„Art Safari New Museum“ in Bukarest eröffnet mit neuer Eminescu-Ausstellung
Bukarest hat einen neuen Ort für zeitgenössische Kunst: Das Kunstpavillon „Art Safari“ ist in sein neues Zuhause am Amzei-Platz im Zentrum der rumänischen Hauptstadt gezogen. Zum Auftakt der Saison 2026 präsentiert das „Art Safari New Museum“ Ausstellungen zur rumänischen und internationalen Kunst – darunter eine ungewöhnliche Annäherung an den Nationaldichter Mihai Eminescu.
Eugen Cojocariu und Alex Sterescu, 23.05.2026, 18:14
Das neue „Art Safari New Museum“ versteht sich als urbanes Museum für Gegenwartskultur – ein Ort, an dem Kunst, Stadt und Publikum miteinander ins Gespräch kommen sollen. Untergebracht ist das Projekt in einem Gebäude am Amzei-Platz, das elf Jahre lang leer stand und nun vollständig umgestaltet wurde.
Die Generaldirektorin von Art Safari, Ioana Ciocan, spricht von einem Neuanfang für das Kunstpavillon.
„Wir sind an den Amzei-Platz Nummer 13 gezogen – in ein Gebäude, das von der Architektin Diana Nicolae komplett neu gestaltet wurde. Es ist mutig von der Stadtverwaltung des ersten Bezirks, ein elf Jahre lang verlassenes Haus wieder für die Öffentlichkeit zu öffnen und daraus ein Museum zu machen. Wir beginnen die neue Saison mit mehreren Bereichen gleichzeitig: einem Museums-, einem historischen, einem zeitgenössischen und einem internationalen Pavillon.“
Die Besucher bewegen sich dabei von Etage zu Etage durch verschiedene Epochen und Ausdrucksformen der rumänischen Kunst. Im historischen Pavillon steht der Maler und Grafiker Nicolae Vermont im Mittelpunkt. Eine Etage tiefer begegnet man Mihai Eminescu – und noch weiter unten führt der Weg in die zeitgenössische Kunst des Malers Felix Aftene.
Ioana Ciocan beschreibt das Konzept als kulturelle Reise durch Vergangenheit und Gegenwart.
„Die Geschichte von Nicolae Vermont ist faszinierend. Durch die Zusammenarbeit mit der Bibliothek der Rumänischen Akademie konnten wichtige Dokumente gezeigt werden, die sein kompliziertes Leben in Rumänien nachzeichnen. Bei Mihai Eminescu wiederum zeigen wir bislang unveröffentlichte Dokumente aus den vergangenen 160 Jahren, aber auch zeitgenössische Kunstwerke, die eigens für Art Safari entstanden sind. Und im zeitgenössischen Pavillon präsentiert Felix Aftene einen Überblick über dreißig Jahre seines künstlerischen Schaffens.“
Eine der wichtigsten Ausstellungen der Saison trägt den Titel „R:Eminescu. Der rationale Dichter“. Sie widmet sich Mihai Eminescu, der als bedeutendster Dichter Rumäniens gilt. Die Ausstellung versucht, den Schriftsteller nicht nur als romantische Kultfigur zu zeigen, sondern auch als intellektuellen Denker seiner Zeit.
Der Kunsthistoriker Erwin Kessler, Generaldirektor des Nationalen Kunstmuseums Rumäniens und Mitkurator der Ausstellung, erklärt den Ansatz.
„‚R:Eminescu. Der rationale Dichter‘ ist zunächst eine Art Inventur. Zum ersten Mal versuchen wir, die Darstellungen Eminescus in der rumänischen Bildkunst systematisch zusammenzuführen. Die Ausstellung zeigt rund 400 Werke – ausgewählt aus vermutlich Zehntausenden Darstellungen. Eminescu ist bis heute der größte visuelle Mythos der rumänischen Kultur.“
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und zeigt, wie sich das Bild Eminescus im Lauf der Jahrzehnte verändert hat – vom romantischen Poeten des 19. Jahrhunderts bis hin zur politischen Vereinnahmung im Kommunismus und den kritischen Neuinterpretationen der Gegenwart.
Erwin Kessler beschreibt diese Entwicklung so:
„Im späten 19. Jahrhundert entstand zunächst das Bild des romantischen, empfindsamen Dichters. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich daraus die Vorstellung eines dunklen, komplexen Genies. Während der kommunistischen Zeit wurde Eminescu dann politisch umgedeutet und vor allem als sozialer und nationaler Dichter präsentiert. Nach 1989 wiederum begann eine Phase kritischer Neubewertungen und künstlerischer Dekonstruktionen des Eminescu-Mythos.“
Für Kessler liegt genau darin die Herausforderung: Eminescu sei in Rumänien über Jahrzehnte zu einer übermächtigen kulturellen Ikone geworden.
Zum Abschluss warnt der Kunsthistoriker deshalb auch vor den Risiken eines allzu starren Kults um den Nationaldichter.
„Schon kurz nach seinem Tod begann diese enorme Überhöhung seiner Figur. Durch die ständige Wiederholung wurde Eminescu zum festen kulturellen Kanon. Aber jeder Kanon birgt auch eine Gefahr.“
Die neue Saison im „Art Safari New Museum“ läuft noch bis zum 19. Juli. Neben rumänischer Kunst sind dort auch internationale Projekte des Tschechischen Zentrums und des Goethe-Instituts zu sehen.