In der Sprache der Fledermäuse
Vergessen Sie alles, was Sie über Vampire wissen. Oder die alte Gruselgeschichte, dass sich Fledermäuse in menschlichen Haaren verfangen. Das alles gehört ins Reich der Mythen. Die Realität sieht anders aus: Fledermäuse sind streng geschützte Wildtiere. Man darf sie nicht fangen, und man kann sie auch nicht einfach füttern.
Ana-Maria Cononovici und Adina Olaru, 19.02.2026, 17:52
Mehr noch: Fledermäuse sind extrem nützlich. Die meisten Arten vertilgen Unmengen an Insekten, die sonst unsere Ernten vernichten oder Krankheiten verbreiten würden. Andere Arten wiederum bestäuben Pflanzen.
Georgiana Mărginean Crețu ist Biologin und Forscherin aus Sibiu (Hermannstadt). Seit über 20 Jahren erkundet sie die unsichtbare Welt dieser fliegenden Säugetiere. Sie hat gelernt, ihnen zuzuhören. Mit Hilfe eines sogenannten Sonografen verwandelt sie die Ultraschall-Rufe der Tiere in sichtbare Geschichten.
„Man muss wissen: Fledermäuse orientieren sich in völliger Dunkelheit durch Ultraschall. Das nennt man Echoortung. Sie nutzen diese Technik, um Hindernissen auszuweichen – und dazu gehören auch Menschen und ihre Haare. Die Leute glauben immer noch, dass sie sich in den Haaren verfangen, aber das stimmt nicht. Sie weichen aus und jagen so ihre Beute.
Alle Fledermäuse in Europa und hier in Rumänien fressen ausschließlich Insekten. Das betone ich immer wieder, um gegen die vielen Vorurteile anzukämpfen. Ich versuche, die Menschen diesen Tieren näherzubringen, damit sie verstehen, wie nützlich sie eigentlich sind.“
Georgiana hat an der Fakultät für Ökologie und Umweltschutz studiert. Sie hat in den Făgăraș-Bergen und in den Wäldern des Hârtibaciu-Hochlandes gearbeitet und dabei seltene Kolonien entdeckt.
Aber wie erforscht man Tiere, die man nachts kaum sieht?
„Wo es keine Höhlen gibt, suchen wir sie dort, wo sie fressen. Weil es dunkel ist, nutzen wir sogenannte Fledermaus-Detektoren, die Ultraschall empfangen können. Damit versuchen wir, sie aufzuspüren und aufzunehmen.
Eine spezielle Software zeigt uns dann, wie diese Töne aussehen. So verstehen wir, was die Fledermaus gerade tun wollte. Denn sie nutzen verschiedene Töne – nicht nur zur Orientierung, sondern auch, um miteinander zu kommunizieren.
Ein Beispiel: Wenn wir in einer Gegend sind, wo es nur wenige Insekten gibt, und eine Fledermaus war zuerst da, dann warnt sie die Neuankömmlinge. Das klingt dann ungefähr so: ‚Ich war zuerst hier, das sind meine Insekten, mein Revier, bitte verschwinde.‘ Wenn die andere nicht gehen will, wird die Kommunikation aggressiver. Das sieht man sehr spannend auf dem Sonogramm.“
Es ist also ein echtes Gespräch, das da über unseren Köpfen stattfindet. Und manchmal wird aus dem Gespräch ein Streit. Mit mehr Einzelheiten dazu, Georgiana Mărginean Crețu:
„Diese Töne unterscheiden sich von ihren normalen Rufen. Ich nenne das ‚Verfolgungsjagd‘. Der Erste versucht, den Zweiten zu vertreiben. Was für mich am Anfang wie ein Spiel aussah, war in Wahrheit aggressives Verhalten. Wenn sie sehr stur sind, beißen sie sich sogar im Flug.
Interessant ist auch die Paarungszeit im Herbst. Bei manchen Arten suchen sich die Männchen einen Ast an den Flugrouten der Weibchen und beginnen zu singen. Das sind lange Lieder – statt Millisekunden dauern die Töne plötzlich dutzende Sekunden. Oder sie locken die Weibchen in Höhlen. Auch dort gibt es Töne, die wie Necken oder kleiner Streit unter Paaren klingen. Sehr faszinierend.“
Fledermäuse sind Wildtiere. Sie hassen Gefangenschaft. Doch Georgiana hat beobachtet, dass diese Tiere eine erstaunliche Intelligenz besitzen, wenn sie in Not sind.
„Wie jedes Tier versuchen sie sich zu wehren, wenn man sie fängt. Sie beißen. Aber das Interessante ist: Ich hatte Fälle von verletzten Fledermäusen, die zu spüren schienen, dass ihnen geholfen wird. Trotz der Schmerzen haben sie nicht gebissen, sie haben sich helfen lassen.
Wir hatten eine Fledermaus für etwa dreieinhalb Jahre in der Obhut unseres Vereins in Sibiu. Sie hatte sich so sehr an Menschen gewöhnt, dass wir sie zu Bildungsaktivitäten in Schulen mitnehmen konnten.“
Die Forschung mit Fledermaus-Detektoren ist noch eine relativ junge Wissenschaft. Die Geräte kamen erst in den 90er Jahren so richtig auf. Georgiana Mărginean Crețu erklärte uns:
„Wir haben noch viel über die Echoortung zu lernen, wir entdecken ständig Neues. Es ist eine Herausforderung, aber auch faszinierend. Denn Fledermäuse haben keinen Standard-Ton, an dem man die Art sofort erkennt.
Sie passen ihre Rufe an den Lebensraum an, ändern sie je nach Hindernissen. Die Töne sind also in ständiger Veränderung. Man muss sehr genau auf die Frequenzen achten, um die Stimmen nicht zu verwechseln.“
Ob durch das Vertilgen von Schädlingen oder – bei tropischen Arten – durch das Bestäuben von Blüten: Ohne Fledermäuse gäbe es viele Dinge nicht, die wir lieben. Mango, Avocado, Bananen oder Kakao verdanken wir auch der Arbeit dieser Tiere.
Ein Grund mehr, nicht wegzulaufen, sondern zuzuhören, wenn es nachts über uns flattert.