – eine stilistische Reise von der deutschen Renaissance bis zum Jugendstil, durch zahlreiche Epochen und Ausdrucksformen, die gleichermaßen faszinieren.“
Unsere Reise führt weiter ins Zentrum Rumäniens. Hier zählt Schloss Bran (auf deutsch auch als Törzburg bekannt) zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten des Landes. Oft fälschlicherweise mit dem Dracula-Mythos in Verbindung gebracht, verfügt es in Wirklichkeit über eine reiche und vielschichtige Geschichte, die mit dem Deutschen Orden, mit Fürsten und später mit Königin Maria von Rumänien verbunden ist. Über die Jahre hinweg wurde kräftig investiert, um das Besuchererlebnis kontinuierlich zu verbessern. Über diese Entwicklungen berichtet Alexandru Priscu, Marketingdirektor des Schlosses:
„Seit 2009 vergeht kaum ein Jahr ohne neue Projekte zur Weiterentwicklung des Anwesens von Bran. Manche Maßnahmen bleiben dem Publikum verborgen, etwa die Restaurierung des Dachs, während andere – wie die Sanierung der Südfassade – deutlich sichtbar sind. Besonders eindrucksvoll ist jedoch der sogenannte »Zeittunnel«: ein Aufzug, der Besucher vom Innenhof des Schlosses durch den Felsen hinab in den Königlichen Park bringt – eine 34 Meter lange Fahrt durch den Berg. Hinzu kommen die Restaurierung des Teehauses, dessen Einbindung in den Besucherparcours, sowie die Wiederherstellung des Verwalterhauses. Erwähnenswert ist auch die Ausstellung »Eine Geschichte der Furcht in Transsilvanien«, die während der Quarantänemonate 2020 eingerichtet wurde und das vierte Stockwerk des Schlosses in eine umfangreiche Schau zur rumänischen Mythologie verwandelte. Das Schloss Bran war über viele Jahre hinweg das einzige Museum der Region, das sieben Tage die Woche ohne Ausnahme geöffnet hatte – auch an Weihnachten und Neujahr.“
Zur Abrundung unserer Schlösser-Tour reisen wir in den Westen Siebenbürgens, nach Hunedoara (dt. Eisenmarkt), wo uns die majestätische Corviner Burg erwartet, auch als Hunyadi-Schloss bekannt, die zu den schönsten mittelalterlichen Burgen der Welt zählt. Mit ihren Bastionen, Türmen und dem beeindruckenden Innenhof bietet sie eine eindrucksvolle Reise in das Mittelalter. Besucher können hier nicht nur Verteidigungsanlagen und wertvolle architektonische Details entdecken, sondern auch Orte voller Legenden, die über Jahrhunderte überliefert wurden. Davon erzählt Sorin Tincu, Leiter des Museums Burg Hunedoara:
„Ein Höhepunkt ist der Brunnen der Burg, um den sich eine bekannte Legende rankt: Drei türkische Gefangene sollen ihn über 15 Jahre hinweg in den Dolomitkalk gegraben haben, um das Grundwasser zu erreichen. Ihre letzte Bitte – die Freiheit nach verrichteter Arbeit – wurde ihnen jedoch verwehrt, stattdessen wurden sie hingerichtet. Einer von ihnen soll der Legende nach in die Mauer geritzt haben: ‚Wasser habt ihr nun, ein Herz jedoch nicht.‘ Vom Brunnen aus gelangt der Besucher in das gotische Lapidarium, wo zahlreiche architektonische Fragmente ausgestellt sind, die im Zuge der Restaurierungen des 19. und 20. Jahrhunderts von den Burgmauern entfernt wurden. Weiter geht es zur sogenannten Artillerieterrasse oder dem Munitionsbastion aus dem 17. Jahrhundert sowie zur Bärengrube – einem abgelegenen Hof mit düsterer Vergangenheit, in dem einst Bären gehalten wurden und Gefangene ihnen zum Fraß vorgeworfen worden sein sollen.“
Die Schlösser und Burgen in Rumänien sind nicht nur unvergessliche Reiseziele, sondern lebendige Geschichtsbücher – faszinierende Zeugnisse vergangener Zeiten, die zum Entdecken, Erkunden und Staunen einladen.