Rumäniens Außenpolitik in den 1960er-Jahren: Unterstützung nationaler Befreiungsbewegungen
Die Tendenzen in den internationalen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg waren eindeutig auf Dekolonisierung und auf die Ermutigung der ehemaligen Kolonien zur Erlangung der Unabhängigkeit ausgerichtet. So entstanden die nationalen Befreiungsbewegungen.
Steliu Lambru, 02.02.2026, 20:07
Es war der Versuch, eine neue, bessere und gerechtere Welt zu schaffen. Vor diesem Hintergrund richtete sich das außenpolitische Interesse Rumäniens Anfang der 1960er-Jahre auf Afrika und Asien. Die Loslösung Rumäniens und der übrigen sozialistischen Staaten Europas von der sowjetischen Vormundschaft bedeutete mehr Eigeninitiative. Die Dritte Welt wurde attraktiv, und Rumänien entsandte seine Diplomaten, um seine Interessen zu fördern.
Mircea Nicolaescu war ab 1961 Botschafter Rumäniens in Ägypten. Im Jahr 1996 schilderte er dem Zentrum für Mündliche Geshcichte des Rumänischen Rundfunks, wie Rumänien die nationalen Befreiungsbewegungen unterstützte; die palästinensische Befreiungsbewegung stand dabei im Nahen Osten auf der Agenda.
„Die Haltung gegenüber der palästinensischen Befreiungsbewegung fügte sich in die allgemeine Haltung unseres Landes gegenüber den nationalen Befreiungsbewegungen ein. Alle afrikanischen Bewegungen hatten bis 1963 ihren Sitz in Kairo, während sie nach und nach ihre Unabhängigkeit erlangten. Zunächst einmal wurden die Befreiungsbewegungen als lokale Erscheinungen betrachtet, und dementsprechend blieb die Notwendigkeit ihrer Strukturierung ausschließlich eine interne Angelegenheit, im Interesse der jeweiligen Völker, gegenüber denen wir die internationale Pflicht hatten, unsere politische Unterstützung zu koordinieren. Mit anderen Worten: Unabhängig von ihrer inneren Ausrichtung, von ihren inneren Spannungen – die in nahezu allen nationalen Befreiungsbewegungen vorhanden waren, einschließlich der palästinensischen – haben wir diese Sichtweise weder öffentlich noch offiziell überschritten, auch nicht bei der Organisation unserer direkten Beziehungen zu diesen Bewegungen. Wir haben sie auch im Fall der palästinensischen Befreiungsbewegung angewandt.“
Afrika war ein von Rumänen kaum betretenes Territorium und wurde diplomatisch zunehmend großzügig, je mehr es den lokalen Bevölkerungen gelang, sich zu emanzipieren.
Mircea Nicolaescu dazu: „Was wir in Kairo gegenüber der Bewegung im Kongo getan haben, musste mit großer Vorsicht geschehen. Dort war die Befreiungsbewegung keine einheitliche Bewegung, und es gab sehr ernsthafte Versuche von außen, sie auszurichten und den Interessen der Großmächte zu unterordnen. Die Bewegung im Kongo war die stärkste, und es ergab sich, dass einer ihrer Zweige unter sowjetischer Vormundschaft stand. Ein anderer Zweig stand unter amerikanischer, ein weiterer unter chinesischer Vormundschaft. Es ist bekannt, dass es dort seitens der Großmächte eine sehr starke Einmischung gab, wie übrigens auch in Angola, ebenso in Mosambik, in erheblichem Maße auch in Kenia, in geringerem Maße in Tanganjika. Wir haben all diesen Bewegungen Unterstützung gewährt, denen, die sie angefordert haben, soweit wir dazu in der Lage waren. Wir haben jedoch allen Bewegungen gleiche Unterstützung gewährt. In unsere Botschaft kamen zum Beispiel nicht nur Vertreter einer einzigen kongolesischen Bewegung. Wir waren die Einzigen, zu denen alle kamen.“
Rumänien war in Bezug auf sein Engagement sehr klar: Es waren die lokalen Willensentscheidungen, die über ihre politische Zukunft bestimmten. Mircea Nicolaescu berichtet weiter:
„Wir waren die Einzigen, von denen sie mit der Vorstellung weggingen, dass das Problem der Befreiung, der Verwirklichung des Staates, ihres war. Wir sagten ihnen, sie sollten es selbst tun, und was uns betraf, das, was wir tun konnten, war, in den internationalen Organisationen ihre Tendenz politisch zu unterstützen. Wir verpflichteten uns, dort zu handeln, um direkte Unterstützung zu leisten, einschließlich materieller Unterstützung. So geschah es beispielsweise auf der Ebene der UNO. Aber was darüber hinausging – zu uns ins Land zu kommen –, nein, dafür hatten sie bei uns nichts zu suchen. Für uns waren sie keine kommunistische oder kapitalistische oder prochinesische Bewegung. Für uns waren sie eine nationale Befreiungsbewegung.“
Diese ausgewogene Haltung brachte Rumänien Vorteile, wie Mircea Nicolaescu bezeugte:
„Nicht zufällig hatten wir politisch, ideologisch und menschlich gute und sehr gute Beziehungen zu absolut allen Ländern, die sich im Verlauf dieses gewaltigen Prozesses befreit haben. So kam es, dass Afrika innerhalb von nur sechs Jahren – von drei unabhängigen Staaten, die es damals gab, als ich 1961 als Botschafter nach Ägypten entsandt wurde, nämlich Ägypten, Liberia und Äthiopien – auf 60 unabhängige Staaten anwuchs. Es war eine Bewegung, die im Laufe der Zeit den breitesten Zugang zur Unabhängigkeit für Völker sicherte, was sich auch bei der UNO bemerkbar machte. Wir hatten sehr gute Beziehungen sowohl zum rechts orientierten Kongo – ich meine Kongo-Zaire – als auch zu Kongo-Brazzaville, das eindeutig links orientiert war. Wir hatten sehr gute Beziehungen auch zu Kenia, mit populistischer, nach rechts gerichteter Orientierung, ebenso zu Tanganjika und zu den anderen. Nur wenige Länder waren in der Lage, ein solches Gleichgewicht zu bewahren. Und das hat uns sehr geholfen.“
Das Engagement Rumäniens zur Unterstützung der nationalen Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt folgte den Ideen und Tendenzen der damaligen Zeit. Offenkundig brachte dieses Engagement auch Vorteile mit sich.