Nachhaltige Klimaanpassung: Grüner Gürtel um Bukarest geplant
Bukarest gehört zu den verkehrsreichsten Hauptstädten Europas. Nun soll die Stadt nachhaltiger werden. Geplant ist ein Grüner Gürtel rund um Bukarest. Er soll die Luftverschmutzung eindämmen und die Folgen des Klimawandels abmildern.
Daniel Onea und Sorin Georgescu, 25.09.2026, 17:30
Der Grüngürtel soll wie eine „Sauerstoffmaske“ für die unter dem Verkehr leidende Stadt wirken. Für das Projekt sind rund 50 Millionen Euro vorgesehen. Die ersten größeren Maßnahmen – darunter Enteignungen und Aufforstungen – sollen nach offiziellen Angaben 2027 beginnen. Die vollständige Umsetzung ist bis 2050 geplant. Es geht dabei um mehr als um neue Bäume. Entstehen sollen auch wichtige ökologische Korridore. Außerdem sollen Feuchtgebiete geschützt werden. Wie komplex das Vorhaben ist und welche Bedeutung es für die Zukunft der Metropolregion hat, erklärt Ciprian Gălușcă. Er ist Geschäftsführer der Plattform für Klimaanpassung.
„Der Grüne Gürtel ist ein ebenso notwendiges wie ehrgeiziges Projekt. Wir wollen eine Vegetation entwickeln, die dabei hilft, die negativen Folgen des Klimawandels abzumildern. Gleichzeitig geht es um eine umfassende Raumplanung für die Metropolregion Bukarest.
Auch Erholungsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle. Man kann sich vorstellen, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft sogar ein ganzes Wochenende in der Nähe von Bukarest verbringen können – in diesem Grünen Gürtel. Im Sommer könnten wir dort, 30 bis 50 Kilometer außerhalb der Stadt, der Hitzeinsel im Stadtzentrum entkommen und uns erholen.
Damit diese Infrastruktur wirklich mit Leben gefüllt werden kann, brauchen wir zunächst einen Plan.“
Was genau unter dem Grünen Gürtel zu verstehen ist, wird derzeit allerdings unterschiedlich gesehen. Einige Bürgermeister aus der Metropolregion befürchten, dass das Projekt die wirtschaftliche Entwicklung bremsen könnte. Ciprian Gălușcă hält diese Sorge für unbegründet. Beispiele aus Westeuropa zeigten vielmehr, dass eine solche Infrastruktur wirtschaftliche Entwicklung fördern könne.
„Einige Bürgermeister aus der Metropolregion befürchten zum Beispiel, dass ein solches Projekt die lokale Entwicklung blockieren könnte. Das stimmt überhaupt nicht. Beispiele aus Westeuropa zeigen das Gegenteil: Der Aufbau einer solchen Infrastruktur hat wirtschaftliche Entwicklung ausgelöst und die Grundlage für eine nachhaltige Wirtschaft geschaffen.
Ein kurzes Beispiel: Der Grüne Gürtel könnte zu einem Treffpunkt für lokale Produzenten und die Menschen aus Bukarest werden. Die könnten am Wochenende dort einkaufen und verschiedene Gebiete des Grünen Gürtels besuchen. Man könnte mit dem Fahrrad zum Wald oder zu einem der Seen in der Umgebung fahren und unterwegs auf einem Markt mit regionalen Produkten Halt machen.
Der erste Punkt auf der Tagesordnung ist deshalb, eine gemeinsame Vision für diesen Gürtel zu entwickeln. Dafür brauchen wir den Beitrag aller wichtigen Akteure: der lokalen Behörden, der Wirtschaft, der Menschen in Bukarest und der Gemeinden in der Umgebung. Wir müssen gemeinsam festlegen, wohin wir mit dem Grünen Gürtel wollen und welche Ziele wir damit verfolgen. Denn das ist ein langfristiger Prozess. Er wird nicht in einem oder zwei Jahren abgeschlossen sein.
Wir können uns zum Beispiel Wien anschauen. Dort wird die grüne Infrastruktur rund um die Hauptstadt seit mehr als hundert Jahren entwickelt. Der Grüne Gürtel ist ein lebendiger Organismus. Deshalb brauchen wir zunächst eine starke, klare und schlüssige Entwicklungsperspektive, bevor wir mit der Umsetzung beginnen.“
Die Grundlage für das Projekt ist bereits vorhanden. Vor Ort gibt es zahlreiche Waldflächen, Seen und Weiden. Nach Ansicht des Klimaexperten fehlt bislang allerdings ein gemeinsames Konzept, damit daraus ein funktionierendes Netzwerk werden kann.
„In der ersten Phase gehen wir von rund 26 000 Hektar Wald im Kreis Ilfov aus. Diese Flächen werden derzeit nicht so bewirtschaftet, wie wir es uns im Rahmen eines Grünen Gürtels wünschen würden. Im Mittelpunkt müssten die soziale Funktion, die Widerstandsfähigkeit und die Anpassung an den Klimawandel stehen. Deshalb müssen wir überdenken, wie die Wälder derzeit bewirtschaftet werden.
Daneben gibt es ein Netz aus Seen und Weideflächen. Leider ist dieses Netz inzwischen nicht mehr mit den Wäldern verbunden. Zahlreiche Neubauprojekte und die Verkehrsinfrastruktur in der Metropolregion haben diese natürlichen Gebiete voneinander getrennt.
Wir müssen deshalb Lösungen finden, um diese Naturflächen wieder miteinander zu verbinden. Gleichzeitig sollen sie nachhaltig zugänglich werden – für die Menschen aus der Region und für alle Bewohner der Metropolregion. Zunächst müssen wir dafür sorgen, dass die Besucher diese Orte als angenehm erleben.
Wir haben bereits genügend Naturflächen, um dieses Konzept auf den Weg zu bringen. Wir können daraus eine gemeinsame Vision und einen konkreten Aktionsplan entwickeln. Außerdem brauchen wir eine Organisation, die diese Infrastruktur verwaltet. Danach können wir über eine Erweiterung und über weitere Aufforstungsaktionen sprechen.“
Erfolgreiche Beispiele aus anderen europäischen Städten zeigen laut Ciprian Gălușcă, dass der Schutz der Umwelt schneller vorangetrieben werden muss. Nur so lasse sich die Zukunft großer Städte sichern.
„Der Schutz der Stadt hat Priorität. Wenn wir wollen, dass Bukarest in 20 oder 30 Jahren noch lebenswert ist – vielleicht sogar schon früher –, müssen wir handeln. Eigentlich hätten wir schon längst damit beginnen müssen. Jetzt müssen wir umso schneller vorankommen.
Ein Beispiel ist Paris. Nach den Hitzewellen mit zahlreichen Todesopfern Anfang der 2000er-Jahre hat die Stadt eine Reihe äußerst ambitionierter Maßnahmen umgesetzt. Die Grünflächen innerhalb der Stadt wurden ausgeweitet. Außerdem wurden Pläne für schnelle Maßnahmen bei extremer Hitze entwickelt. Heute ist Paris deutlich besser vorbereitet als noch vor 20 Jahren.
Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Vegetation, Wälder und natürliche Gebiete innerhalb und in der Nähe von Städten sind die besten und zugleich kostengünstigsten Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel.“
Der Erfolg des Grünen Gürtels hängt damit vor allem von der Zusammenarbeit aller Beteiligten ab. Entscheidend ist auch, ob die Verwaltungen den Mut haben, die vorhandenen Naturflächen zu einem zusammenhängenden Netzwerk auszubauen. Es geht dabei nicht nur um bessere Luft. Der Grüne Gürtel soll auch dazu beitragen, die Lebensqualität und langfristig die Gesundheit der Menschen in der gesamten Region Bukarest zu schützen.