Internationaler Tag des Bibers
Am 7. April richtet sich weltweit die Aufmerksamkeit auf den Biber. Nicht ohne Grund wird er als „Ingenieur der Ökosysteme“ bezeichnet: Mit erstaunlicher Geschicklichkeit schafft er ein Mosaik aus natürlichen Flächen, das Wasser zurückhält und Feuchtgebiete erweitert.
Daniel Onea und Sorin Georgescu, 27.03.2026, 17:30
Indem die Landschaft mehr Wasser speichern kann, wird die Fließgeschwindigkeit deutlich reduziert, und selbst nach starken Regenfällen stabilisiert sich die Wassermenge. Auf diese Weise lassen sich Überschwemmungen abschwächen. Gleichzeitig trägt die Aktivität des Bibers dazu bei, in Trockenperioden einen stabilen Wasserfluss aufrechtzuerhalten.
Um mehr über die Geschichte und die aktuelle Situation dieser Art in Rumänien zu erfahren, haben wir mit Liviu Ungureanu gesprochen, Ranger bei der Stiftung Conservation Carpathia. Er schildert, wie die Rückkehr des Bibers in die Wildnis nach langer Abwesenheit gelungen ist.
„Der Biber ist in Rumänien und in vielen anderen europäischen Ländern zu Beginn des 19. Jahrhunderts verschwunden, etwa zwischen 1820 und 1825. Die ersten Wiederansiedlungsmaßnahmen in Rumänien wurden später vom Forstforschungsinstitut in Brașov (Kronstadt) durchgeführt. Damals wurden 184 Biber eingeführt und an den Flüssen Olt (Alt), Mureș (Mieresch) und Ialomița freigelassen. Unser Projekt zur Wiederansiedlung im Südosten des Fogarasch-Gebirges begann 2019, und die ersten Biber wurden im November 2021 tatsächlich ausgesetzt. Der Prozess ist recht aufwendig und erfordert viel Geduld, Fachwissen und schlaflose Nächte. Biber sind nachtaktive Tiere, deshalb müssen wir ihre Aktivitäten nachts überwachen. Wir versuchen, jeweils die gesamte Familie aus einem Gebiet zu fangen, damit kein Tier zurückbleibt. Das Făgăraș-Gebirge stellt eine natürliche Barriere dar, die sie alleine niemals überwinden könnten. Deshalb ist eine unterstützte Wiederansiedlung die einzige Möglichkeit, Biber im Südosten des Gebirges anzusiedeln.“
Der kontinuierliche Einsatz für die Rückkehr und den Erhalt dieser Art in Regionen wie dem Fogarasch-Gebirge ist durch die erheblichen ökologischen Vorteile gerechtfertigt. Ranger Liviu Ungureanu betont, wie stark diese Tiere Landschaften verändern und die biologische Vielfalt fördern.
„Die Anwesenheit des Bibers in einem Gebiet ist ein klares Zeichen dafür, dass dort viele andere Arten existieren, denn er schafft neue Lebensräume und Rückzugsorte. Wenn er einen Fluss aufstaut, entsteht dahinter ein kleines Gewässer, ein Teich. Dort entwickeln sich zahlreiche Insektenarten, und auch die Fischbestände nehmen zu. In der Folge kommen fischfressende Vögel und Säugetiere wie der Fischotter. In Trockenzeiten werden diese Wasserflächen zu wichtigen Trinkstellen für Wildtiere.“
Trotz seiner Schlüsselrolle im Ökosystem ist der Biber weiterhin mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Neben natürlichen Stressfaktoren stellt vor allem mangelnde Information ein Problem dar, erklärt der Ranger.
„Zu den natürlichen Bedrohungen zählen vor allem große Raubtiere wie Wolf, Bär und Luchs. Das häufigste Problem sind jedoch streunende Hunde, die den größten Schaden anrichten. Eine weitere große Schwachstelle ist der Mangel an Bildung und Aufklärung, wodurch viele falsche Vorstellungen entstehen. Manche Menschen glauben zum Beispiel, Biber würden Fische oder Hühner fressen oder sogar Staudämme zerstören – das ist völlig falsch! Der Biber ist ein reiner Pflanzenfresser: Vom Herbst bis zum Frühjahr ernährt er sich von Baumrinde, im Sommer hauptsächlich von krautigen Pflanzen. Fehlinformationen bleiben daher eine der größten Bedrohungen.“
Auf Grundlage unvollständiger Informationen kann es auch zu Konflikten zwischen Bibern und lokalen Gemeinschaften kommen, insbesondere in landwirtschaftlichen Gebieten nahe von Gewässern. Doch auch hier gibt es Lösungen, die ein Zusammenleben ermöglichen, weiß Ranger Liviu Ungureanu.
„Manchmal kommt es zu Zwischenfällen, vor allem dort, wo landwirtschaftliche Flächen sehr nah an Gewässer heranreichen. Wenn Biber dort Dämme bauen, können Schäden an Kulturen wie Mais entstehen oder in Einzelfällen Flächen überflutet werden. Für solche Situationen gibt es jedoch technische Lösungen. Man kann spezielle Entwässerungssysteme in die Biberdämme einbauen, die den Wasserstand regulieren. So ermöglichen wir ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Biber. Es gibt auch vereinzelte Fälle von Wilderei, oft aus Verwechslung – viele Angler halten den Biber für einen Fischotter oder glauben, er ernähre sich von Fisch. Doch in Gesprächen mit Anglern haben wir zuletzt einen Wandel festgestellt: Sie haben erkannt, dass durch die Biberdämme neue Gewässer entstehen, in denen sich Fischbestände stark vermehren – ein klarer Vorteil für sie.“
Langfristig bleibt Umweltbildung der Schlüssel zum Schutz des Bibers. Durch gezielte Initiativen sollen Wissen und Verständnis in der Bevölkerung gestärkt werden. Gleichzeitig macht Liviu Ungureanu auf ein weiteres drängendes Problem aufmerksam: die Verschmutzung der Gewässer.
„Um die Schutzmaßnahmen zu unterstützen, legen wir großen Wert auf Bildung. Wir haben in Rucăr im Kreis Argeș das ‚Haus des Bibers‘ eröffnet, ein Informationszentrum, in dem Besucher mehr über die Biologie und Bedeutung dieser Art erfahren können. Außerdem führen wir das Programm ‚Junior Ranger‘ durch, das sich an Kinder aus den lokalen Gemeinden richtet. Wir binden sie direkt in unsere Projekte ein, und überraschenderweise bringen die Jugendlichen eigene Lösungen ein, etwa Initiativen zur Reinigung von Flüssen, um einen sauberen Lebensraum zu gewährleisten. Auch wenn Biber gegenüber Plastikverschmutzung scheinbar tolerant sind, wirken sich Abfallansammlungen in Gewässern negativ aus. Die Geräusche von Plastik, das vom Wasser mitgeführt wird, stören sie so sehr, dass sie die betroffenen Gebiete schließlich verlassen.“
Die Rückkehr des Bibers in Rumäniens Flüsse ist weit mehr als ein ökologischer Erfolg. Sie steht für den Schutz der Biodiversität und die Bewahrung der Wasserqualität – Ressourcen, von denen wir alle abhängen. Das Verständnis und der Respekt für die Rolle dieses „Ingenieurs der Natur“ sind entscheidende Schritte hin zu einer sauberen und widerstandsfähigen Umwelt.