Schäßburg: lebendiges UNESCO-Weltkulturerbe hautnah erlebt
Heute nehmen wir Sie mit nach Sighișoara (dt. Schäßburg), in die älteste noch bewohnte mittelalterliche Festungsstadt Europas. Jahr für Jahr zieht die Stadt Zehntausende Besucher an – nicht nur wegen ihres einzigartigen historischen Charmes, sondern auch dank der zahlreichen Veranstaltungen, die hier stattfinden.
Ana-Maria Cononovici und Sorin Georgescu, 16.06.2026, 17:30
Die Geschichte Schäßburgs reicht bis ins Jahr 1367 zurück, als der Ort offiziell zur Stadt erklärt wurde. Damals wurde er von einer mächtigen Befestigungsanlage mit 14 Türmen und vier Bastionen geschützt. Obwohl die Altstadt vergleichsweise klein ist, erwartet die Besucher eine Vielzahl sehenswerter Attraktionen. Zu den Höhepunkten zählen die überdachte Schülertreppe, das mittelalterliche Zentrum, der Stundturm sowie zahlreiche Kirchen und Museen, darunter das Zunfthaus, das Kartenmuseum und das Geschichtsmuseum.
Die Schülertreppe, auch „Überdachte Treppe“ genannt, stammt aus dem Jahr 1642. Sie führt hinauf zur sogenannten Bergschule, dem heutigen Josef-Haltrich-Gymnasium, einer der ältesten Schulen Siebenbürgens, die bereits 1522 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Treppe sollte die Schüler auf ihrem Weg zur Schule vor Regen und Schnee schützen. Heute umfasst sie 175 Stufen; ursprünglich waren es sogar 300.
Das mittelalterliche Zentrum mit seinen zahlreichen historischen Gebäuden gehört seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zu den bekanntesten Bauwerken zählen das Hirschhaus sowie das Haus von Vlad Dracul, in dem der Legende nach Vlad Țepeș (Der Pfähler), besser bekannt als Dracula, geboren wurde.
Wer Schäßburg besucht, sollte unbedingt den Stundturm erklimmen – eines der Wahrzeichen der Stadt. Ursprünglich als zweigeschossiger Uhrturm errichtet, wurde er später um vier weitere Etagen erweitert. Nach 110 Stufen werden die Besucher mit einem beeindruckenden Blick über die Altstadt belohnt. Sehenswert sind auch die Türme der Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Kürschner und Metzger. Für kultur- und religionsgeschichtlich Interessierte bieten sich die Dominikanerkirche, die römisch-katholische Kirche sowie die lutherisch-evangelische Bergkirche an.
Neben den historischen Sehenswürdigkeiten locken zahlreiche Veranstaltungen an. Die bekannteste ist das Mittelalterfestival in Schäßburg, das jedes Jahr Ende Juli stattfindet. Rittergruppen, mittelalterliche Musikanten, Künstler, Kunsthandwerker sowie Straßentheaterensembles sorgen dabei für ein einzigartiges Erlebnis. Darüber hinaus gibt es weitere Festivals, etwa für Blasmusik, klassische Musik oder Filmkunst.
Dinu Toderică vom Verein „Drag de Sighișoara“ (in etwa: „Aus Liebe zu Schäßburg) sprach mit uns über Initiativen zur Verlängerung der Tourismussaison, einer Zeit, in der sich die Stadt ohnehin großer Beliebtheit erfreut. Ein erstes erfolgreiches Projekt war die Halloween-Veranstaltung des vergangenen Jahres, die innerhalb von drei Tagen mehr als 12 000 Besucher anzog – mehr als doppelt so viele wie von den Organisatoren erwartet.
„Zunächst haben wir uns vorgenommen, jedes Jahr zwei große und zwei kleinere Veranstaltungen zu organisieren. Die Gemeinschaft engagiert sich sehr stark, und das ermutigt uns zusätzlich. Halloween haben wir erstmals veranstaltet, ebenso den Karneval, und wir möchten beide Veranstaltungen in den kommenden Jahren fortführen. Darüber hinaus planen wir zwei weitere Events, die ebenfalls außerhalb der Hauptsaison stattfinden sollen.“
Eine Besonderheit der Region ist das weitläufige Netz eigens angelegter Radwege. Es ermöglicht Besuchern jeden Alters, die umliegenden Wälder bequem zu erkunden – entweder auf eigene Faust oder im Rahmen geführter Touren.