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Andreas Samuelsson aus Schweden lebt seine soziale Ader in Rumänien aus

Andreas Samuelsson stammt aus Schweden, aus der Gegend um Göteborg. Aufgewachsen ist er in einem kleinen Dorf mitten in der Natur, in dem man noch mit dem Fischerboot auf den See hinausfuhr. Er wuchs mit vier Geschwistern auf und lernte früh, Dinge selbst herzustellen und zu reparieren – eine Fähigkeit, die ihn bis heute begleitet.

Andreas Samuelsson (Foto: persönliches Archiv des Schweden)
Andreas Samuelsson (Foto: persönliches Archiv des Schweden)

und , 26.02.2026, 18:03

 

RadioRomaniaInternational · Andreas Samuelsson aus Schweden lebt seine soziale Ader in Rumänien aus

 

Andreas Samuelsson kam 2004 kam nach Rumänien. Zunächst lebte er in benachteiligten Gemeinschaften mit armen und gesellschaftlich ausgegrenzten Menschen. Er wollte nicht nur helfen, sondern Perspektiven schaffen – und legte damit den Grundstein für erste unternehmerische Initiativen. Heute steht er an der Spitze der Organisation und Marke „Seeds of Kenosis“. Kenosis (altgriechisch für „Leerwerden“, „Entäußerung“) bezeichnet in der christlichen Theologie die Selbstentäußerung Christi bei der Menschwerdung. Laut Bibel verzichtete Jesus auf göttliche Attribute, um Knechtsgestalt anzunehmen. Es ist ein freiwilliger Akt der Demut, bei dem er seine göttliche Herrlichkeit ablegte, um den Menschen gleich zu werden, so das Konzept der Kenosis.

 

Andreas Samuelsson lebt heute in der Gemeinde Giarmata bei Timișoara (Temeswar) und führt ein Sozialunternehmen, das Menschen aus unterschiedlichen ethnischen Gemeinschaften zusammenbringt. Wie es dazu kam, erzählt er selbst:

 

Als ich 20 war, lebte ich in Schweden – und war ehrlich gesagt ziemlich gelangweilt. Alles war penibel geregelt und funktionierte reibungslos. Aber ich hatte das Gefühl, keinen wirklichen Platz, keine Aufgabe zu haben. Dann traf ich einen Engländer, der von seinen Abenteuern in Rumänien erzählte – von Straßenkindern, von armen Gemeinschaften. Mich hat das sofort begeistert. Dass jemand den Mut hatte, sich auf so ein Abenteuer, auf so einen Wahnsinn einzulassen – das wollte ich selbst erleben. Eigentlich wollte ich nur für eine Woche bleiben. Daraus sind inzwischen über 20 Jahre geworden.

Damals lebte dieser englische Freund in Șiria, einem Dorf bei Arad. Er nahm mich mit in ein Ghetto am Bahnhof, in das sich nicht einmal die Polizei wagte. Wir begegneten Menschen, die in völliger Armut lebten. Und das wurde meine neue Welt: Erde an den Schuhen, im Winter Holz hacken, Wasser schleppen, weil es im Haus keinen Anschluss gab. Es war kalt und schlammig – aber zugleich voller Schönheit und echter Begegnungen. Für mich war das ein prägender Moment. Mir war nicht mehr langweilig. Ich hatte das Gefühl: Hier werde ich gebraucht. Hier kann ich etwas bewirken.“

 

Zunächst versuchte Andreas, ganz klassisch zu helfen – mit Kleidung oder Baumaterial. Doch bald merkte er, dass das allein nicht ausreicht.

 

Am Anfang dachten wir: Diese Menschen sind arm, also geben wir ihnen etwas. Aber irgendwann haben wir verstanden: Es geht nicht in erster Linie um Geld. Armut hat viel mit Perspektive und Mentalität zu tun. Viele dachten: Je ärmer ich bin, desto mehr muss ich vom Staat oder anderen Menschen bekommen. Aber so funktioniert das Leben nicht.

Ich war überzeugt, dass echte Veränderung nur über Arbeit entsteht. Also begannen wir mit Gemüseanbau. Wer sich gut um seine Pflanzen kümmerte, bekam ein Gewächshaus. Wer Verantwortung übernahm und wusste, wie man Tomaten pflegt, bekam ein größeres. Es ging nicht darum, wie arm jemand ist, sondern darum, worauf man stolz sein kann.

Ich bin also kein Wohltäter. Diese Menschen brauchen mich nicht – sie brauchen das Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Ich kann nur jemand sein, der sie ermutigt und begleitet. Angefangen hat alles damit, dass ich Mützen häkeln konnte. Ich ging zu älteren Frauen oder alleinerziehenden Müttern, brachte ihnen Wolle mit und zeigte ihnen, wie man Mützen häkelt. Die verkauften wir später in Schweden. Das war mein erstes kleines Geschäft. Danach kamen der Gemüseanbau und weitere Projekte.“

 

Inzwischen betreibt Andreas mit seinem Team eine Werkstatt, in der Holzprodukte entstehen. Seit fast zehn Jahren arbeiten dort erfolgreich Rumänen und Roma zusammen, viele von ihnen aus der benachteiligten Roma-Gemeinschaft im Dorf Cernăteaz bei Timișoara (Temeswar).

 

Nach zwölf Jahren habe ich geheiratet – und damit die beste Entscheidung meines Lebens getroffen: eine Frau aus Rumänien zu heiraten. Sie ist ein außergewöhnlicher Mensch: Sie hat mein Leben verändert und mir unglaublich viel beigebracht. Deshalb bin ich von Șiria nach Timișoara gezogen. Gemeinsam haben wir die Organisation »Seeds of Kenosis« gegründet, um hier, im Dorf Cernăteaz, das fortzusetzen, was ich zuvor begonnen hatte.

Unsere Frage war: Was können wir für die Menschen tun, die am Rand des Dorfes leben – oft in großer Armut? Und dann haben wir die Antwort gefunden: Nicht etwas für sie, sondern etwas mit ihnen zu tun. Als frisch Verheiratete hatten wir selbst kaum Möbel. Also begannen wir gemeinsam, das Nötigste aus Restholz zu bauen: ein Bett, einen Stuhl, einen Tisch, ein Schneidebrett. So entstand Schritt für Schritt unser Unternehmen – parallel zu einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder.“

 

Zum Schluss unseres Interviews erzählte Andreas Samuelsson, was er er besonders an Rumänien schätzt – und was er gerne verändern würde:

 

Ich habe hier unglaublich viele großartige Menschen kennengelernt – unter Roma wie unter Rumänen. Menschen, vor denen ich wirklich den Hut ziehe. Was sie unter schwierigen Bedingungen leisten, ist beeindruckend. Ich kenne Menschen mit riesigem Herzen – quer durch alle gesellschaftlichen Schichten –, die sich mit Hingabe für andere einsetzen, für Kinder, für Benachteiligte. Das ist für mich das Schönste an diesem Land.

Wenn ich etwas ändern könnte, dann dies: Rumänien kümmert sich oft nicht genug um diese gutherzigen Menschen. Sie bekommen nicht immer die Anerkennung, die sie verdienen. Manchmal habe ich das Gefühl, sie werden eher als Störfaktor gesehen. Das würde ich gern ändern. Wir sollten diejenigen schützen und fördern, die mit Herz und guten Ideen etwas bewegen wollen. Das wäre großartig.“

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