Rumäniens Wirtschaftswachstum bricht ein: Prognose für 2026 deutlich gesenkt
Die rumänische Wirtschaft dürfte im laufenden Jahr deutlich schwächer wachsen als bisher erwartet. Darauf weist die Nationale Kommission für Strategie und Prognose in ihrer aktuellen Einschätzung hin. Die Gründe liegen sowohl in den internationalen Entwicklungen als auch in den innenpolitischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Staatsfinanzen.
Mihai Pelin und Alex Sterescu, 09.06.2026, 14:42
Die Nationale Kommission für Strategie und Prognose, kurz CNSP, rechnet für das Jahr 2026 mit einer weiteren Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Rumänien. In ihrer jüngsten Prognose senkte sie die Wachstumserwartung um 0,9 Prozentpunkte – von zuvor einem Prozent auf nur noch 0,1 Prozent.
Dennoch soll das Bruttoinlandsprodukt nominal weiter steigen. Für 2026 wird ein BIP von rund 2.056 Milliarden Lei veranschlagt, das entspricht etwa 395 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Für das Jahr 2025 wurde ein Wert von 1.916 Milliarden Lei beziehungsweise rund 368 Milliarden Euro ausgewiesen.
Wie aus der Projektion der wichtigsten makroökonomischen Indikatoren für den Zeitraum 2026 bis 2029 hervorgeht, wurden die mittelfristigen Aussichten in einem schwierigen geopolitischen Umfeld erarbeitet. Besondere Unsicherheit geht demnach von der Zuspitzung des Konflikts im Nahen Osten aus, die auf den Weltmärkten einen erheblichen Energieschock ausgelöst hat.
Die steigenden Kraftstoffpreise hätten zusätzliche inflationäre Effekte verursacht. Diese träfen auf die bereits laufenden Bemühungen Rumäniens, makroökonomische Ungleichgewichte durch Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung abzubauen. Die Kombination dieser Faktoren habe die wirtschaftlichen Aussichten für das laufende Jahr deutlich verschlechtert, so die Einschätzung der Kommission.
Auch für den Dienstleistungssektor wird eine ungünstige Entwicklung erwartet. Die Auswirkungen der fiskalischen Konsolidierungsmaßnahmen seien insbesondere in jenen Bereichen spürbar, die sich vor allem an private Haushalte richten.
Anders stellt sich die Lage im Bausektor dar. Dieser bleibt nach Einschätzung der Experten der dynamischste Wirtschaftsbereich des Landes. Getragen wird das Wachstum vor allem vom Ingenieur- und Infrastrukturbau, der von der verstärkten Nutzung europäischer Fördermittel profitiert. Hinzu kommt eine Erholung im Wohnungsbau, die bereits in den ersten Monaten dieses Jahres sichtbar geworden ist.
Auch auf der Nachfrageseite rechnen die Experten mit einer Abschwächung. Der private Konsum soll 2026 stärker zurückgehen als bislang angenommen.
Für die Jahre 2027 bis 2029 hält die CNSP jedoch an ihren bisherigen Erwartungen fest. Im Durchschnitt wird für diesen Zeitraum ein jährliches Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent prognostiziert. Hauptmotor soll weiterhin die Investitionstätigkeit bleiben.
Der private Konsum dürfte sich nach dem Rückgang im Jahr 2026 wieder erholen und mittelfristig sogar etwas schneller wachsen als die Gesamtwirtschaft. Dies wird vor allem damit begründet, dass die Auswirkungen der Haushaltskonsolidierung schrittweise nachlassen werden.
Nach Einschätzung der Kommission wird der Außenhandel allerdings weiterhin einen leicht negativen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten. Die Importe von Waren und Dienstleistungen dürften im Zuge einer wieder anziehenden Binnennachfrage stärker wachsen als die Exporte.
Auch internationale Finanzinstitutionen beurteilen die wirtschaftlichen Perspektiven Rumäniens derzeit eher zurückhaltend.
Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die BERD, erwartet für 2026 sogar eine Rezession. In ihrem jüngsten Bericht korrigierte sie ihre Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts nach unten und rechnet nun mit einem Rückgang um 0,2 Prozent. Noch im Februar war die Bank von einem Wachstum von 1,2 Prozent ausgegangen.
Auch die Europäische Kommission hat ihre Prognose deutlich reduziert – von 1,1 Prozent auf lediglich 0,1 Prozent.
Ähnliche Korrekturen nahmen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds vor. Der IWF senkte seine Wachstumserwartung von 1,4 auf 0,7 Prozent. Die Weltbank reduzierte ihre Prognose von 1,3 auf nur noch 0,5 Prozent.
Damit herrscht sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene Einigkeit darüber, dass die rumänische Wirtschaft in diesem Jahr vor erheblichen Herausforderungen steht und deutlich langsamer wachsen wird als noch vor wenigen Monaten erwartet.