Neuer historischer Höchststand an der Bukarester Börse
Die Bukarester Wertbörse (BVB) hat trotz der politischen Krise in Bukarest und der internationalen Verwerfungen kürzlich ein neues Allzeithoch erreicht. Experten deuten dies als zunehmende Reife des rumänischen Kapitalmarkts.
Mihai Pelin und Sorin Georgescu, 11.05.2026, 15:11
Die Auswirkungen politischer Krisen auf die Bukarester Börse haben in den vergangenen Jahren stetig abgenommen – ein Zeichen für die zunehmende Reife des rumänischen Kapitalmarkts. Zu dieser Einschätzung gelangen Analysten vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Krise in Rumänien, die sich mit internationalen Spannungen überschneidet. Vor wenigen Tagen war der rumänische Leu auf den niedrigsten Stand seiner Geschichte gegenüber dem Euro gefallen, nachdem die Regierung in Bukarest nach einem Misstrauensvotum im Parlament den Hut nehmen musste.
Inzwischen gibt es Anzeichen einer makroökonomischen Stabilisierung. Der Leu legte am Interbankenmarkt um 0,7 Prozent zu und machte damit einen Teil der jüngsten Verluste wieder wett. Der Leitindex BET der Bukarester Börse beendete die Freitagssitzung – die letzte Handelsrunde der vergangenen Woche – mit einem Plus von 1,2 Prozent und erreichte mit 29 720 Punkten ein neues Rekordniveau. In der Woche, in der die von dem Liberalen Ilie Bolojan geführte Regierung gestürzt wurde, gewann der Index insgesamt mehr als fünf Prozent.
Auch Hidroelectrica, Rumäniens größter Stromerzeuger und zugleich wertvollstes Unternehmen des Landes, erreichte ein neues Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung stieg auf 76 Milliarden Lei, umgerechnet rund 14,6 Milliarden Euro – das war der bislang am höchsten notierte Wert an der Bukarester Börse. Seit Jahresbeginn legte der BET-Index, der die Entwicklung der 20 zahlungsfähigsten börsennotierten rumänischen Unternehmen widerspiegelt, um 21 Prozent zu. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Plus inzwischen mehr als 80 Prozent.
Auch die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen ging um 0,43 Prozentpunkte auf 6,95 Prozent zurück. Die Finanzierungskosten des rumänischen Staates seien infolge positiver internationaler Signale zur Entspannung im Nahen Osten rückläufig, erklärte der kommissarische Finanzminister Alexandru Nazare. Ihm zufolge sei das Interesse der Investoren an rumänischen Staatsanleihen bei der jüngsten Ausgabe einjähriger Wertpapiere deutlich gestiegen. Rumänien habe dabei mehr als doppelt so viel Kapital aufgenommen wie ursprünglich geplant. Das sei ein Zeichen für das wachsende Vertrauen der Investoren in die Fähigkeit Rumäniens, seine finanzielle Stabilität zu sichern, so der Finanzminister.
Vor diesem Hintergrund soll der Verkauf staatlicher Beteiligungen an strategischen Unternehmen bis Ende 2027 vorübergehend untersagt werden. Das sieht ein Gesetzentwurf der Sozialdemokratischen Partei (PSD) vor, die kürzlich aus der Regierungskoalition ausgeschieden ist. Das Dokument wurde bereits vom Senat verabschiedet und wird nun in der Abgeordnetenkammer unter die Lupe genommen. Die Initiatoren betonen, sie seien nicht grundsätzlich gegen Börsengänge staatlicher Unternehmen, stellten jedoch den gewählten Zeitpunkt und das Verfahren infrage. Im Regierungsprogramm fänden sich keinerlei Hinweise auf einen Verkauf von Vermögenswerten bei der staatlichen CEC Bank, dem Hafen Constanța, dem staatlichen Salzunternehmen Salrom oder bei Hidroelectrica.
Die oppositionelle Partei Union Rettet Rumänien (USR) hält dagegen, die Regierung habe lediglich beabsichtigt, Aktien solcher Unternehmen an die Börse zu bringen, damit sowohl rumänische Bürger als auch Investmentfonds Zugang dazu erhalten. Ausgenommen von der Regelung wären Unternehmen, die fünf Jahre in Folge Verluste verzeichnet haben oder gegen die per rechtskräftigem Gerichtsbeschluss ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Ebenfalls ausgenommen wären Beteiligungen mit einem Gesamtwert von weniger als fünf Millionen Lei, also rund einer Million Euro, zum Ende des vorangegangenen Geschäftsjahres.