Glaube im Untergrund: Die griechisch-katholische Kirche Rumäniens und religiöser Widerstand im Kommunismus
Die mit Rom vereinte Rumänische Kirche, auch Griechisch-Katholische Kirche genannt, entstand am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts, im Zuge der Bestrebungen Österreichs, der Reformation entgegenzuwirken.
Steliu Lambru, 09.02.2026, 20:12
Als Gegenleistung für die Anerkennung erhielten die neuen Anhänger politische, bildungsbezogene und konfessionelle Rechte. In den von Rumänen bewohnten Gebieten spielte die Griechisch-Katholische Kirche eine wesentliche Rolle bei der Herausbildung des nationalen Bewusstseins und brachte zahlreiche bedeutende Intellektuelle und Politiker hervor.
1948, nach der Machtübernahme des kommunistischen Regimes, wurde die Griechisch-Katholische Kirche aufgelöst und verboten. Viele griechisch-katholische Politiker und Kirchenangehörige wurden in Gefängnisse geworfen, wo sie jedoch mit orthodoxen Geistlichen und Vertretern anderer Kirchen zusammentrafen und eine konfessionsübergreifende Solidarität entwickelten.
Trotz der Zeiten der Verfolgung ließen sich die Menschen nicht entmutigen und bewahrten ihren Glauben. Der griechisch-katholische Priester Nicolae Lupea war politischer Häftling in den kommunistischen Gefängnissen. Im Jahr 2001 berichtete er dem Zentrum für Mündliche Geschichte des Rumänischen Rundfunks, dass es den Priestern trotz der extremen Lebensbedingungen in den Haftanstalten gelang, den Gottesdienst zu feiern.
„Vor allem sonntags wurde die heilige Liturgie von den Priestern gefeiert, die dort in den Gefängnissen waren. Man verwendete Wein, den die Häftlinge von zivilen Personen erhielten, die am selben Arbeitsplatz wie die Gefangenen arbeiteten. Als Brot benutzten wir das, was uns das Gefängnis gab – das schwarze Brot.“
In der Geschichte der rumänischen Intellektuellen unter dem Kommunismus stellt der Fall des Literaturkritikers Nicolae Steinhardt eine ganz besondere Episode dar. Als Jude wurde er unter der Anschuldigung inhaftiert, einem Kreis antikommunistischer Intellektueller nahegestanden zu haben. In diesem Universum der Unmenschlichkeit entschloss er sich zur Konversion zum Christentum. Nicolae Lupea:
„Ich war eine Zeit lang mit ihm in Haft, mit Nicolae Steinhardt. Ich war auch mit Alexandru Paleologu, mit Doktor Al-George, mit einigen weiteren Persönlichkeiten und mit vielen anderen Häftlingen in einer Zelle in Jilava. Dort war auch ein Priester, ein etwas jüngerer Mann als ich, er hieß Mina Dobzeu, ein bessarabischer Mönch, der zu sieben Jahren verurteilt war. Steinhardt war Jude, etwa 60 Jahre alt, dachte ich, denn er war grauhaarig und kahl. Er nahm Kontakt sowohl mit dem orthodoxen Priester als auch mit mir auf und sagte mir, dass er sich taufen lassen wolle.“
Steinhardt traf die große Entscheidung seines Lebens unter dem Einfluss seiner Freunde.
„Am Morgen des Tages, an dem er getauft wurde, kam er zu mir ans Bett, gleich nachdem wir morgens aufgestanden waren, und sagte mir, dass er mit der Aktion gegen die Griechisch-Katholische Kirche nicht einverstanden gewesen sei und auch nicht mit der Zusammenarbeit der orthodoxen Kirche mit der Securitate bei dem Verbot unserer Kirche, der Griechisch-Katholischen Kirche. Er wollte jedoch von Pater Mina getauft werden, weil dieser orthodox war und weil Alecu, Alexandru Paleologu, sein Freund war. Er wollte in orthodoxer Form getauft werden, weil – so oder so – die orthodoxe Kirche nicht verboten war. Wenn ich versuchen würde, den griechisch-katholischen Glauben zu praktizieren, müsste ich mit Ihnen hierherkommen, wir wären ein verbotener Kult. Und ich sagte damals: Gut, Herr Steinhardt.“
Doch die Gemeinschaft unter den Häftlingen ging über konfessionelle Unterschiede hinaus. So auch Steinhardts Taufe.
„Dann ging er und teilte dem orthodoxen Priester Mina Dobzeu das Gespräch mit, das er mit mir geführt hatte. Dobzeu kam zu mir, gemeinsam nahmen wir eine Kanne mit Wasser, und wir beide weihten dieses Wasser. Jeder sprach eine Formel, die er auswendig aus den Gottesdiensten kannte, die wir früher bei der Wasserweihe gefeiert hatten. Wir kannten sie, wir hatten keine Bücher, aus denen wir hätten lesen können. Ich erinnere mich, dass ich zwei Formeln verwendete. Ich sagte: Du aber, Herr, Menschenliebender, komm mit der Herabkunft deines Heiligen Geistes und heilige dieses Wasser! Und verleihe ihm die Gabe der Erlösung und den Segen des Jordan, damit es deinem Knecht Nicolae zur Vergebung der Sünden, zur Heilung von Seele und Leib werde. Und eine andere Formel war ebenfalls bei der Wasserweihe. Ich machte mit den Fingern das Kreuz im Wasser und sagte: Alle feindlichen Mächte sollen unter dem Zeichen des Bildes deines Kreuzes zerbrochen werden!“
Eine solche Zeremonie musste geheim bleiben, erklärte Nicolae Lupea
„Dann überlegten wir, wie wir ihn taufen sollten. Es war eine Übergangszelle und sie war überfüllt. Wir beschlossen, dass Steinhardt in der Zelle bleiben sollte. Er ging morgens nicht zum Hofgang. Man führte uns hinaus, um mit dem großen Kübel Wasser zu holen und die nächtlichen Fäkalien in den Hof zu einer Toilette zu bringen. Wir entschieden Folgendes: Pater Mina und ich würden als Erste kommen, und er würde zu der Kanne gehen, in der wir das Wasser geweiht hatten. Ich wäre hinten geblieben, um ihn abzuschirmen, damit die anderen ihn nicht sehen, wenn er getauft würde. Er kam schnell, Pater Mina nahm die Kanne, goss dreimal einige Tropfen Wasser über ihn und taufte ihn.“
Die Taufe Nicolae Steinhardts im Gefängnis, vollzogen von einem griechisch-katholischen und einem orthodoxen Priester, ist ein gemeinsames Zeugnis des Glaubens und des Leidens. Sie ist zugleich ein gemeinsames Zeugnis dessen, was uns alle zu Menschen macht.