Krieg in Transnistrien 1992: Russland hat von Anfang an mitgemischt
Im Frühjahr und in der ersten Hälfte des Sommers 1992, genauer zwischen März und Juli, kam es in Transnistrien – im Osten der Republik Moldau – zu einem militärischen Konflikt zwischen moldauischen Truppen und separatistischen Kräften, die von der russischen Armee unterstützt wurden. Infolge des Konflikts wurde Transnistrien zu einem abtrünnigen Gebiet, das Russland seither als Druckmittel nutzt, um die Politik der Republik Moldau auf höchster Ebene zu beeinflussen.
Sorin Georgescu und Steliu Lambru, 26.01.2026, 20:10
Der Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 ebnete den Weg zur Unabhängigkeit aller ehemaligen Unionsrepubliken. Die Republik Moldau erklärte am 27. August 1991 ihre staatliche Unabhängigkeit. Doch in den links des Dnjestr-Flusses gelegenen Rayons, die sich bald darauf selbst zur „Transnistrischen Moldauischen Republik“, kurz Transnistrien, erklärten, bereiteten Politiker und paramilitärische Formationen mit Unterstützung Russlands die Sezession vor. Zwischen März und Juli 1992 folgte ein bewaffneter Konflikt zwischen den legitimen Streitkräften der Republik Moldau und separatistischen Milizen – ein Konflikt, an dessen Ende Moldau die Kontrolle über Transnistrien verlor.
Der Jurist und Rechtsprofessor Adrian Năstase war zwischen 1990 und 1992 Außenminister Rumäniens – in der Zeit des Konflikts zwischen Moldau und Transnistrien. Bei der Vorstellung des Buches „Der moldauisch-russische Krieg am Dnjestr im Frühjahr–Sommer 1992“ des Historikers Mihai Gribincea erklärte Năstase, dass Russland aus juristischer Sicht Partei des Konflikts gewesen sei, auch wenn Moskau seine Beteiligung stets bestritten habe.
„Dieser Konflikt, dieser Krieg, fand zwischen den Führungsspitzen in Chișinău und den Führungsspitzen in Tiraspol statt. Oder – wie aus Dokumenten hervorgeht, die möglicherweise von russischer Seite mit viel zu großer Leichtigkeit unterzeichnet wurden – haben die Russen anerkannt, dass sie Teil des Konflikts waren, als dieser zu Ende ging. Die Tatsache, dass sie das Dokument zur Beendigung des Konflikts unterzeichnet haben und darin von »Parteien« sprechen, ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass Russland an diesem Krieg beteiligt war.“
Eine Sichtweise, die viele Experten in der Republik Moldau und in Rumänien teilen, wenn auch nicht so direkt. Doch Adrian Năstase ist auch der Meinung, dass während des Transnistrien-Konflikts nicht allein Russland für die staatliche Destabilisierung der Moldau verantwortlich gemacht werden dürfe. Auch der Nachbarstaat Ukraine habe ein Interesse an der Destabilisierung gehabt.
„Die Ukraine hat in jener Zeit versucht, aus dem Krieg Nutzen zu ziehen. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, die Entsendung der Kosaken-Truppen zu verhindern. Sie hoffte, letztlich vielleicht sogar territorial aus diesem Konflikt Gewinn zu ziehen. Ich möchte noch eines sagen, das wir unbedingt berücksichtigen müssen. Wir sprechen heute über Hyperschallwaffen, über hochentwickelte militärische Ausrüstung, über Flugzeuge und so weiter. Sehr oft werden Kriege jedoch durch Verrat gewonnen. Und meiner Meinung nach hatte die Republik Moldau aus militärischer Sicht damals keinerlei Chance, zu gewinnen. Vor allem waren viele Kader in der moldauischen Armee Menschen, die in Moskau studiert hatten und Teil der sowjetischen Armee gewesen waren. Gemischte Ehen prägten weitgehend die Führung des Landes – selbst Präsident Mircea Snegur war ein Beispiel dafür, aber nicht nur er. Die meisten Spitzenpolitiker und Funktionäre hatten russische Ehefrauen.
In dieser Atmosphäre wurde die Republik Moldau militärisch sehr leicht besiegt, weil viele Informationen über die Truppenaufstellung – in Bender und anderswo – bereits im Voraus bekannt waren. Diejenigen, die tatsächlich an den Kämpfen teilnahmen, hatten keinerlei Erfahrung im Bereich der Aufklärung und Gegenspionage. Und zudem wusste die russische Armee ganz genau, wo die moldauischen Truppen stationiert waren, welche Angriffsabsichten bestanden und so weiter.“
Der Historiker und Autor Mihai Gribincea betont, dass die Abspaltung Transnistriens ein Phänomen jüngeren Datums sei.
„Wenn wir die Geschichte der links des Dnjestr gelegenen Gebiete der Republik Moldau untersuchen, einschließlich der Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik, werden wir feststellen, dass es dort niemals eine separatistische Bewegung oder eine Bewegung zur Selbstbestimmung dieses Territoriums gegeben hat.
Mehr noch: Als 1924 die Moldauische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik gegründet wurde, sollte sie ein Brückenkopf Sowjetrusslands nach Bessarabien sein. Die lokale Bevölkerung war gegen die Gründung dieser Republik. Es gibt sehr viele Dokumente – auch ich habe zahlreiche in meinem Archiv –, aus denen hervorgeht, dass viele Ortschaften forderten, diese Republik nicht zu schaffen, weil die Bewohner Diskriminierung befürchteten. Die Lage beruhigte sich erst, als die Behörden erklärten, dass neben der moldauischen Sprache auch Ukrainisch und Russisch gleichberechtigt verwendet würden. Das war im Jahr 1924.
Es stellt sich also die Frage: Wenn es weder in der Zwischenkriegszeit noch während der Existenz der Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik eine Autonomie- oder Separationsbewegung gab, wie ist es dann zu erklären, dass während der Perestroika plötzlich diese separatistische Bewegung und die Idee einer eigenen Republik mit der Hauptstadt Tiraspol entstanden?“
Dass Russland den Krieg in Transnistrien orchestriert habe, sei bereits damals offensichtlich gewesen. Mit seinem neuen Buch liefere Mihai Gribincea dafür nun unwiderlegbare Beweise.
„Tatsächlich hätte eine solche Republik ohne die umfassende Unterstützung Moskaus nicht entstehen können. Ziel dieser Republik war es, einerseits ein Instrument, ein Hindernis auf dem Weg zur Vereinigung der Republik Moldau mit Rumänien zu schaffen. Andererseits diente Transnistrien Russland als Vorwand, seine Truppen in diesem Gebiet zu behalten.
General Lebed sprach von Transnistrien als dem »Schlüssel zum Balkan«. Andere Politiker bezeichneten Transnistrien als das Gebiet, von dem aus die Wiederherstellung der UdSSR beginnen werde. Wieder andere sahen darin ein zweites Kaliningrad an den südlichen Grenzen der ehemaligen Sowjetunion.
Tatsächlich hatte dieser Konflikt keine lokalen Voraussetzungen, die einen Konflikt zwischen Chișinău und Tiraspol hätten rechtfertigen können.“
Der Krieg in Transnistrien gilt heute als eingefrorener Konflikt und seine Lösung bleibt ungewiss.